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Heute ist der: 23.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Schwelbrand

Interview mit Thomas Sarbacher


Herr Sarbacher, wie ist es, wieder in Bremen zu sein?
Spannend. Es ist nach zehn Jahren das erste Mal, dass ich wieder hier bin; nicht nur für den Bremer Tatort, sondern ich probe hier parallel noch mit ehemaligen Kollegen von der Shakespeare Company. Somit ist es ein doppeltes Erleben, weil das eine immer noch angebunden ist an das, was mich hier vor zehn Jahren umgetrieben hat und gleichzeitig muss man natürlich feststellen, dass die Zeit längst weitergelaufen ist, vor allem auch bei einem selber. Ich finde es deshalb sehr schön, denn es war Zufall, dass sich beides zeitlich so überlagerte und das ich nun parallel dazu hier beim Bremer Tatort dabei sein kann.

Wollen Sie nicht wieder zurückkommen?
Nein! Ich war fast sieben Jahre hier, das war mein erstes Theaterengagement nach der Schauspielschule und ich habe das als eine ganz großartige Zeit erlebt. So wie das Theater damals funktioniert hat, ist es heute nicht mehr ? da haben sich mittlerweile natürlich auch viele Neuerungen eingestellt. Damals war das für mich eine wunderbare Zeit, mich auszuprobieren, Theater zu begreifen oder über Theater zu lernen und das habe ich sehr genossen.

Kommen wir zum Tatort ?Schwelbrand? und zu Rüdiger Seitz ? er ist ja einerseits sehr faszinierend, aber gleichzeitig auch sehr unsympathisch. Was macht diese Figur aus?
Was ihn für den Film wichtig macht, ist die Tatsache, dass er das ?intellektuelle? Rüstzeug mitbringt, um dieses Gedankengut so aufzubereiten, dass er damit tatsächlich in der Lage ist, die Leute zu verführen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten kalkuliert er sicherlich, dass sich mit der Unwissenheit der Leute, die er sozusagen unter seine Fittiche nimmt, trefflich spielen lässt. Ich glaube, dass es sehr vielschichtig ist, weil es auch eine Frage seines Egos ist, also dieses Ego zu befriedigen und mit seiner Macht spielen zu können; die Leute von sich abhängig machen zu können, sie groß oder klein machen zu können. Ich denke, dass er die Menschen sehr gut einschätzen kann. Wo sind ihre Stärken, wo ihre Schwächen? Damit kann man sehr gut spielen, dadurch hat er einen gewaltigen Vorsprung, den er auch einsetzen kann.

Können Sie noch mal ein wenig auf seine politischen Theorien eingehen? Aus welcher Ecke kommt er?
Wie er selbst sagt, spielt ja rechts oder links keine Rolle mehr. Nichts desto weniger muss man zur Kenntnis nehmen, dass er einfach ein, um es mal vorsichtig zu formulieren, deutsch-national denkender Mensch ist, aber mit ganz klar rechtslastigen und auch faschistischen Tendenzen. Er kann es aber auch immer so verbrämen, dass man zwischendurch stutzt. Das ging mir auch bei der Arbeit immer wieder so, dass man denkt ?aha! richtig aufgegriffen?, nur wie er es dann weiterführt, das ist natürlich eine gnadenlose Vereinfachung. Aber das ist ja diesen demagogisch denkenden und agierenden Menschen sowieso eigen, dass sie über die Vereinfachung zu unglaublichen Schlussfolgerungen kommen. Da ist man verblüfft, welche Wirkung das hat und dass es auch erst einmal gar nicht so verfänglich wirkt. Es fängt ja nicht mit dem Hass an, dass der Hass darunter steckt, das ist etwas anderes. Das macht es ja auch so gefährlich. Und es ist so gefährlich, weil sie sich als solche äußerlich gar nicht mehr kenntlich machen. Das ist das Perfide daran.

Haben Sie sich auf diese Rolle in spezieller Art vorbereitet? Haben Sie sich zum Beispiel so deutsch-nationale Schriften, die es ja gibt und die auch im Umlauf sind, mal angeschaut?
Ja, aber sehr wenig, weil es mir im Wesentlichen eigentlich gar nicht so sehr darum geht. Für mich war im Umgang mit der Figur wichtiger, was er mit den Menschen anstellt, also mit diesem Begegnungszentrum, was er da unterhält und eben auch die Art, sich so eine kleine Schar heran zu züchten, die ihm ergeben ist.

Wie gerät Rüdiger Seitz nun in den Fokus der Ermittler?
Weil es eine Gruppe von Schlägern gibt, die sein Zentrum besuchen und sich dort aufhalten. Die gehen los und jagen einen Plakat-Kleber, der für ein Konzert Plakate klebt, weil er ein Ausländer ist. Natürlich ist die erste Adresse dieses Zentrum, das der Rüdiger Seitz betreibt, wo sich die Polizei nach den Tätern umschaut.

Das Interview führte Anja Kwijas, Radio Bremen


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