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Sergej Moya

Ein junger Schauspieler auf dem richtigen Weg

Er gehört zu Deutschlands größten Schauspieltalenten: Sergej Moya. An der Seite von Götz George und Klaus J. Behrendt gelang ihm 2003 im Emmy-Award-prämierten WDR-Fernsehfilm ?Mein Vater? der große Durchbruch. Immer öfter war der 18-jährige Berliner in den folgenden Jahren neben renommierten Schauspielern wie Henry Hübchen, Christian Berkel, Walter Sittler oder Uwe Ochsenknecht zu sehen. Auf besondere Weise glänzen konnte er auch im Köln-TATORT: ?Bermuda? (2003), der am 7. Mai um 21 Uhr im NDR wiederholt wird. Die Kritiker zeigten sich begeistert von seiner Darstellung des verhaltensgestörten Philipp. Als introvertierter Sohn der Familie Mende hat Moya nun vier Jahre später in ?Das namenlose Mädchen? am 15. April seinen zweiten Auftritt im TATORT ? und überzeugt abermals.

Sergej Moya
Die Schule hat er abgebrochen. Kein Verständnis hatten die Lehrer für seine Leidenschaft gezeigt. Und das war und ist nun einmal nicht der Satz des Pythagoras, sondern die Schauspielerei. Als es im letzten Jahr galt, sich zwischen der Schule und dem Wunsch, Filme zu drehen, zu entscheiden (er wollte unbedingt zu einem Dreh nach München, die Schule war dagegen), war sofort klar, in welche Richtung ihn sein weiterer Weg führen würde. Schon mit zwölf Jahren, als er das erste Mal an einen Set kam, hatte er geahnt, wie sehr er diesen Beruf lieben würde. Dass es genau das wäre, was er machen wollte, dass es für ihn keine Alternative geben würde. Er sagt: ?Der Drang, etwas auszuleben war immer da. Ich lebe in meinem Kopf in einer Welt von Märchen und Geschichten.?

?Mit Arroganz und falschen Etiketten kann ich überhaupt nichts anfangen.?

Doch alles würde er in keinem Falle dafür tun, nur um als Schauspieler arbeiten zu können. Er wählt ganz genau aus, was er macht ? und vor allem, was er lieber sein lässt: ?In einer Soap würde ich zum Beispiel nie mitspielen?. Wenn ihm eine Rolle nicht gefällt, sagt er ab ? und konzentriert sich lieber auf Low-Budget-Produktionen. Selbst wenn er dabei auf Geld verzichten muss. Ihm geht es darum, was ihm Arbeit in schauspielerischer und menschlicher Hinsicht gibt. Begegnungen mit interessanten, oftmals sehr erfahrenen Menschen, sind für ihn von großer Bedeutung. Mit Martin Brambach, der im Lindholm-TATORT seinen Vater spielt, hat er sich beispielsweise lange unterhalten. Sergej Moya erklärt: ?Es ist halt sehr wichtig, dass man sich mit den Leuten am Set gut versteht. Mit Arroganz und falschen Etiketten kann ich überhaupt nichts anfangen. Wenn da so ein Arschloch-Beleuchter ist, der einen blöden Spruch reißt, dann verletzt mich das einfach. Da bin ich sehr sensibel.?

Mit seinem "Helden" Götz George in der Schimanski-Folge "Sünde", Bild: WDR.
Wenn es um Begegnungen mit Menschen geht, die ihn weitergebracht haben, kommt an einem jedoch keiner vorbei ? und das ist Götz George: ?Er ist der großartigste Mensch von allen. Er hat einen sehr guten Charakter, eine sehr gute Seele: Ich lieb den richtig. Von ihm hab ich alles gelernt.? Zwei Mal hat Sergej Moya zusammen mit Götz George gearbeitet. In ?Mein Vater? (2003) spielte er dessen Enkel, der erleben muss, wie extrem sich das Verhältnis zum Großvater durch dessen Alzheimer-Erkrankung verändert. Wie sich das Gefühl von abgöttischer Liebe, das er für den Opa empfindet, langsam aber sicher in Ekel und Abscheu verwandelt. Aus dem braven Sohn wird ein Widerstandskämpfer. Einer, der mit der gesamten Situation ? ebenso wie seine Eltern, die den Großvater zu Hause zu pflegen versuchen ? in keinster Weise klarkommt. Sergej Moya spielte diese Rolle mit beeindruckender Intensität.

?Wer ist dieser Sergej Moya??

Zwei Jahre später standen Moya und George ein weiteres Mal miteinander vor der Kamera ? im Schimanski-Film ?Sünde?. Und auch hier agieren beide auf einer Höhe. Nicht nur wenn Moya seinem Mentor den Arm um die Schulter legt und mit faszinierender Leichtigkeit zu ihm sagt: "Kommen Sie, Herr Schimanski, das Leben geht weiter, bleiben'se heiter."

Großes Lob erfuhr Moya auch für seine Rolle Ballauf-TATORT ?Bermuda?, in dem er einen verhaltensauffälligen Bewohner einer Jugend-WG spielt. Zu recht. In seinen Szenen spielte er als aufbrausender Messerwerfer erwachsene Kollegen wie Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär beinahe an die Wand. In einer Presse-Kritik hieß es: ?Wer ist dieser Sergej Moya? Er spielt den Philipp als kleinen schiefschultrigen Jungen mit einer Wahrhaftigkeit, die erschreckend ist.?

Moya im WDR-TATORT: "Bermuda" (2003), Bild: WDR
Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen, der Jungschauspieler hat immer wieder auf sich aufmerksam gemacht: Ob nun als Filmsohn von Henry Hübchen in ?Commissario Laurenti?, im ?Kriminalist? neben Christian Berkel, oder im Kinofilm ?Die Wolke?. Walter Sittler, neben dem Sergej Moya in der Sat1-Krimi-Reihe "Ein Fall für den Fuchs" zun sehen ist, ist von dessen Talent überzeugt: ?Ein guter Junge, der hat was drauf. Wenn er nicht irgendwann abhebt, hat er eine ganz große Karriere vor sich?.

Ganz, ganz viel lernen - an so vielen Orten wie möglich...

Und dass er abhebt, nein, das ist momentan wohl eher nicht zu befürchten. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden und weiß, dass er noch einen weiten Weg zu gehen hat. Dass er sich von Rolle zu Rolle weiterentwickeln kann. Eine richtige Ausbildung an der Schauspielschule kommt für ihn hingegen nicht in Frage: ?Ich geh? jetzt nicht für vier Jahre an die Ernst-Busch? und mache einen Abschluss als Diplomschauspieler. Das wäre nicht das richtige für mich. Ich möchte so viel wie möglich lernen. Ich möchte ganz, ganz viel lernen, aber nicht nur von einer Person, sondern von so vielen wie möglich. Auch in Paris, London, New York. An anderen Orten, wo Menschen anders denken.?

Der Trip nach New York ist bereits fest geplant und soll noch in diesem Jahr realisiert werden. Zusammen mit seinem Kumpel Ludwig Trepte, mit dem er zusammen für den österreichischen Kinofilm ?Keller? (beide bekamen dafür einen Darstellerpreis) und zuletzt für den Hochschul-Film ?Böse Bilder? vor der Kamera stand.

Sergej Moya im NDR-TATORT "Das namenlose Mädchen" mit Film-Vater Martin Brambach, Bild: NDR

Als Schauspieler Schicksale erleben, die man sonst nie erleben würde

Dass er Flug, Unterkunft und den Workshop an der Stella Adler Teatre School selbst bezahlen muss und all dies nicht gesponsert bekommt, was der Fall gewesen wäre, wenn er zusätzlich zu seiner Auszeichnung mit dem ?Undine Award? als ?Bester jugendlicher Schauspieler in einem Kinofilm? auch den unter allen Prämierten vergebenen Publikumspreis bekommen hätte, findet er im Nachhinein sogar gar nicht schlecht: ?Vielleicht ist es besser so, wenn ich mir das alles selbst erkämpfen muss. Es wird noch oft genug so sein, dass einem nichts geschenkt wird.?

Im NDR-TATORT spielt Moya den introvertierten Bruder des jungen Sohns der Familie Mende, der auf mysteriöse Art und Weise stirbt. Eine Figur, die Probleme dabei hat, ihre Gefühle zu zeigen. Zudem hat sich Mika hoffnungslos in eine Frau verliebt hat - doch er würde es niemals zulassen, sich ihr gegenüber zu öffnen. Wie ist es, jemanden zu spielen, dessen kleiner Bruder ermordet wird? Moya sagt: ?Das bewegt einen als Schauspieler. Das ist so, als würde man den Fernseher anmachen und Nachrichten sehen. Zum Beispiel die Menschen, die weinend vor dem World Trade Center stehen. Ich hab die Möglichkeit, einer dieser Menschen zu sein, als Schauspieler an Orten zu sein und Schicksale zu erleben, die ich niemals so erleben würde."

Und wenn man das jetzt wörtlich nimmt, kann man eigentlich mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass Sergej Moya noch zahlreiche Schicksale erleben wird?


Tobias Goltz / 11. April 2007


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