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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Latentes Gefühl der Gefahr

Der neuste TATORT aus Wien überzeugt mit einer perfekten Mischung aus Charakterzeichnung und spannender Unterhaltung. Hauptkommissar Moritz Eisner versucht einen vermeintlichen Doppelselbstmord aufzuklären ? und stößt dabei auf weitere Verbrechen.

Ein grauer, gewittriger Tag in Wien. Hauptkommissar Moritz Eisner starrt aus dem Fenster, betrachtet einige Photos im Zimmer seiner Tochter Claudia. Sie ist mal wieder nicht zu Hause. Die Bilder zeigen sie mit einem jungen Mann, den Eisner nicht mal kennt. Seine Tochter ist ihm fremd geworden.

Zufällig gerät Eisner in einen großen Polizeieinsatz, als er mit dem Auto in die Stadt fährt um der wachsenden Schwermut und Langeweile zu entfliehen. Offenbar handelt es sich um einen Doppelselbstmord. Der Ehemann scheint zuerst seine Frau und dann sich selbst erschossen zu haben. Der leitende Beamte Bernhard Weiler wirkt weder besonders motiviert noch interessiert und ist erleichtert, dass dieser Fall so einfach aufzuklären zu sein scheint.

Allerdings: Herr Dachsbacher, der tote Ehemann, saß im Rollstuhl. Wie soll er an die Waffe gekommen sein? Eisner ist skeptisch: ?Mein Gefühl sagt mir, das ist Mord.? Mit einer Mischung aus Intuition und scharfsinniger Beobachtungsgabe verfolgt er den Fall weiter.

Beruflicher Ehrgeiz und privates Interesse

Als Eisner Cornelia Stummvoll trifft, eine Nachbarin des toten Ehepaars, vermischt sich für den Kommissar berufliches Interesse mit privatem. Cornelia fasziniert ihn und weckt in ihm das Bedürfnis, über die persönlichen Sorgen mit seiner Tochter Claudia zu sprechen. Auch Cornelia ist ein alleinerziehendes Elternteil; sie hat eine Tochter, die achtjährige Antonia.

Doch auch auf der Ebene des Mordfalles ist Cornelia Stummvoll für Eisner interessant: Ebenso wie das Ehepaar Dachsbacher ist sie Mitglied im Singleclub ?Goldener Handschuh?. Außerdem scheint Cornelia unter außergewöhnlichem Druck zu stehen: Sie wirkt abgehetzt und angespannt, scheint irgendetwas zu verschweigen. Eisner ist sich sicher, dass irgendein Vorfall die Frau aus der Bahn geworfen hat. Cornelia wird offensichtlich bedroht. Ob das mit dem Verschwinden ihrer kleinen Tochter zu tun hat? Und dann gibt es einen weiteren Mord im ?Goldenen Handschuh?...

Familienangelegenheiten

Kommissar Eisners Gefühlsleben steht in diesem TATORT im Vordergrund: Die wachsende Entfremdung zwischen ihm und seiner Tochter macht ihm sichtlich zu schaffen: In Claudias Leben scheint es keinen Platz mehr für ihren Vater zu geben, tagelang erreicht er sie nicht auf ihrem Handy, und vom neuen Freund Benny und der gemeinsamen Band erfährt er auch nur beiläufig. Aus schlechtem Gewissen und aus Angst, den Draht zu seiner Tochter völlig zu verlieren, traut Eisner sich kaum mehr, seiner Tochter Vorschriften zu machen ? was Claudia auch ausnutzt. Eisners Tochter hat wenig Anerkennung für den Beruf des Vaters übrig.

Und auch er selbst fragt sich, ob das Leben als Großstadtcowboy wirklich auf Dauer das Richtige für ihn ist. Diese Selbstzweifel führen vielleicht dazu, dass Eisner sich emotional immer mehr in den Fall verstrickt, der eigentlich gar nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Dies ist zwar ein vielbemühtes Motiv in der TATORT-Reihe, Darsteller und Story machen es hier aber plausibel.

Zwischen Melancholie und Spannung

Die Stimmung in Familiensache schwankt zwischen Nachdenklichkeit und Spannung. Besonders gut untermalt wird dies durch die Musik von Lothar Scherpe, der schon für den Eisner-TATORT Der Teufel vom Berg komponierte. Jede Gefühlslage hat ihr eigenes Thema: So wird Eisners Einsamkeit durch ein melancholisches Klavierstück Ausdruck verliehen. Das Großstadtcowboy-Motiv, das sich auch im kleinen Ivica spiegelt, der den Fall auf seine eigene Weise verfolgt, wird von Italo-Western-ähnlichen Gitarrenklängen begleitet.

Für die Spannungserzeugung sorgt vor allem die Kameraperspektive: Immer wieder wird der Kommissar aus der Sichtweise eines versteckten Beobachters gezeigt, sogar während eines privaten Abendessens mit seiner Tochter. Für den Zuschauer bleibt auf diese Weise immer ein latentes Gefühl der Gefahr, als würde dem Kommissar immer irgendetwas entgehen. Dunkle Räume mit Gegenlicht und die ständige Gewitterstimmung verstärken dieses Gefühl noch. Bis zum Showdown am Schluss bleibt dieser technisch hervorragend gemachte TATORT voller Spannung.

Ein überzeugender Kommissar

Thomas Roth findet in Familiensache einen gelungenen Mittelweg zwischen Charakterzeichnung und spannender Unterhaltung. Schauspielerisch überzeugt hier vor allem ? und das ist für einen TATORT längst nicht immer üblich ? der ermittelnde Kommissar selbst. Harald Krassnitzer vermittelt den einsamem Großstadtcowboy Kommissar Eisner, ohne dass Brüche zwischen dem Privatmenschen Moritz und Hauptkommissar Eisner entstehen würden.

Rebecca Hügler


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