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Heute ist der: 13.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

" Phantom im Literaturdschungel"

Sylvia Staude von der ?Frankfurter Rundschau" zieht den Vergleich mit dem tatsächlichen Literatur-Hype um J. K. Rowling. Sie schreibt am 26.05.07:
 
?Ein heikler vorletzter Fall für das Leipziger Tatort-Duo vor dem Hintergrund der dortigen Buchmesse. Peter Sodann und Bernd Michael Lade haben diesmal einerseits den Blues - vielleicht die Vorahnung des baldigen gemeinsamen Abschieds vom Dienst; bewegen sich andererseits aber in der Literatur- und Gruftie-Szene so, als hätten sie das schon ein halbes Leben lang getan. Mimi Blaise nämlich ist nicht nur eine Joanne K. Rowling des esoterischen Kriminalromans, die schwarz gekleideten Fans ihrer "Sariel"-Figur (da haben die Autoren Mario Giordano und Andreas Schlüter nochmal tief in die Anspielungskiste gegriffen) wollen auch um jeden Preis (den eines Mordes?) verhindern, dass sie ihren dunklen Kriminal-Engel sterben lässt.
Keine Zeit lässt Regisseur Hannu Salonen den Protagonisten diesmal für eine gewisse Behäbigkeit. Im Gegenteil muss Bruno Ehrlicher zuletzt mehr als nur die Nerven behalten: So viel hängt daran, dass er die richtige Wahl trifft, dass es kein Wunder wäre, dächte er bald an Rente."

 

 

 

?Mit viel Phantasie erdacht" urteilt Barbara Sichtermann am 26.05.07 im ?Tagesspiegel":

?Wer steckt hinter Sariel, der farbenblinden Kultfigur aus einem Bestseller-Roman? Wer hat sich den dunklen Helden ausgedacht? Der Name der Autorin ist Mimi Blaise, aber niemand hat die Dame je gesehen, nicht einmal ihr Verleger. (...)
?Racheengel? ist ein ziemlich verwickelter ?Tatort?, ein Fall, der unlösbar schiene, wäre da nicht der Kommissar Ehrlicher (...) mit dem milden Gesicht und der tröstlichen Stimme, mit der Ausstrahlung des Menschenkenners, dem man vertrauen kann, selbst als Verbrecher. (...)
Die beiden [Ehrlicher und Kain] tauchen ein in ein Milieu, das ihnen fremder nicht sein könnte, in die Szene des literarischen Hypes um den schwarzen Engel Sariel, in den Jahrmarkt der Eitelkeiten auf der Leipziger Buchmesse, das Getute um verhehlte Identitäten und fiktive Gestalten, und sie stapfen durch diesen wunderlichen Kosmos mit ihrer stinknormalen Bodenständigkeit als sympathische Kontraste. (...)
Die Regie von Hannu Salonen hat diesen mit viel Phantasie ersonnenen Krimi (Buch: Mario Giordano, Andreas Schlüter) in klare, sprechende Bilder übersetzt, so dass der Zuschauer einigermaßen durch all die Spiegelfechtereien hindurchfindet. Gegen die überdramatisierende Musik von Karim Sebastian Elias konnte er sich offenbar nicht zur Wehr setzen. Sie soll wohl den ?Sariel?-Strang der Handlung akustisch unterstreichen, überdröhnt aber leider auch bisweilen die feine Lakonie des den Film tragenden Polizistenpaares."

 

 

Christian Buss schreibt - sehr wenig begeistert -  am 26.05.07 in der ?taz":

?Am Pfingstwochenende wird Leipzig wieder von Freizeit-Heiden und Kuschel-Satanisten überschwemmt. Denn es findet das "Wave-Gotik-Treffen" statt, der weltweit größte Auflauf von Gruftis aller Art. Passenderweise bedient dieser MDR-"Tatort" noch mal sämtliche Vorurteile, die man in Bezug auf Kittelträger haben kann: Die jungen Menschen tragen genormte schwarze Umhänge, bewegen sich mit staksigen Ausfallschritten zu düsterer Elektronik und lesen hirnerweichenden Gothic-Schund - in diesem Fall die Bücher einer Schriftstellerin mit dem Pseudonym Mimi Blaise. (...)
Die Macher der Leipziger Buchmesse, die hier mehrmals in die Handlung integriert wird, können von einer solchen Masseneuphorie für das gedruckte Wort natürlich nur träumen. Woher rührt die den nun? Den Filmemachern (Regie: Hannu Salonen, Buch: Mario Giordano, Andreas Schlüter) gelingt es leider nicht, die Begeisterung der Menschen für den schwarzen Engel plausibel zu machen. In einem kruden Undercover-Plot wird eine Politesse in die vermeintlich bizarren Rituale der Teufelsanbeter und die rauen Sitten des Fantasy-Literaturbetriebs eingeführt. Was sie erlebt, nimmt sich aber aus wie eine unfreiwillige Parodie auf die Gothic-Szene: plumper Quatsch mit phosphorisierenden Kontaktlinsen und Bomben in Heizungskellern."

 

 

Frank Kober bedauert am 26.05.07 in der ?Märlischen Allgemeinen Zeitung" den bevorstehenden Abschied des Ermittlerduos, das diese ?abstruse Mordgeschichte" glänzend bewältigt:

?Denn heute Abend ist zu erleben, wie erfolgreich das Modell ?Ehrlicher/Kain" sein kann. Welch großes Potenzial da immer noch schlummert, das nur abgerufen werden muss. Natürlich nur, wenn man es ernst meint. (...) Ja, wenn man sich auf die Stärken und Schwächen unserer Helden wirklich einlässt.
Wie die Autoren Mario Giordano und Andreas Schlüter. Wie Regisseur Hannu Salonen, der die MDR-Oberen mit seinem "Tatort" heute vielleicht doch ins Grübeln kommen lässt. Oder gar ins Schwitzen. Denn Salonen & Co. platzieren das angeblich so dröge Kripo-Duo in eine so abstruse Mordgeschichte, dass es in aller Stille glänzen kann.
Hier ein okkulter Mord in einem Leipziger Stundenhotel. Da unsere tapsigen Kommissare, die zunächst mal wieder keinen blassen Dunst zu haben scheinen. (...)
Das alles kommt holterdiepolter über uns, auf dass wir eigentlich nur den Kopf schütteln könnten. Ob der verqueren Film-Konstruktion und der gekünstelten Figurenlage. Doch genau in diesem Kuddelmuddel, in diesem langsam eskalierenden Fall voller Bücherwürmer und Verlagszocker, dubioser Literaturkritiker und eifernder Bombenleger, genau hier zeigt sich, was Bodenhaftung in einem Krimi bewirken kann. Denn Ehrlicher und Kain, der salbadernde Kauz und sein Holzmichl, sie halten diesen "Tatort" einfach mal in der Spur.
Okay, sie gucken am Ende doch wieder dumm aus der Wäsche. Aber diesmal funktioniert ihr lethargisches Geplänkel: als Kontrastmittel für die düstere Story, als Bremsmittel für unkontrolliertes Geschwafel und als Kühlmittel in einer heiß laufenden Dramaturgie."

 

 

Bei Klaudia Wick von der ?Berliner Zeitung" ist von ?explodierender Spannung" die Rede. Sie schreibt am 26.05.07:

?Wer im Fernsehen etwas zu verbergen hat, muss sich von Anfang an ein wenig verdächtig benehmen, damit hinterher die Fernsehzuschauer nicht das Gefühl haben, die Lösung des Falles sei an den Haaren herbeigezogen. Aber im Pfingst-Tatort "Racheengel" verhalten sich buchstäblich ALLE Verdächtigen gleichermaßen SEHR verdächtig. (...)Das alles ist dann doch etwas dick aufgetragen, erfüllt aber seinen Zweck: Bis zum Schluss tappen wir Hobbykommissare vor den Fernsehbildschirmen komplett im Dunkeln! (...)
Regisseur Hannu Salonen hat vor zwei Jahren beim Polizeiruf "Vorwärts wie Rückwärts" bewiesen, dass man einen Verfolgungswahn genauso spannend inszenieren kann wie eine Verfolgungsjagd. Hier nun passt er sich dem gemächlichen Rentnertempo von Peter Sodann an und lässt die Spannung in den Köpfen der Zuschauer explodieren."

 

 

Auch nicht gerade begeistert ist Franz Solms-Laubach von ?Welt Online". Er schreibt am 28.05.07:

?In dem neuen Fernseh-Krimi ist ein Buch der Grund für einen Mord. (...)Die Erfolgsgeschichte von ?Harry Potter? ist beinahe unglaublich. (...) Der neue Tatort ?Racheengel? macht sich die Geschichte der Autorin zu Nutze. Mimi Blaise wurde mit ihren Geschichten über den gefallenen Engel ?Sariel?, der auf die Erde gekommen ist, um schwierige Mordfälle zu lösen zur Bestsellerautorin.Doch ähnlich wie bei Joanne K. Rowling hat der Erfolg nicht nur Gönner, sondern vor allem auch viele Neider. (...)  Das Problem bei Bestsellerautorin Mimi Blaise ist aber, dass zu den Neidern noch die anderen Väter des Erfolgs dazu kommen. So kommt es dann auch, dass die Leipziger Kommissare Ehrlicher (...) und Kain (...) auf dem ungewohnten Terrain der Buchmesse ermitteln müssen. (...)Auch in der neuesten Folge der ?Tatort?-Reihe ?Racheengel? versucht ein ganzer Schwung Marketingexperten, ein Stück des Sariel-Kuchens von Erfolgsautorin Mimi Blaise zu erhaschen. Dabei geht es um viel Geld. Und für einen Verlag ums nackte Überleben. (...) Also hätte man aus der Vorlage einen wirklich spannenden Krimi machen können. Doch es hapert an der Umsetzung.Das ist zunächst mal das Verwirrspiel um die wahre Identität von Autorin Mimi Blaise (?Was für ein absurder Name?, sagt irgendwann sogar ein völlig frustrierter Fan im Film). (...) Im Gegenteil. Es wäre vielleicht sogar besser gewesen, das Rätsel um die Autorin noch weiter und damit bis auf die Spitze zu treiben. Es ist zwar eine gute Idee, die junge und ehrgeizige Streifenpolizisten Anna Stein als falsche Mimi Blaise in die Spur zu schicken um den Mörder aus der Reserve zu locken, doch der Film macht zu wenig aus diesem Einfall.Auch die Eitelkeit, mit der Verleger und Autoren in Wahrheit zu Werke gehen, kommt in dem Film viel zu kurz. Dass sich Verleger und Autor in Wahrheit immer spinnefeind sind und es nur vordergründig um gemeinsame Ziele geht, hätte hier helfen können. Zwar möchten beide Bücher verkaufen, doch während es dem einen um Kasse machen geht, steht für den anderen die Kunst im Vordergrund. Das ist natürlich nicht immer so, und bei Büchern wie ?Harry Potter? und dem fiktiven Buch ?Welt ohne Farben? über den gefallenen Engel Sariel erst recht nicht. Aber es gibt wohl Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Das hätte der Film auch tun können. (...)Der Film birgt viel Frustpotential. Die Brüche der Geschichte sind einfach viel zu groß. Selbst die Kommissare wirken verwirrt bei den ständigen Schlenkern der Geschichte. Ganz am Ende von ?Racheengel?, wenn alles gut gegangen, der Schuldige gefasst und das Liebespaar glücklich ist, fragt Kain seinen Kollegen Ehrlicher: ?Und was machen wir jetzt?? Darauf sein Kollege: ?Wir essen Erbsensuppe bei Frederike?. Dem ist nichts hinzuzufügen.Bewertung: Ehrlich gesagt reißt der Tatort seine Zuschauer nicht gerade vom Hocker."

TV Movie schreibt:

?Junge Polizistin gibt sich als Star-Autorin aus, die schon lange im Geschäft ist und keiner merkts - klingt kaum glaubhaft! Dennoch bietet "Racheengel" solide Spannung, klassische Bomben-Entschärfungsszene inklusive."

 

TV Spielfilm schreibt:

?Fängt gut an und stolpert dann, trotz unterhaltsamer Überraschungen und guter Momente, in ein unglaubwürdiges Szenario. Zudem trägt diese Krimischnurre im Finale arg dick auf."

Zusammenstellung: Ulla Sommer



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