Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Gefühle tragen weiter

Im neuesten TATORT aus Leipzig hat es der scheidende Kommissar Ehrlicher mit einer mordverdächtigen Anwältin zu tun - und einem Sumpf aus Gefühlen wie Rache, Gier, Hass, Eifersucht - und natürlich Liebe. Kommissar Ehrlichers Spürnase sammelt außerdem gerne die eine oder andere Zigarettenkippe auf. In Zeiten der bundesweiten Diskussion um den Nichtraucherschutz erhält dieser TATORT sogar noch eine aktuelle Komponente.

Peter Sodann am Set; Bild: MDR
Nach 4 Minuten und 55 Sekunden gibt es die erste Leiche: der Bauunternehmer Peter Ludwig, der am Tag vorher einen Prozess wegen Finanzbetrugs gewinnen konnte, wird in seinem ansehnlichen Haus am Cospudener See erschossen aufgefunden. Gewinnen konnte er den Prozess , weil seine Anwältin - das stellt sich später raus - vermutlich einen Prozessbetrug begangen hat und es mit den juristischen Vorschriften nicht ganz so eng nahm. Eine Anwältin, die aber nur einen Mandanten hat - und der ist nun tot. Und so muss die karriersüchtige junge und ebenfalls ansehnliche Anwältin sich in Krankenhäusern ihre Mandaten nun selber suchen - aber erfolglos.

Der Ast, auf dem man sitzt

Und das obwohl die Anwältin ziemlich erfolgreich war in ihrem Studium und fast Jugendrichterin geworden wäre - doch dann war sie um einige Prozentpunkte schlechter als ein anderer Jurist und ihr beruflicher Abstieg begann: teure Kanzlei, keine Mandanten, kein Geld, keine Aussicht auf Besserung. Wird eine Anwältin aus diesem Grund zur Mörderin? "Ich säge doch den Ast nicht ab, auf dem ich sitze", sagt sie dem Kommissar, als dieser sie mit seinem Mordverdacht konfrontiert.

Die "Anwaltsnutte" und der bald tote Ludwig. Bild:MDR
Doch Kain und Ehrlicher ermitteln auch im Hause von Werner Mühl, dem Geschäftsführer einer von Ludwig in die Insolvenz getriebenen Glasbaufirma, der im Gerichtsgebäude noch mit einem Farbbeutel auf den Toten losging. War er der Mörder? Als die Kommissare daraufhin einen Teil der gestohlenen Kunstgegenstände bei Mühl zu Hause finden, scheinen sie am Ziel ihrer Ermittlungen zu sein. Mühl gesteht den Einbruch, streitet den Mord an Ludwig aber ab.

Guten Tag, Hartz IV!

Schuld für seine finanzielle Not gibt er auch den Kreditinstituten, die mit Betrügern wie Ludwig zusammen arbeiten. Dr. Stefan Bischof aber beteuert gegenüber den Kommissaren, dass seine Bank den Ludwig gewährten Kredit seriös abgewickelt und mit den Vorwürfen der Veruntreuung nichts zu tun habe. Doch bei der Überprüfung von Ludwigs Geschäftskonten finden die Kommissare heraus, dass über mehrere Millionen Euro verschwunden sind.

War Mühl der Mörder? Bild:MDR
Der Krimi aus Leipzig zeigt die Ermittlungen der beiden Leipziger Kommissare wie gewohnt ganz bedächtig. Sie klappern die Verdächtigen der Reihe nach ab, ganz unaufgeregt und auch nicht ohne amüsante Begleiterscheinungen. Unterhalten sich mit einem ein Gebäude bewachenden Obdachlosen (!) oder sammeln desöfteren Zigarettenkippen auf - Ehrlichers Sinn für Ordnung funktioniert noch nach 15 Jahren TATORT-Arbeit, auch in Bezug auf die Betreiberin des Waschcafes, der ehemaligen Ehrlicher-Freundin Friederike. Die beschäftigt nämlich einen Schwarzarbeiter für die Renovierung der Männertoiletten und ihrer Fallrohre, und das passt Ehrlicher nun gar nicht.

Peanuts oder waren es jetzt 470 oder 430 Tausend Euro?

Der TATORT bewegt sich im Leipziger Immobilienmilieu und bei einer Großbank, mit denen Handwerksbetriebe die Kreditverträge abschliessen müssen. Während der Ermittlungen wirft Ehrlicher die berechtigte Frage auf, weshalb die vielen Handwerksbetriebe sich überhaupt darauf einlassen, nur vorfinanzierte Aufträge abzuwickeln, um dann später auf ihrem Geld sitzen zu bleiben? "Jeder geht eben ins Risiko", meint Kain dazu salopp - ihn interessiert nur der Mörder und sein Motiv, während Ehrlicher wieder alles verstehen will, die Hintergründe, die Zusammenhänge. Und weil wir uns in einem solchen Milieu bewegen, das schon einmal sehr stark öffentlichkeitswirksam durch das "Peanuts"-Zitat von Hilmar Kopper oder das Victory-Zeichen von Nachfolger Ackermann vor Gericht in Mißkredit geriet, nimmt es der TATORT mit den vielen Sümmchen auch nicht so genau: Anfangs heisst es bei der Urteilsverkündung noch, Mühl hätte 470 000 Euro "begehrt", später spricht er selbst von 430 000 Euro. Was machen schon 40 000 Euro Unterschied? Und dann fehlen bei der Bank noch ein paar Millionen und ein wertvoller Brief des toten Ludwigs, der anfangs der jungen Anwältin gestohlen wurde, ist auch gleich eine halbe Million wert. Bei so viel Geld verliert man schnell den Überblick.

Ermitteln wie immer ruhig und entspannt, da kann man auch mal Zeitung lesen! Bild:MDR
Nicht so unser Leipziger Kommissar Ehrlicher, der in dieser Geschichte den Überblick behält und wie schon in Einsatz in Leipzig wusste "Gefühle tragen weiter": Denn es sind die Gefühle der Menschen in dieser Geschichte, die ihn zur Lösung des Falls bringen, den Mörder dingfest machen. Die Umstände widern den Kommissar zwar ziemlich an, so dass er sagt "Ich will weg hier", aber der pflichtbewusste Kommissar mit der Aktentasche im Schlepptau hat wieder für Recht und Ordnung gesorgt - und durch das Einsammeln der Kippen die TAT-Orte dieser Welt doppelt sauber gehalten.....

Francois Werner


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3