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Heute ist der: 20.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Gespräch
mit den Drehbuchautoren Thorsten Wettcke und Christoph Silber

"Die Recherchen haben uns eines Besseren belehrt"

?Obwohl sich der Hamburger ?Tatort? gern brisanten gesellschaftlichen Fragen stellt, wird die organisierte Kriminalität selten so konkret geschildert wie in diesem Film?

Ein Attentat direkt vor dem Hamburger Strafjustizgebäude liefert den Eröffnungs-Paukenschlag zu Ihrem neuen ?Tatort?.Wie kamen Sie auf die Idee?
Christoph Silber:Was haben die Zuschauer so noch nicht gesehen? Was würde sie überraschen? Diese Fragen treiben uns um, wenn wir den Auftakt zu einem Krimi schreiben. In diesem ?Tatort? wollen wir besonders drastische und realistische kriminelle Zusammenhänge in einer Großstadt schildern. Dazu brauchen wir einen adäquaten Auftakt, der richtig knallt und sofort klar macht, dass es um Verbrechen von größerem Kaliber geht.

Wie erreichen Sie es, dass dieser Auftaktanschlag ?richtig knallt?, wie Sie sagen?
Thorsten Wettcke:Wir hatten schon länger die Idee, dass jemand vom Ermittlerteam zufällig mit ins Visier der Täter und somit in große Gefahr gerät. Hier entgeht Ursula Karven als Staatsanwältin Wilhelmi nur knapp den Kugeln des Täters. Dieser Kunstgriff schafft sofort eine emotionale Bindung der Ermittler an diesen Fall ...
Christoph Silber: ... und ist erzählerisch mit der Hauptgeschichte verknüpft.Wir mögen es nicht so sehr,wenn der Kommissar zufällig beim Joggen eine Leiche entdeckt.

Gab es zu diesem Großstadt-Krimi einen konkreten Auslöser?
Thorsten Wettcke:Wir haben uns von kriminellen Machenschaften in mehreren deutschen Großstädten inspirieren lassen und sie in unserem Drehbuch auf die Stadt Hamburg konzentriert. Fast alle Elemente der organisierten Kriminalität und der Korruption, die in unserer Geschichte zu sehen sind, gibt es wirklich oder hat es wirklich gegeben, zum Teil in Hamburg, zum Teil in anderen Städten wie etwa Frankfurt am Main oder Baden-Baden. Unser Fall verdichtet zahlreiche Fälle aus ganz Deutschland zu einem Mosaik, einem Konzentrat.

Sind Sie mit Ihrer Idee beim NDR und bei der Produktionsfirma Studio Hamburg sofort auf Interesse gestoßen?
Christoph Silber: Ja, die Türen gingen weit auf, das Interesse war groß. Obwohl sich der Hamburger ?Tatort? gern brisanten gesellschaftlichen Fragen stellt, wird die organisierte Kriminalität selten so konkret geschildert wie in diesem Film ? es ist immer noch ein heißes Eisen! Wir möchten hier zum Beispiel zeigen,warum viele Machenschaften gar nicht an die Öffentlichkeit dringen, wie die Verknüpfungen zur Presse aussehen.
Thorsten Wettcke: Einige dieser Vorfälle hätte ich so vorher selbst für undenkbar gehalten, und auch einige Teammitglieder haben nach der Lektüre des Drehbuchs wohl ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber die Recherchen haben uns da eines Besseren belehrt.

Können Sie Beispiele nennen?
Thorsten Wettcke: Es gab tatsächlich eine Reinigungsfirma, die bei städtischen Behörden geputzt hat und die einem nahen Verwandten einer einschlägig bekannten Familie gehörte. Das ist also alles andere als eine Räuberpistole, bei der den Autoren die Fantasie durchgegangen ist.

Wie haben Sie recherchiert? Und wie sind Sie an Insider- Informationen herangekommen?
Thorsten Wettcke:Wir haben zahlreiche Enthüllungsberichte von investigativen Autoren oder Reportern gelesen. Zudem hat uns einer der namhaftesten investigativen Journalisten Deutschlands bei unseren Recherchen unterstützt. Er hat bei mehreren Treffen mit uns aus dem Nähkästchen geplaudert.Wie gut er informiert war, zeigte sich daran, dass er von Vorfällen wusste, über die die Presse dann erst ein halbes Jahr später berichtet hat.
Christoph Silber: Daneben haben wir uns natürlich auch bei Kripo-Leuten und Staatsanwälten informiert.

Sie haben bereits den ?Tatort: Schattenspiel? für das Hamburger Team um Atzorn, ebenfalls in der Regie von Claudia Garde,geschrieben. Haben Sie einige Ideen direkt auf die Hauptfiguren zugeschnitten?
Christoph Silber:Wir wollten für Ursula Karven gern eine Geschichte schreiben, in der sie stärker unter Druck und in moralische Konflikte gerät.Was die private Beziehung zwischen Robert Atzorn als Kommissar und Ursula Karven als Staatsanwältin betrifft, finden wir es aus Autorensicht am reizvollsten, wenn sich Spannungen zwischen ihnen aus ihrer Arbeit ergeben. Es passt einfach am besten zu diesem Paar,wenn sie auf professioneller Ebene aneinander geraten und dabei die private Seite durchscheint.

Haben Sie selbst einmal investigative Reportagen für Nachrichtenmagazine geschrieben oder für Politmagazine im Fernsehen gedreht?
Christoph Silber: Ich komme zwar tatsächlich aus einer Journalistenfamilie und habe auch selbst einmal journalistisch gearbeitet, wenn auch nicht investigativ. Allerdings habe ich schon früh einige investigative Journalisten kennen gelernt. Sie haben mich immer fasziniert, weil sie für mich so etwas wie die 007-Agenten unter den Schreibern dargestellt haben.

Ihr ?Tatort? zeigt allerdings, dass die Mächtigen alle Hebel in Bewegung setzen, um unliebsame Kritiker mundtot zu machen ...
Christoph Silber:Wir möchten durchaus ein Gefühl von Ohnmacht gegenüber diesen Machenschaften vermitteln. Investigative Journalisten verspüren Wut, Enttäuschung und sogar Rachegefühle, wenn sie miterleben müssen, was alles unternommen wird, um eine Veröffentlichung von brisanten Informationen zu verhindern.
Thorsten Wettcke:Wir hoffen, dass wir bei den ?Tatort?- Zuschauern Betroffenheit auslösen, wenn wir zum Beispiel den Kunstgriff verwenden, ihnen einen fertigen Beitrag für das fiktive Politmagazin zu zeigen, der dann ... Ja,was dann geschieht, sollten die Zuschauer selbst sehen.


NDR-Pressemappe


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