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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Einsamer Alpen - Cowboy im verregneten Wien"

Am ?Österreichischen" erfreut sich Judith von Sternburg von der ?Frankfurter Rundschau" Sie schreibt am 19.05.07:

?Spricht der Österreicher, hört der Nicht-Österreicher möglicherweise dies dabei heraus: Der Österreicher weiß schon, wer er ist (ein Österreicher), und dass alles andere inakzeptabel wäre. Er dehnt die Vokale, so lang es geht und so, dass er zugleich bei Bedarf stets die Mundwinkel nach unten ziehen kann. Denn da gehören sie hin. Der Österreicher mag es, wenn andere lachen, weil er witzig ist. Er selbst aber wird sich das dreimal überlegen. Der Österreicher, denkt der Nicht-Österreicher möglicherweise, denkt, dass das Minimum ist, Österreicher zu sein, dass die Welt jedoch auch so noch ärgerlich genug bleibt. (...)
Jedenfalls ist es ein Vergnügen, ihm zuzuhören. (...)
Die Darstellung der Stadt <Wien> durch Thomas Roth (Buch und Regie) und seinen an der originellen Einstellung interessierten Kameramann Hans Selikovsky kann die Champagnerkorken im Fremdenverkehrsamt freilich nicht knallen lassen. Es regnet, und die Häuser sind genau so hässlich wie in Frankfurt, und die Menschen genauso müde und ausgelaugt. (...)
Anders als der schlappe, über die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen salbadernde Kriminalbeamte Weiler (Heribert Sasse in einer klasse gespielten Komödianten-Rolle, aus der das Drehbuch unterm Strich erstaunlich wenig macht), weiß Krassnitzer es sofort besser. (...)
Nun beginnen Ermittlungen, die erst aufregend skurril, späterhin allerdings beknackt verworren sind. Sie führen ins Milieu eines windigen Kennenlernclubs - sehr liebevoll zelebriert: in diesem Tatort wimmelt es insgesamt von aparten älteren Damen - und in die Seele eines Wahnsinnigen. Leider darf das Publikum hierbei nicht mehr recht folgen, und die Auflösung baut auf einige Gutmütigkeit gegenüber Fragen der Logik in Handlung und Emotion. Zeit geht dafür drauf, dass wie immer hurtig ein Privatkapitel aus Eisners Leben als Vater erzählt werden muss. Diesmal sollte es Erziehungsberechtigte darin ermutigen, daheim auch einmal einen schärferen Ton anzuschlagen."

 

 

Von der ?Einsamkeitsbekämpfung" des Ermittlers schreibt Christian Buss am 19.05.07 in der "TAZ":

?Ein Frauenbein, das in der Wohnung ein Stockwerk höher verschwindet, weckt sein Interesse. Unten liegt ein erschossenes Ehepaar, doch Moritz Eisner (...) steigt lieber der Nachbarin der Toten nach. Wie er herausfindet, ist diese Cornelia Stummvoll (schön, müde, undurchsichtig: Ulli Maier) Mutter einer Halbwüchsigen, weshalb der Ermittler mal eben ungefragt den Frust über die eigene Tochter bei ihr ablädt. Die Frau reagiert denkbar desinteressiert, Eisner trottet davon. Vielleicht gibt es irgendwo noch einen kleinen Schwarzen abzustauben.
Regisseur und Autor Thomas Roth, der auch für die großartigen "Trautmann"-Krimis vom ORF verantwortlich zeichnet, hat mit "Familiensache" einen ungewöhnlich formstarken und aufwühlenden Österreich-"Tatort" gedreht. Fetischverehrung à la Truffaut trifft hier auf Wiener Tristesse: Die attraktive reife Brünette öffnet dem Kommissar das Tor in eine Welt, die von pragmatischer, aber auch verhängnisvoller Einsamkeitsbekämpfung bestimmt ist. (...)
Ein sonderbares Sammelsurium sozialer Pleiten erlebt der Ermittler, als er versucht, auf eigene Faust den Fall zu lösen, ohne den Entführer zu brüskieren. (...)
So unlässig wollten wir Inspektor Eisner schon lange mal sehen: Nicht mal sein Espresso scheint ihm noch zu schmecken."

Auch Franz Solms-Laubach von ?welt online" äußert sich am 20.05.07 positiv:

?Wenn Frauen so einsam sind, dass sie ihr Glück mit anonymen Telefonen auf Single-Partys versuchen müssen, kann das ins Auge gehen. Wer weiß schon, wer an der Strippe hängt und was er wirklich will. Der Tatort "Familiensache" zeigt, was dabei schief gehen kann.
"Die Hölle sind andere Menschen?, hat Jean Paul Sartre einmal gesagt. Und er hat recht. Die Hölle auf Erden, soviel ist sicher, sind immer andere Menschen. Oft sogar die Menschen die einem am nächsten stehen. Was sind schon Langeweile oder Einsamkeit im Vergleich zur Gesellschaft von unerträglichen Menschen. Menschen deren Nähe nicht zum Aushalten und deren Aufdringlichkeit eine Qual ist. Kurz gesagt, Menschen, die einem die Weißglut ins Gesicht treiben. Dabei ist es völlig egal, ob es Nachbarn, Fremde oder Kollegen sind. Die Hölle auf Erden sind andere Menschen.
Doch die Hölle der anderen Menschen wir noch um einiges schlimmer, wenn die anderen Menschen aus der eigenen Familie stammen. Diese Einsicht bringt der neue Tatort ?Familiensache? deutlich auf den Punkt. Denn hier ist es die Familie, die den Hauptfiguren des Films das Leben zur Hölle macht. (...)
Der Film sucht (...) zum Glück nicht nach Entschuldigungen und Erklärungen. Er zeigt einfach nur, was passiert, wenn sich verrücktmachende Familienstrukturen volle entfalten dürfen. Dass Sonderermittler Eisner parallel sein eigenes Familiendrama erlebt macht die ?Familiensache? noch aufschlussreicher. So zielstrebig und erfolgreich Eisner nämlich im Beruf ist, so verunsichert ist er im Privatleben. Überfordert vor allem durch seine Vaterrolle. Eisners autoritäres Verhalten prallt am Charme seiner Tochter Claudia völlig ab. Dabei entwickelt er eine fast tollpatschige Fürsorglichkeit für sie und wird zum Opfer seiner eigenen Unsicherheit: ?Sie ist die einzige Frau, die mich versteht?, sagt Eisner resigniert. (...)
Familiendrama, Kindesentführung, sexuelle Perversionen ? der Film hat so viel vor, dass ihm 90 Minuten manchmal nicht zu reichen scheinen. Doch das ist nicht schlimm, denn er ist von Anfang bis Ende spannend. Er ist gut inszeniert und hervorragend besetzt. Und er zeigt, dass die Krimi-Reihe der ARD weder altbacken noch langweilig sein muss, sondern mit den richtigen Zutaten in echte Spitzenkrimis münden kann.
Bewertung: Hervorragend inszenierter und gespielter Tatort."

Kritischer sieht diesen Tatort Thorsten Wahl von der ?Berliner Zeitung". Er schreibt am 19.05.07:


?Die Beziehung des einsamen Kommissars zur einsamen Zeugin steht im Zentrum des Krimis von Thomas Roth (Buch und Regie). Eisner nutzt seinen Beruf, um sich ins Privatleben der schönen Frau zu drängen. Die wiederum wäre privaten Kontakten womöglich gar nicht abgeneigt - wäre Eisner nicht ausgerechnet Polizist. Dabei gelingt es Ulli Maier und Krassnitzer, ein starkes Magnetfeld gegenseitiger Anziehung und Abstoßung aufzubauen.
Andere Elemente des Films fallen dagegen deutlich ab. Störend wirkt, dass selbst Eisners Probleme mit seiner Tochter, die einen festen Freund hat und nach einem Drogentrip ins Krankenhaus kommt, den Fall noch irgendwie vorantreiben müssen. Der ist wenig zwingend, ruft statt Spannung immer mehr Kopfschütteln hervor. Regisseur Thomas Roth fehlte wohl die nötige Distanz zu seinem eigenen Drehbuch - er gefällt sich in der Einzelkämpfer-Rolle wie sein Held."

Cornelia Wystrichkowski ist recht angetan von einer ?grandios bösen Milieustudie". Sie schreibt am 18.05.07 in der "WAZ":

?[Eine] grausige und lange Zeit rätselhafte Story, in der zahlreiche Filmklassiker zitiert werden und die spannend bis zum Schluss ist. Harald Krassnitzer kann als Moritz Eisner mal wieder zeigen, dass er viel mehr drauf hat als er sonst in der ARD-Serie "Der Winzerkönig" zeigen kann - nicht zuletzt weil sich der ungemein dicht erzählte Film auch die Zeit nimmt, dem Ermittler eine saftige Midlife-Crisis anzudichten. Vor allem aber glänzt dieser österreichische "Tatort" mit seiner morbiden Atmosphäre, glänzenden Figuren - allen voran der schmierige Inspektor Weiler, grandios gespielt von Heribert Sasse - und bösen kleinen Milieustudien, die richtige Kabinettstückchen sind."

Frank Rauscher erfreut sich am 18.05.07 in ?teleschau - mediendienst" am Österreichischen:

?A bisserl anders sans scho, die Ösi-"Tatorte". Die Fälle sind meist etwas verzwickter, die Randfiguren skurriler, und der von Harald Krassnitzer so wunderbar anfassbar gespielte Ermittler kommt ein bisschen menschlicher, "echter", daher als die meisten seiner preußischen Kollegen. Wenn nun durch Moritz Eisners 16. Fall ("Familiensache") ein Hauch von Midlife-Crisis weht und der Wiener Kriminaler lakonisch übers Älterwerden ("Wird da noch was kommen?") sinniert, dann wirkt das weit weniger aufgesetzt als unlängst Kommissarin Charlotte Lindholms (Maria Furtwängler) nerviger innerer Hilfe-ich-bekomm-ein-Baby-Diskurs. Und wenn Eisner sich um seine Tochter Claudia (Sarah Tkotsch) sorgt, dann tut er das weniger angespannt und lehrerhaft, als man das vom reichlich überstrapazierten Mutter-Tochter-Konflikt der Bremer Kollegin Inga Lürsen (Sabine Postel) kennt. (...)
Sorgen über Sorgen also für den Mann, den Vater, den Kommissar, der sich in "Familiensache" mit einem Fall auseinandersetzen muss, der ihn am Ende zu einem ausgemachten Psychopathen führt. - Hat man auch schon länger nicht mehr gehabt, im sonst von Geldgeilheit, Eifersucht und dem "netten Mörder von nebenan" geprägten TV-Krimi. (...)
"Eisners Alleingang", so könnte dieser spannende "Tatort" durchaus auch betitelt sein, wurde von Autorenregisseur Thomas Roth überwiegend finster, im Thriller-Stil inszeniert. Schon Eisners Besuch im schrillen Club der einsamen Wiener Herzen lohnt das Einschalten. Allerdings sollten die "Tatort"-Macher vom ORF ein Auge darauf haben, dass das Vater-vs.-Tochter-Thema, das in den ersten drei Folgen nach Claudias unvermitteltem Auftauchen in Eisners Leben noch recht erfrischend erzählt wurde, nicht in klischeehafte Untiefen abrutscht. Wenn man Claudia weiterhin so übertrieben renitent wie in "Familiensache" pubertieren lässt, geht das über kurz oder lang auch dem größten Eisner-Fan auf die Nerven."

TV Movie schreibt:

?Was als stille Studie über Einsamkeit und Verzweiflung beginnt, entwickelt sich zur fesselnden ? mitunter etwas absurden ? Jagd auf einen Psychopathen. Harald Krassnitzer überzeugt als zerrissener Charakter, der beim Herumschnüffeln in der Privatsphäre anderer auch mit der Leere des eigenen Lebens konfrontiert wird."

TV Spielfilm schreibt:

?Es regnet viel, es wird nie richtig hell. Thomas Roth, Regisseur u. a. der österreichischen ?Trautmann?-Krimis, setzt auf betont trostlose Atmosphäre und markantes Personal wie den wunderbar abgenervten Weiler. Was dem Zuschauer durch eine eher unübersichtliche, mitunter überladene Story hilft."

Zusammenstellung: Ulla Sommer



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