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Heute ist der: 24.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Friedhofsszenen in "Ruhe sanft"

Schau unter die Steine,
jenseits der Gemeinde*

Ein weiterer Streit zwischen Köln und Düsseldorf trieb im Herbst 2006 seltsame Blüten - nun war auch die Traditions-Krimireihe TATORT mit von der Partie: Es ging um eine Drehgenehmigung auf einem Friedhof in Düsseldorf für einen TATORT, der in Münster spielt, aber hauptsächlich in Köln gedreht werden sollte. Da die Friedhof-Szene dort - und auch nicht in Düsseldorf gedreht werden durfte - gabs "Ärger".

Ruhe sanft ist der Titel des neuen TATORTs, den die Colonia-Media für den Westdeutschen Rundfunk produziert hat, und der in Münster angesiedelt ist. Ruhe sanft passt nun jedoch so gar nicht zu den Aufregungen, die dieses Filmprojekt erzeugt hat.

Auslöser war die Suche nach einem geeigneten Drehort für Szenen auf einem Friedhof in dem Krimi. Die Produktionsgesellschaft und die verantwortliche Produzentin Sonja Goslicki wollten die Szenen des neuen Münster-TATORTs in Köln drehen, doch bekamen eine Absage. Nach dem Kölner Grünflächenamt ist dies mit "Störung der Totenruhe" verbunden, deswegen werde keine Drehgenehmigung erteilt, hiess es. Und schon gar nicht bei Nacht etwa mit heller Beleuchtung - so wie es das Drehteam vor hatte, denn wichtige Szenen spielen nachts auf Friedhof.
Sonja Goslicki; Bild:Colonia Media

Für Düsseldorf springt nichts raus

Eine Alternative musste her, und so wurde die Kölner Produktionsfirma in Düsseldorf auf den Nordfriedhof aufmerksam. Laut Goslicki wäre dieser mit seinen pittoresken und wunderschönen Gräbern geradezu der ideale Drehort gewesen. Doch auch die Stadt Düsseldorf versagte dem Team die Drehgenehmigung. Wie zahlreichen Pressebereichten zu entnehmen war aber nicht mit der naheliegendsten Begründung - eben Störung der Totenruhe - sondern mit drei anderen Argumenten:

Erstens sei die Produktionsfirma in Köln ansässig und zahle dort Steuern, zweitens würden die Schauspieler auch dort übernachten und nur für diesen Dreh nach Düsseldorf fahren und drittens und letztens spiele der TATORT eben in Münster und nicht in Düsseldorf. Düsseldorf wolle nicht länger "Ausputzer" für Köln sein. Wenn dort etwas schieflaufe oder die Stadtverwaltung nicht mitspiele, müsse oft die Landeshauptstadt schnell herhalten - damit sei jetzt Schluss, sagt Michael Kosiedrowski, Medienbeauftragter des Düsseldorfer Oberbürgermeister.
Bild: WDR/Böhme


Für die Drehgenehmigung sollte der TATORT auf Düsseldorf "umgeschrieben" werden, muss Kosiedrowski der darüber sehr empörten Produzentin Sonja Goslicki wohl mitgeteilt haben - (ihre Reaktion: "Das erinnert mich an Fürstentümer und Kleinstaaterei"). Dass die sich darüber nun aufregt und viele Zeitungen darüber berichten, sei "ein inszenierter Aufschrei", findet Kosiedrowski. Aber es sei nicht einzusehen, eine Drehgenehmigung zu erteilen denn für Düsseldorf springe dabei nur ein Dankeschön im Abspann und ein Pressetermin raus - mehr nicht!

Inszenierter Aufschrei?

Die Aufregung ist in der Tat nicht ganz nachvollziehbar. Es ist eigentlich gang und gäbe am TATORT und in der restlichen Filmproduktionsbranche die Szenen in den wenigsten Fällen wirklich vor Ort zu drehen. Schimanski und Haferkamp und wurden hauptsächlich in Bayern gedreht, der Bienzle-TATORT wurde öfter in Baden-Baden und Karlsruhe gedreht als in Stuttgart, wo er spielte und ebenso ist dies beim TATORT aus Ludwigshafen oder Konstanz. Die Gründe hierfür sind einfach: Die Produzenten wollen Geld sparen und drehen nur diejenigen Szenen am "richtigen" TAT-Ort, die "unverwechselbar" mit der Stadt verbunden sind. War immer so, wird immer so bleiben.


Warum also regte sich Frau Goslicki von der Produktionsfirma so auf, warum kapriziert sie sich so auf den Düsseldorfer Friedhof? Wollte sie medienwirksam einfach nur ihren Willen durchsetzen, weil ihr der Friedhof so gut gefallen hat und sie sich in ihn "verliebt" hat? Oder will sie als Filmproduzentin in Nordrhein-Westfalen mehr Beachtung, mehr Anerkennung, mehr Macht? Letztlich musste sie die Entscheidung akzeptieren, was bleibt ihr übrig. Koseidrowski und über ihn der filmaffine Oberbürgermeister aus Düsseldorf jedenfalls zeigten sich in der Sache (nachvollziehbar) hart, aber letztlich dennoch hilfsbereit. Denn sie waren es, die der Produzentin Goslicki den Alternativ-Friedhof in Bonn vorgeschlagen haben - und für den habe sie sich dann auch entschieden.

Felmy in "Treffpunkt Friedhof"; Bild: WDR
Mit Ruhe sanft schafft der WDR jedenfalls einen weiteren TATORT, den er auf einem Friedhof ansiedelt und dort Szenen drehen lässt, die dort dramaturgisch wichtig sind. Schon in Bittere Mandeln hatte Sonja Goslicki 1999 für den WDR und die Kölner Kommissare Szenen auf einem (welchem eigentlich?) Friedhof realisiert. Und schon in den 70er Jahren musste der Essener Kommissar Haferkamp in der Folge Treffpunkt Friedhof auf einem Friedhof herumspringen, schiessen und ermitteln. Vermutlich lag aber dieser weniger in der Umgebung von Essen, sondern vielmehr in der Nähe von München, dem Sitz der damaligen Produktionsfirma Bavaria-Film - das wäre der Produzentin Goslicki heute aber vermutlich eh zu teuer.

* Die Überschrift entstand in Anlehnung an ein EUROPA-Hörpsiel aus der Serie "Die drei Fragezeichen". In der Folge "Der Superpapagei" suchen die drei bekannten und intelligenten Satzzeichen aus Rocky Beach ein wertvolles Bild. Die Jungen werden auf einem Friedhof fündig. Den Weg dorthin hatten ihnen 7 Papageien gewiesen, die mit seltsamen Sprüchen eine rätselhafte Botschaft transportierten. Einer der Sprüche war: "Schau unter die Steine, jenseits der Gebeine".

François Werner


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