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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Preview von neuem Köln-TATORT auf Oldenburger Filmfestival

Ballauf und die Frauen - eine unendliche Geschichte

Auf dem Filmfestival Oldenburg wurde der WDR-TATORT "Die Blume des Bösen" einem kleineren Publikum im Rahmen der "Internationalen Reihe" vorab gezeigt - im TV allerdings wird er erst 2007 zu sehen sein. Tobias Goltz vom tatort-fundus war dabei.

"Sie sind die ersten von neun Millionen", erklärte Dietmar Bär den Zuschauern schmunzelnd. Ebenso wie Thomas Stiller (Drehbuch und Regie) und die Schauspielerkollegen Klaus J. Behrendt, Tessa Mittelstaedt und Jürgen Schornagel zeigte sich Bär bei der Premiere des Films gut gelaunt und publikumsnah.

Psychospiel um Leben und Tod

In diesem TATORT wird Max Ballauf von der Vergangenheit eingeholt. Er befindet sich im Visier eines Serienkillers, der nach und nach ehemalige Geliebte des Kommissars ermordet. Stets hinterlässt er eine rote Lilie. Schnell ist klar: Hier geht es um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Ballauf. Dem bleibt keine andere Wahl als in einem Psycho-Spiel um Leben und Tod die Rolle des Spielgefährten eines ebenso unberechenbaren wie intelligenten Gegners anzunehmen. Balllauf wird durch die ganze Stadt gejagt, erhält wie bei einer Schnitzeljagd immerfort neue Hinweise, mal in einer Kirche, mal in einer Telefonzelle. Doch der Gegenspieler (als schauerlich-düsterer Finsterling: Jürgen Schornagel) gibt ihm keine Chance. Es geht um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Ballauf. Am Tatort hinterlässt der Täter stets eine rote Lilie.

Ballauf steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs, hat eine Heidenangst. Lange Zeit weiß er nicht einmal, was der Unbekannte von ihm will. Der spricht von Schuld. Von dem, was Ballauf ihm angetan hat. Doch trotz aller Bemühungen können die Ermittler lange Zeit nicht enträtseln, wer dahinter stecken könnte. Irgendwann fragt Ballauf seinen Kollegen Schenk : "Kann es sein, dass ich ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu Frauen habe?" Klare Antwort: "Ja" - zumindest ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass eine Frau, mit der Ballauf im Bett war, den Abspann überlebt.

Bild: WDR

Fehlerhafte Biographie

Die Spur führt schließlich zurück nach Düsseldorf, wo Max Ballauf vor seiner Kölner Amtszeit an der Seite von Kriminalhauptkommissar Bernd Flemming (Martin Lüttge) und Kommissarin Miriam Koch (Roswitha Schreiner) ermittelte. Wie bereits in früheren Folgen weist der Bezug auf Ballaufs Biographie auch hier eklatante Fehler auf. Es geht - so viel sei verraten - um einen 10 Jahre zurückliegenden Fall aus eben diesen Düsseldorfer Zeiten. Dass Ballauf 1996 laut Rollenbiographie längst nach Kanada ausgewandert ist und sich in den USA im Rahmen einer Spezialausbildung bei der "Drug Investigation Agency" für den Kampf gegen die internationale Rauschgiftmafia schulen lässt, wird nicht bedacht.

Klaus J. Behrendt verweist gegenüber dem tatort-fundus auf den dramaturgischen Bogen, der mit dem Neuanfang 1997 vom Düsseldorfer zum Kölner Ballauf gespannt werden musste. Daher hätte Ballauf - was früher noch der Fall war - auch keine Kinder mehr und wechselnde Frauenbekanntschaften. "Ballauf ist nicht bindungsfähig", sagt er. "Wir mussten uns von einigen Altlasten trennen", erklärt Behrendt in Bezug auf die Unstimmigkeiten in Ballaufs Lebenslauf. Dennoch bleibt es ein Schönheitsfehler, der zu vermeiden gewesen wäre.

Bild: WDR

Freddys Frau bleibt ein Phantom

"Eigentlich sollte es eine Figurenbibel geben", gesteht Dietmar Bär ein. Er beweist jedoch, dass die Schauspieler durchaus auf derartige Fehler achten und sie zu verhindern wissen: "Im Drehbuch hatte meine Frau plötzlich einen ganz anderen Namen: Karin. Dabei heißt sie Susanne".Doch zu sehen bekommt der Zuschauer sie auch in Zukunft nicht. Bär erklärt das folgendermaßen: "Die Zuschauer sollen auch weiterhin schlaflos ins Bett gehen und sich fragen: Wie sieht die wohl aus?". Wie Columbo die Frau einmal zum Bahnhof bringen, nur damit sie auch mal im Bild ist, wolle er nicht. So gibt's Freddys Frau auch weiterhin nur am Telefon, sie bleibt ein Phantom.

Klaus J. Behrendt jedenfalls haben die Dreharbeiten Spaß gemacht: "Es gibt keinen anderen Film, wo ich so viel gerannt bin", sagt er. Der beleibte Dietmar Bär kontert süffisant: "Und ich bin froh, dass ich das nicht musste". Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass es den Kölnern nach wie vor gelingt, eine gute Mischung zwischen sozialkritischen TATORTen und solchen wie diesen zu finden. Behrendt dazu: "Schließlich gehört das zur Tradition beim TATORT".

Bild: WDR

Plot seit 1990 zur Verfilmung angedacht

Interessant ist auch die Tatsache, dass Thomas Stiller die Idee zu diesem Film bereits 1990 hatte und es schon zweimal fast zur Verfilmung des Plots gekommen wäre.

Letztlich sei es ein Ballauf-TATORT geworden, "weil das meine Lieblinskommissare sind", wie Stiller sagt. Auch für die Schauspieler ist die Zusammenarbeit mit dem Regisseur etwas Besonderes: "Der bringt seine Bücher immer selber mit, das ist schon ein Unterschied zu anderen Arbeiten", so Bär. "Die Blume des Bösen" ist ein über weite Strecken elektrisierender, alptraumhafter Thriller mit einem Pulsschlag-Finale, der das Kölner Ermittlerteam von ungewohnter Seite zeigt. Die ausdrucksstarke Bildsprache lässt in Einklang mit einem dazu passenden, wenn auch hier und da überzogenem, Soundsystem eine beklemmende Atmosphäre entstehen.


Tobias Goltz / September 2006


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