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Heute ist der: 15.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Die Stasi in Tirol

Als im Tiroler Achsee eine männliche Leiche gefunden wird, geraten der Bürgermeister und Hotelier Paul Kofler, der Direktor der örtlichen Bank Ludwig Holzer und der Autohändler Max Unterberger in Panik .

Schnell stellt sich heraus, dass der Mord 15 Jahre zurückdatiert werden muss und es sich bei dem Opfer um einen DDR-Flüchtling handelt. Die Recherchen des Wiener Sonderermittlers Moritz Eisner und seines Innsbrucker Kollegen beschränken sich somit nicht nur auf die drei einflussreichsten Bewohner des Tiroler Bergdorfes, sondern führen sie direkt auf die Fährte undurchsichtiger Machenschaften der Stasi zu Zeiten der politischen Wende in Deutschland.

Einer für alle und alle für einen

Bild:ORF
Eine zentrale Bedeutung im Drehbuch nimmt die Inszenierung der scheinbar unerschütterlichen Freundschaft der drei Tatverdächtigen ein. Als unzertrennliches Dreiergespann treten sie bei einem Maskenball als die Drei Musketiere auf und beschwören ihren Männerbund, ihre Zusammengehörigkeit und ihre Loyalität mit dem Slogan ihrer Vorbilder "Einer für alle und alle für einen". Welche existentielle Rolle das gegenseitige Vertrauen der Freunde spielt, wird dem Zuschauer schnell klar, als feststeht, dass sich zwar alle drei an dem weit zurückliegenden Mord schuldig gemacht haben, keiner der Akteure jedoch die Rolle des jeweils anderen kennt. Durch die Anspielung auf die literarische Vorlage der Drei Musketiere wird sicherlich ganz bewusst mit der Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt, denn die Frage wer den Part D`Artagnons übernimmt und somit der vierte im Bunde (gewesen) sein könnte, drängt sich unweigerlich auf und wird die Ermittler zum Mörder und dessen Motiv führen,......

Doch auch die Besetzung von Aramis, Porthos und Athos - den verbleibenden Protagonisten - ist längst nicht so klar, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint,..... - ein Überraschungseffekt, der dem Krimi bis zuletzt Spannung verleiht.

Trauernde Tochter und Racheengel

Mit Sonja Kofler, der Adoptivtochter des Bürgermeisters, wird eine weitere Schlüsselfigur eingeführt. Als leibliche Tochter des vermeintlichen Mordopfers und DDR-Wissenschaftlers Heinz Borovski, ist dieser Person ein nicht unerheblicher Konflikt immanent. Einerseits unterstützt sie Moritz Eisner bei seiner Arbeit, damit der Mörder ihres Vaters seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann und andererseits ist ihr sehr wohl bewusst, dass sich mit jedem Ermittlungserfolg die Schlinge um den Hals ihres geliebten Adoptivvaters unweigerlich weiter zuzieht. Das Potenzial, das diesem Charakter durch seinen Grundkonflikt zugeschrieben wird, vermag Laura Tonke jedoch nicht überzeugend auszuspielen. Leider ist ihre Sonja von allem ein wenig zu wenig: zu wenig besessen um als Racheengel glaubhaft zu wirken und zu wenig trauernde Tochter als dass man ihr den - im Grunde genommen - doppelten Verlust des Vaters abnehmen kann. Auch von der Verzweiflung, die sie eigentlich in ihrer Zerissenheit zwischen den beiden Vätern empfinden müsste, ist zu wenig zu spüren .

Die Machenschaften der Stasi als beliebtes Motiv im Fernsehkrimi

Mit der Bearbeitung des Themas DDR beziehungsweise dem Schmuggel von DDR-Geldern während der Wendezeit, beabsichtigt der Drehbuchautor Felix Mitterer "die Welt von draußen hinein zu ziehen" - die Geschichten aus dem kleinen Tiroler Dorf nicht isoliert stehen zu lassen. In 'Tödliche Habgier' leidet dieser Gedanke jedoch an der nicht stattfindenden Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. So entsteht der Eindruck, dass das Thema zum erzählerischen Mittel verkommt, um einen Mord samt Motiv 15 Jahre in die Vergangenheit zu verlegen. Wie wenig Wert dabei auf einen ernstzunehmende und reflektierte Darstellung der DDR- und Wende- Zeit gelegt wird, ist unter anderem an den fast schon peinlichen Rückblenden abzulesen. Hier wird beispielsweise der DDR Wissenschaftler Heinz Borovski auf ein sächsisch sprechendes Klischeebild reduziert.

Und auch Sonja nimmt schließlich eine Haltung ein, die es dem Drehbuch erlaubt, auf jegliche Auseinandersetzung mit dem angeschnittenen Thema zu verzichten. Mit der eigenen Vergangenheit hat sie sich wenig beschäftigt - demonstrieren gingen sie und ihre Freunde 1989 aus Angst vor der Staatsmacht nicht. Insgesamt gesehen scheinen die Machenschaften der Stasi als Mordmotiv in letzter Zeit im Trend zu liegen. Nicht selten werden im Fernsehkrimi durch wenige, nebulöse Andeutungen bezüglich einer Stasi-Vergangenheit Mordmotive mehr oder weniger plausibel konstruiert.

Eisner als "lonesome cowboy"

Auch wenn dieser Krimi der Themenwahl an einigen Stellen nicht gerecht wird, so handelt es sich dennoch um einen gelungenen und spannenden Beitrag zur Reihe Tatort. Unterstützt wird die Spannung in der Erzählstruktur des Films durch die schnelle und vielschichtige Schnittfolge, die diesem Tatort streckenweise einen fast schon episodischen Charakter verleiht. Auf ästhetischer sowie narrativer Ebene eine temporeiche Erzählung!

Gelungen ist auch die Inszenierung des Sonderermittlers. Der Figur Moritz Eisner wird in diesem Fall genügend Raum gegeben, um als verschrobener "lonesome cowboy" zu überzeugen. Erfrischend ist auch die Entscheidung, ihm mit Sonja zwar weibliche Unterstützung an die Seite zu stellen, auf Eisners Tochter jedoch zu verzichten.

Katharina Gamer


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