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Heute ist der: 11.12.2018. --> Bis heute wurden 1087 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das ?TATORT-Gespräch? mit Andreas Hoppe

?Ich find?s toll, groß und stark zu sein?

Andreas Hoppe über zehn spannende TATORT-Jahre, sein Leben im Lande Liliput, die Figur Mario Kopper und den Kampf um gute Drehbücher

Andreas Hoppe alias TATORT-Kommissar Mario Kopper, Bild: tatort-fundus/tg
?Klein und kraftlos? sollte Lena Odenthals neuer Assistent laut Drehbuch sein. Allerdings war es damals, Mitte der Neunziger, gar nicht so einfach den richtigen Mann zu finden. Schließlich hatte Ulrike Folkerts eine Idee: Sie schlug den Berliner Schauspieler Andreas Hoppe vor, mit dem sie zusammen die Schauspielschule in Hannover besucht hatte. Die Castings verliefen gut. Aber der 1,93 Meter große Hoppe passte einfach nicht ins vorgegebene Rollenprofil. Also drehte Ulrike Folkerts die folgenden TATORTe erst einmal noch alleine. Kurze Zeit später wurde die Rolle dann doch noch umgeschrieben. So, dass Hoppe sie ausfüllen konnte. Seitdem ist er als Mario Kopper jedes Mal dabei, wenn Lena Odenthal in Ludwigshafen auf Mördersuche geht.

Gleich die erste gemeinsame Folge wurde ein Riesenerfolg: ?Der kalte Tod? (1996) gilt für viele bis heute als eine der besten TATORT-Folgen überhaupt. In den folgenden mittlerweile mehr als zehn Jahren drehte das erfolgreiche Duo über dreißig weitere Folgen. Ein Ende ist bis heute nicht in Sicht?

Tobias Goltz traf Andreas Hoppe für den tatort-fundus in Berlin-Charlottenburg zum TATORT-GESPRÄCH:

Herr Hoppe, seit 1996 sind Sie an der Seite von Ulrike Folkerts als TATORT-Kommissar Mario Kopper zu sehen. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie diese Rolle so lange spielen würden?
Hoppe: Ich habe es als Ritterschlag empfunden, TATORT-Kommissar zu werden. Das war schon klasse. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mit dem TATORT groß geworden bin. Aber wie lange das gehen würde? Davon hatte ich überhaupt keine Vorstellung! Zumal die zuständigen Stellen am Anfang auch nicht wirklich überzeugt davon waren, dass so ein Typ wie ich Tatort-Kommissar werden sollte?

Eigentlich sollte Lena Odenthals Assistent ?klein und kraftlos? sein.
Hoppe: Das war wohl irgendwie ´ne Fehlinterpretation. Und die erste Zeit war?s gar nicht leicht: Die Bücher waren geschrieben, die Vorgaben waren da. Ich habe mir dann redlich Mühe gegeben, mich so klein wie möglich zu machen. Aber irgendwann ging das nicht mehr (lacht). Ich hab? so viel Energie und Power. Wenn du dann immer so klein gemacht wirst, ist das auf die Dauer ein ziemlich harter Dressurakt.

Aber auch heute passen Sie manchmal einfach nicht ins Bild.
Hoppe: Gerade in Dialogszenen ist das ganz furchtbar. Da muss ich dann oftmals irgend so einem Halbspagat machen, damit das einigermaßen funktioniert. Ich habe mir aber abgewöhnt, das als negativ anzusehen. Ich finde es toll, groß und stark zu sein. Dafür, dass die anderen so klein sind, kann ich nichts (lacht). Ich sag dann immer: ?Ich würde ja so gerne mal mit Erwachsenen drehen. Es ist einfach furchtbar im Lande Lilliput? (lacht).

Odenthal und Kopper haben bereits in vielen Bereichen ermittelt: In der Pathologie, bei der Bundeswehr, in der Hip-Hop-Szene. Sogar Außerirdische haben in einem TATORT eine Rolle gespielt?
Hoppe: ?und in ?Kriegsspuren? ging es um den Krieg in Jugoslawien?. Schon ziemlich vielfältig. Eigentlich sehr schön.

Sehen Sie Kopper eigentlich mittlerweile als gleichberechtigten Partner neben Lena Odenthal?
Hoppe: Ich versuche mich damit nicht die ganze Zeit zu beschäftigen. Das ganze heißt ja ?Lena-Odenthal-TATORT?. Aber Kopper ist mit der Zeit ziemlich gewachsen?

Mario und Lena leben zusammen in einer WG?
Hoppe: ?eigentlich ist das nur ´ne Zwischenlösung, die mittlerweile seit einigen Jahren Bestand hat.

Könnten Sie sich vorstellen auch ?in echt? mit Ulrike Folkerts in einer WG zusammenzuleben?
Hoppe: Ich glaube, wir würden das ganz gut hinkriegen. Ich weiß nicht, wie lange das gut gehen würde. Aber ´ne Zeitlang? Warum nicht?

Sie kennen Ulrike Folkerts bereits seit der Schauspielschule. Seit über zehn Jahren arbeiten Sie jetzt zusammen. Inwiefern beeinflusst es die gemeinsame Arbeit, wenn man so viel vom anderen weiß?
Hoppe: Wir müssen den anderen halt nicht mehr abchecken. Wir wissen, was der andere kann...

In "Roter Tod", dem neuen TATORT aus Ludwigshafen geht es um die Themen Aids, verseuchte Blutkonserven und den kommerziellen Handel mit Blut.
Hoppe: Ein wirklich spannendes Thema. Während der Recherche ist uns allen bewusst geworden, dass es die Sicherheit, im Notfall saubere Blutkonserven zu bekommen, tatsächlich nicht gibt. Das kann keiner garantieren?

Hat der TATORT in dieser Hinsicht auch eine Aufklärungsfunktion?
Hoppe: Er holt die Themen für eine gewisse Zeit ins Bewusstsein. Das kann zu Gesprächen anregen. Aber ich glaube nicht, dass er die Welt verändern kann?

Sie drehen drei Filme pro Jahr. Leidet die Qualität der einzelnen Filme unter der hohen Schlagzahl?
Hoppe: Interessante Frage, die tatsächlich momentan manchmal durch den Raum geistert. Ich weiß es nicht. Ich denke jedoch: Die ganze Energie aus drei Filmen in einen zu legen, das würde nicht funktionieren?

Sie arbeiten unter ziemlichen Zeit- und Kostendruck?
Hoppe: Teilweise geht es um die Frage, wie man mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld machen kann. Meine Denkweise ist ´ne andere. Das widerstrebt mir durchaus. Aber beim TATORT sind wir diesen Begebenheiten noch nicht ausgesetzt.

Die besten Odenthal/Kopper-TATORTe?
Hoppe: ?Der kalte Tod?, mein erster TATORT, ist echt toll. Eine der schönsten Folgen. Dann finde ich ?Schrott und Totschlag? sehr gut. Oder ?Große Liebe?. Da war ja auch die Elvis-Nummer drin. Ein schönes kleines Schmankerl, wo ich viel zu schwitzen hatte.

Die Elvis-Nummer: War das Ihre Idee?
Hoppe: Das denken alle (lacht). Stimmt aber nicht.

Sie wollten ursprünglich Rock-Musiker werden?
Hoppe: Was man halt so für Kindheitsträume hat? Ich habe mit Musik einfach viel am Hut: Höre super viel Musik, suche immer neue Sachen. Und höre auch Musik, die andere in meinem Alter wahrscheinlich nicht mehr hören (lacht).

Warum sind Sie Schauspieler geworden?
Hoppe: Mir war früh klar, dass ich gerne im künstlerischen, kulturellen Bereich arbeiten möchte. Ob nun Schreiben, Malerei oder Schauspielerei. Das wusste ich nicht so genau. Der entscheidende Punkt war dann für mich, dass ich mit anderen Menschen zusammen arbeiten wollte. Heute zeigt sich, dass genau das manchmal schwierig ist. Es gibt Situationen, wo man denkt: Wäre ich jetzt ein Maler. Dann würde ich mich hinsetzen und ein Bild malen. Da gibt?s dann niemanden, der mir dazwischen redet (lacht).

Machen Sie sich manchmal Gedanken, ob Sie den richtigen Beruf gewählt haben?
Hoppe: Solche Momente gibt es. Die kommen oft ganz plötzlich. Manchmal bekommt man ein Buch und denkt: ?Hätte ich doch was Anständiges gelernt?. Weil man nicht glaubt, damit seinen eigenen Ansprüchen genügen zu können.

Derzeit arbeiten Sie an einem Dokumentarfilm über Waldbüffel in Kanada. Eine Art von Selbstverwirklichung?
Hoppe: Das kann man durchaus so sagen. Andere Kulturen interessieren mich. In dieser Hinsicht bin ich ein sehr neugieriger Mensch und freue mich über neue Impressionen. Gerade weil unsere Kultur ein bisschen zu wünschen übrig lässt. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass sich da noch groß was entwickelt. Da ist es dann einfach schön, wenn man an ein paar Plätze kommt, wo die westliche Welt nicht immer so präsent ist. Wo es nicht nur um Geld und technische Neuerungen geht, sondern auch noch um die Natur, um die Basis.

Ulrike Folkerts hat beklagt, dass sie keine anderen Rollen angeboten bekommt. Wie sieht es bei Ihnen aus: Haben Ihr TATORT-Engagement und die damit verbundene Bekanntheit Ihnen in Hinblick auf andere Rollen eher genützt oder eher geschadet?
Hoppe: Schwer zu sagen. Ich weiß ja nicht, was ich für Angebote bekommen würde, wenn ich den TATORT nicht machen würde. Ich würde sagen, dass es mich bereichert hat. Ich bin dadurch bekannter geworden, habe mir einen Namen gemacht. Und zwischendurch gibt es immer wieder andere spannende Projekte. Aber das dürfte auch ein bisschen mehr sein. Hin und wieder ´ne schöne Rolle neben dem TATORT würde mich freuen. Ich bin Schauspieler, nicht Kommissar.

?TATORT-Kommissar? zu sein: Ist das nicht auch so etwas wie ein Statussymbol?
Hoppe: Da bin ich mittlerweile ganz anderer Meinung. Es wird gar nicht mehr so positiv gesehen. Und viele Leute denken, dass man zeitlich mehr eingebunden ist, als es tatsächlich der Fall ist. Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär machen ja auch einiges nebenher. Ich würde mir auch wünschen, dass man vom eigenen Sender hin und wieder ein paar schöne Angebote bekommt?

Warum?
Hoppe: Wir holen für den Sender immer recht gute Quoten. Wir legen uns ins Zeug, dass die Bücher gut sind. Da fände ich es schon angemessen, dass man hin und wieder auch schöne anderen Rollen beim eigenen Sender bekommt.

Wie lange wird es das Ermittlerduo Odenthal/Kopper noch geben?
Hoppe: Keine Ahnung.

Wovon hängt?s ab?
Hoppe: Zum einen von den Büchern. Dann von der Zusammenarbeit mit dem Sender. Auch von der Zusammenarbeit zwischen Ulrike Folkerts und mir. Wenn wir uns irgendwann nicht mehr verstehen sollten, würde es schwierig werden. Und dann kommt?s drauf an, was sonst noch so alles passiert?


Interview: Tobias Goltz / Januar 2007


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