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Schwelbrand

Interview mit Buddy Elias


Herr Elias, was für ein Gefühl war es für Sie, mit Komparsen zu arbeiten, die aussahen wie Nazis und Skinheads?
Das war für mich natürlich eine besonders tiefe Sache, eine Sache, die mich sehr berührte. Ich weiß nicht, ob Sie meine Lebensgeschichte kennen? Ich bin der letzte noch lebende direkte Verwandte von Anne Frank, ich bin ihr Cousin. Rechtsradikalismus ist etwas, das mich natürlich brennend interessiert. Gerade, wo in Prezin wieder eine Bücherverbrennung stattgefunden hat, wie in der Hitlerzeit und das ausgerechnet mit dem ?Tagebuch der Anne Frank?, also dem Tagebuch meiner Cousine.

Was ist David Weber, den Sie spielen, für ein Mensch?
Er ist jemand, der die rechtsradikale Szene beobachtet und mit der Polizei zusammenarbeitet. David Weber weiß viel über diese Szene, er kennt die Leute und hilft der Polizei, aggressive Handlungen zu verhindern oder gegen Rechtsradikale vorzugehen.

Die Zusammenhänge, die David Weber über die Strukturen der rechtsradikalen Szene erzählt ? sind das Dinge, die Sie überrascht haben?
Nein, leider überrascht mich das nicht, denn es gibt leider diese rechtsradikalen Aktivitäten. Ich würde sagen, die Leute sind dumm geboren und haben nichts dazu gelernt. Nationalismus ist etwas so furchtbares. Ein guter und gesunder Patriotismus ist schön und richtig, aber Nationalismus ist falsch und hat immer nur zu Kriegen, Morden und zu allem Schrecklichen geführt.

Patriotismus und Nationalismus. Was empfinden Sie, wenn Sie z. B. zur Fußball-WM sehen, dass in Deutschland deutsche Flaggen rausgeholt und ans Fenster gehängt werden. Sind das Dinge, die Sie erschrecken oder können Sie das nachvollziehen?
In diesem Fall kann ich es nachvollziehen. Ich muss Deutschland ein großes Kompliment machen, denn so wie die die Weltmeisterschaft organisiert haben, das war einfach fantastisch. Da war die gesunde Begeisterung des deutschen Volkes da und das hat man auch gespürt. ?Zu Gast bei Freunden? war ja der Slogan. Es ist ja auch wirklich überall sichtbar geworden, dass die Freunde aus der ganzen Welt hier gut empfangen wurden und dass es ein riesengroßes Fest war. Da haben mich die Fahnen nicht gestört. Natürlich gibt es Momente, wo mich die Fahnen stören. Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz zum Beispiel, je nach dem. Wir hatten die Bundesfeier auf dem Rütli, wie Sie vielleicht wissen, und da kamen rechtsradikale Schweizer mit den Schweizer Fahnen und demonstrierten auch dort und da war es furchtbar. Was machen Sie, wenn Ihnen Rechtsradikalismus öffentlich begegnet? Ist es nicht schwer, Zivilcourage zu zeigen? Ja, aber Zivilcourage muss sein! Ich bin beruflich auch noch Präsident des Anne Frank Fonds in Basel. Wir sind tätig gegen Rechtsradikalismus und vor allem Antisemitismus und für die Vereinigung der Menschheit im Allgemeinen. Wir arbeiten also im Sinne der Ideale von Anne Frank, für Völkerverständigung, für die Verständigung zwischen den Religionen.

Es gibt eine Szene im Tatort ?Schwelbrand? wo David Weber sagt: ?Die Menschen, die das Dritte Reich noch miterlebt haben, werden jetzt weniger.? Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die davon erzählen können und mahnen können, dass so etwas nicht mehr passieren darf. Reden und erzählen Sie darüber?
Ja, ich gehe sehr oft in Schulen oder halte Vorträge. Ich spreche über Anne Frank, Rechtsradikalismus, Nationalismus. Bei den Jugendlichen kommt das sehr gut an.

Wie können Jugendliche, wie sie auch im Film beschrieben werden, die für die rechte Szene eine gewünschte Zielgruppe sind, von falschen Ideologien abgebracht werden? Diejenigen, die nicht wissen, was sie machen sollen, die keine Lehrstelle haben, die Hass haben?
Wir müssen es immer wieder versuchen sie davon abzubringen. Ich meine die Leute, die dafür verantwortlich sind, die Sozialarbeiter oder die Jugendarbeiter müssen es immer wieder versuchen, diese jungen Leute aus der rechten Ecke herauszuziehen. Das ist unsere Aufgabe und die muss von der Regierung beaufsichtigt und arrangiert werden.

Das Interview führte Anja Kwijas, Radio Bremen


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