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Heute ist der: 23.10.2018. --> Bis heute wurden 1082 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Gespräch mit Claudia Garde

"Auch Journalisten bohren nicht immer nach"

?Man glaubt immer, dass über alle wichtigen Ereignisse auch in der Presse berichtet wird. Dass aber brisante Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen, ist vielen Menschen bestimmt nicht bewusst?

?Investigativ? heißt der neue Hamburger ?Tatort? kurz und knackig. Worum geht es genau?
Konkret geht es um investigativen Journalismus angesichts bestimmter politischer und gesellschaftlicher Verwicklungen, die bestimmten Personen erheblich schaden könnten ? wenn sie ans Licht kommen.

Korruption ist also nicht das zentrale Thema?
Korruption spielt eine große Rolle, aber sie ist ein Mittel zum Zweck. Das Ziel heißt: politische Entscheidungen unter Umgehung der demokratischen Spielregeln so zu manipulieren, dass sie den eigenen wirtschaftlichen Interessen nützen.

Ein besonders reizvolles Thema für Sie als Regisseurin?
Ein besonders reizvolles Thema für mich ? nicht nur als Regisseurin, sondern vor allem als politisch denkender Mensch. Der Journalismus ist im Kern ein wichtiges Sprachrohr für die Gesellschaft. Allerdings verkommt er mehr und mehr zu einer Medienmaschinerie ? durch Einflüsse, die sich nicht unbedingt an einer Hand abzählen lassen. Im Print-Bereich gibt es inzwischen eine Flut von Blättern, zwischen denen sich der Leser entscheiden muss. Information wird dagereicht wie Falschgeld, und es wird immer schwerer für den Leser zu filtern, welche Nachricht wichtig und welche unwichtig ist. Hinzu kommt, dass sich nicht jedes wichtige Thema auf der ersten Seite findet,manche verschwinden nach der ersten Sensationsmeldung schnell wieder hinten im Blatt und geraten im Bewusstsein der Leser in Vergessenheit.Wir kennen das alle inzwischen.

Korruption und investigativer Journalismus sind keine neuen Themen ? was ist das Besondere an Ihrem ?Tatort??
Sicherlich stellen wir Bezüge zum aktuellen Geschehen in Hamburg her. Mich haben besonders die Verstrickungen zwischen staatlichen Organen und Presse mit halbseidenen Wirtschaftsinteressen interessiert. Offenbar wird nicht über alles offen berichtet, weil es Absprachen im Hinter grund gibt, von denen der Bürger nichts ahnt.Auch Journalisten bohren nicht immer nach oder dürfen nicht nachbohren ? das schürt Verdrossenheit und Ohnmachtsgefühl.

Wie setzen Sie Ihren Helden,Robert Atzorn als Kripo- Ermittler Jan Casstorff, bei diesem brisanten Thema in Szene? Als bekennenden Kämpfer für Ehrlichkeit und Moral?
Casstorff geht zunächst mit den Mitteln, die ihm zu Verfügung stehen, an diesen Fall heran. Hellhörig wird er allerdings, als er merkt, dass er mit den üblichen Kripo-Methoden hier nicht weiterkommt. Er wird von seinen Gegnern ausgebremst ? und das zunächst mit rechtsstaatlichen Mitteln und Kniffen.

In der vorigen ?Tatort?-Folge ?Schattenspiele? haben Sie ebenfalls Regie geführt und die knisternde Affäre zwischen Casstorff und Ursula Karven als Staatsanwältin inszeniert. Zeigen Sie den Kommissar in diesem ?Tatort? vor allem als kompetenten Ermittler?
Ja, die private Seite fällt hier etwas knapper aus,weil alle intensiv mit dem Fall beschäftigt sind.Außerdem lässt sich Wanda Wilhelmi als Staatsanwältin privat in den Fall hineinziehen und gerät zwischen die Fronten.

Wie zeichnen Sie den zwielichtigen Alexander Radu und seine Welt?
Mir liegt sehr daran, ihn zunächst einmal vorurteilsfrei als rechtschaffenen Menschen auftreten zu lassen. Ich wollte auf keinen Fall einen Bösewicht hinstellen, der nach allen Regeln der Kunst agiert. Er soll so sympathisch und nett wirken, damit es auch nachvollziehbar wird, dass er Menschen wie Wanda als Staatsanwältin für sich gewinnen und benutzen kann. Das Spannende ist aber, dass diese vermeintlich rechtschaffenden Menschen alles unternehmen, um die rechtlichen Grenzen auszureizen oder zu unterlaufen. Manchmal könnte man tatsächlich annehmen, sie glaubten sogar bis weit über die Grenzen der Kriminalität hinaus, das Rechte zu tun.

Kommissar Casstorff ermittelt diesmal auch innerhalb der Redaktion eines aktuellen TV-Magazins. Standen dabei die ARD-Politmagazine Pate?
Die Autoren ließen sich von einem investigativen Journalisten beraten, der aus eigenen Erfahrungen berichtet hat.

Haben Sie im realen Magazin-Studio gedreht?
Nein, wir haben im Atelier von Studio Hamburg unser eigenes Magazin aufgebaut, mit eigenem Namen, Logo, Look und mit einem erfundenen Fernsehsender ? dabei haben wir uns bewusst angelehnt an die bekannten Politmagazine.

Redakteurin Schulz und Redaktionsleiter Gebauer klagen in Ihrem ?Tatort? darüber, dass eine kritische Berichterstattung von rechtlichen Einschränkungen behindert wird.Kann ein Fernsehfilm wie der ?Tatort? als fiktionale Geschichte dort aufklären,wo Journalisten nicht weiterkommen?
Ein ?Tatort? kann etwas anstoßen, kann Interesse wecken bei den Zuschauern. Man glaubt immer, dass über alle wichtigen Ereignisse auch in der Presse berichtet wird. Dass aber brisante Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen, ist vielen Menschen bestimmt nicht bewusst. Deshalb hoffe ich schon, dass wir neugierig machen und neues Interesse für investigativen, aufklärenden Journalismus wecken können.

Haben Sie in Hamburg an Originalschauplätzen gedreht?
Die Szenen vor dem und im Gericht haben wir beim Oberlandesgericht gedreht, außerdem gibt es Szenen auf der Trabrennbahn.

Im Krimi kommt es in erster Linie darauf an, Spannung zu erzeugen. Haben Sie für sich ein Arsenal von Stilmitteln entwickelt, bei denen es unweigerlich knistert?
Nein, überhaupt nicht. Die Spannung entwickelt sich aus den Figuren und aus ihren Konflikten.Wie ich eine Szene inszeniere, hängt von vielen Faktoren ab, auch von den Schauspielern.Was bringt ein Darsteller mit? Was bringt die Szene? Ist sie verbal oder nonverbal? Sicherlich hat jeder Regisseur Wiedererkennungswerte, aber man sollte sich da nicht auf eine bestimmte Sprache festlegen. Regie ist ein sehr dynamischer Prozess, die Entscheidungen fallen immer für einen konkreten Moment.

Was halten Sie von einer ?Wackelkamera?-Optik, wie sie in einigen Krimiserien zu sehen ist? Wie experimentell darf ein ?Tatort? in Ihren Augen sein?
Ich bin da sehr offen und habe meine ?Tatorte? sehr unterschiedlich in Szene gesetzt.Wichtig ist, dass die Stilmittel immer der Geschichte dienen. Die US-Serie ?24? mit mehreren Kameras, die gleichzeitig mitdrehen, und dem geteilten Bildschirm zum Beispiel ist schon wahnsinnig spannend und hat sicherlich manchen deutschen TV-Regisseur beeinflusst.

Haben Sie Robert Atzorn speziell herausgefordert?
Gerade bei den vielen Informationen, die ein Kommissar zum Fall liefern muss, habe ich zusammen mit Robert Atzorn intensiv daran gearbeitet, dass er diese Informationen sehr schnell gibt, damit die Spannung nicht abfällt. Bei Robert Atzorn weiß ich, dass er das kann. Aber grundsätzlich fordere ich natürlich alle Schauspieler heraus!


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