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Heute ist der: 16.11.2019. --> Bis heute wurden 1121 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Klara, Daphne und Thekla - fehlt eigentlich nur noch Knut

Der neue TATORT vom Bodensee bedient das Kindchenschema: nicht nur dass dort (süße) kleine Tiere immer wieder durch den Film waten, auch die Kommissarin erliegt ihm - und nimmt den kleinen Jungen Manuel auf, der im Zentrum eines Mordfalls steckt. TATORT-Kommissarinnen bekommen derzeit alle Kinder angedichtet.

Der TATORT aus Konstanz ist stark. Spannend, humorvoll und - wie die Kommissarin anfangs sagt - "ein überschaubares Grüppchen". Ein kleiner myteriöser Krimi, mit toller Musik unterlegt - und mit einer interessanten, fast rührenden Geschichte, fast schon von großer Kinoqualität.

Die Geschichte: In einer Tiergroßhandlung wird der Ladenbesitzer ("Grizzly") durch einen Kopfschuss ermordet aufgefunden. Manuel, der kleine Sohn des Opfers ("Gecko"), war im Haus - doch er kann sich nicht an das Geschehene erinnern. Hauptkommissarin Blum nimmt sich des Kindes an.

Bild: SWR
Überhaupt dreht sich die Geschichte schnell um Manuel, einen netten kleinen Jungen, der sich liebevoll um Tiere kümmert und ein herzliches Verhältnis zur Bodensee-Kommissarin Klara entwickelt. Aber der auch etwas sonderbar ist, am Anfang zumindest: Warum stiehlt er im Supermarkt Massen an tiefgekühltem Fleisch? Für die Kommissarin stellt sich die Frage: hat er etwas mit dem Mord zu tun? Warum hat er - wie das kleine weiße, hoppelnde Osterhäschen am TATORT - Blut des Opfers an den Füssen? Und was ist mit seinem Bruder, der auch schnell in Verdacht gerät, den Vater wegen diverser finanziellen Streitereien umgebracht zu haben?

Exotisches Flair am Bodensee

Bild: SWR
Klara Blum ermittelt wie gewohnt routiniert mit ihren Kollegen Perlmann und "Beckchen". Nicht gewöhnlich sind allerdings die Zeitgenossen, denen sie dabei immer wieder begegnen: Schlangen, Gürteltiere oder Spinnen. Die ganze Bodensee-Gegend scheint voller solch exotischen Tiere zu sein, ja sogar ein Löwenbaby oder ein Leguan, mit dem Manuel fast schon "halsbrecherisch" natürlich Leguanesisch spricht, kreuzen ihren Weg - Bodensee-TATORT mal exotisch und ein wenig phantasievoll.

Auch dieser Krimi schreibt die Kontinuität innerhalb der Bodensee-TATORTe wieder ganz groß. Mit der neuen Figur der Kinderpsychologin Johanna Siebenschön (der Name trifft es!) führt er auch eine Figur ein, die auch im nächsten TATORT wieder dabei sein wird. Da bleibt es spannend, ob sich Perlmann als alter Charmeur an der guten Dame die Zähne ausbeissen wird.

Witzig: Diego Wallraff

Witzig auch die kleine Gastrolle von Diego Wallraff, der immer wieder dann bemüht wird, wenn er den bösen Buben geben soll und sich dabei besonders harmlos gibt. Als Ausländer mit fast augenscheinlicher krimineller Ader, der kein Wässerchen trüben kann, wird er von der Kommissarin gestellt, als der sie verfolgt: "Bin ich zu schnell gefahren?" fragt er unschuldig, doch das nützt ihm nichts. Auch, weil Perlmann ihn in die Mangel nimmt und die den Film durchziehende tierische Sprache wieder bemüht: auch Ameisen und Echsen kreuzen die Ermittlungen....
Bild: SWR

Der Film hat jedoch einen großen Minuspunkt verdient, wenn es um die Szenen geht, in denen der kleine Manuel, der - so stellt sich heraus - schlafwandelt und den Mord vielleicht gesehen hat - zur Klärung des Falls schnell noch hypnotisiert wird. Das ist eindeutig too much! Schon der Professor, der das machen soll, wirkt unglaubhaft: jung, sprunghaft und dann so schnell mit dem Hypnotisieren dabei, dass es einem Angst und Bange wird. Fingereschnippen reicht, und schon sprudelt der kleine Manuel die gewünschten Informationen heraus. Auch Kai Perlmann findet diesen Psychologen affig, und wendet sich schnell ab.

Aus einem Kunsthändler wird ein Tiergroßhändler

Bild:SWR
Der TATORT von Susanne Schneider sollte ursprünglich in der Kunstszene spielen. Der Tiergroßhändler sollte ein Kunsthändler sein, denn auch Gemälde und Bilder sind mittlerweile Zahlungsmittel für die Drogenmafia geworden. Der kleine Junge, der mit seinem toten Vater in einem Haus wohnte, könnte Zeuge des Mordes geworden sein. Die Täter kriegen es mit, doch es gibt ein Leck bei der Polizei. Deshalb machen sich auf die Suche nach dem Jungen, weil sie Angst haben, dass er reden wird. Doch in seiner Endfassung wird der TATORT dann doch etwas anders erzählt: kein Kunsthändler, kein Leck bei der Polizei. Stattdessen wird die Geschichte um die Familie des kleinen Manuels schlüssig, ja fast rührend, erzählt, so dass der Mord am Ende fast eher beiläufig aufgeklärt wird, fast in Vergessenheit geraten wäre.

Und so ist der Engel der Nacht gute Unterhaltung und durchaus spannende Krimikost. Mit den vielen Tieren und einer rührenden Geschichte findet das Osterfest damit einen schönen Abschluss. Und bei all diesen süßen Tieren fehlt eigentlich nur noch einer zu unserem Glück: der Berliner Eisbär Knut, Der hätte sich selbst am Bodensee ganz gut gemacht .....Aber wir wissen ja : der gehört - wenn überhaupt - eher in den Berliner TATORT.

Francois Werner


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