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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Es gibt gar keine normalen Leute?

Interview mit Joachim Król

Bild: RB
Sie spielen Manfred Schirmer, einen Mann, dessen Frau auf einem Rastplatz spurlos verschwunden ist. Was ist Manfred für ein Typ Mensch? Ein einsamer?
Nein. Er hat sehr früh geheiratet, eine sehr lange und ? wie er sagt ? glückliche Beziehung gelebt. Plötzlich verliert er seine Frau und damit auch ein bisschen den Bezug zur Realität.

Als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben ? wie ist Manfred Schirmer bei Ihnen angekommen?
Der Typ hat mich interessiert. Ausschlaggebend aber war für mich die gute Geschichte, von der er ein Teil ist. Eine gute Figur in einem guten Drehbuch zu spielen bedeutet für mich, meiner Arbeit auf einem anständigen Niveau nachgehen zu können. Das ist mir wichtig.

Es ist für Sie die erste Rolle in einem Tatort ? der deutschen Krimi-Institution schlechthin.
Mir ist klar, dass der ?Tatort? eine Premium-Marke der deutschen Fernsehlandschaft ist, aber bisherige Angebote an mich scheiterten meistens am Terminkalender. Diese Arbeit habe ich gerne übernommen, auch weil Radio Bremen eine sehr guten Ruf genießt und verdient: Hier wird sorgfältig und mit Leidenschaft produziert. Frau Uhlig, die Casterin, hat ein bis in die kleinsten Rollen spitzenmäßiges Ensemble zusammengestellt, 08/15 findet hier nicht statt.

Es gibt in dem Film eine kleine Geschichte, eine Affäre, wie auch immer, zwischen Manfred und der Kommissarin Inga Lürsen. Für beide nicht ohne Risiko, oder?
Da treffen ja zwei Personen aufeinander, die in einer emotional sehr aufgewühlten Verfassung sind: Er weiß nicht, was mit seiner Frau geschehen ist und die Kommissarin Lürsen hat Gewissenskonflikte, weil sie ihren an Alzheimer erkrankten Vater in ein Heim gegeben hat. In einem Moment, wo für beide das Alleinsein nur schwer zu ertragen ist, prallen Schirmer und Lürsen aufeinander.

Könnte das eine neue Liebe zwischen Manfred und Inga werden?
Nein, ich glaube nicht. Wenn sie sich unter anderen Vorzeichen kennen gelernt hätten ? vielleicht. Aber in dem Moment, in dem wir ihnen begegnen, befinden sich beide in einer Extremsituation. In solchen Momenten sind Menschen blanker, dünnhäutiger, berührbarer und auch angreifbarer für alles Mögliche.

Am Anfang, als Manfreds Frau Anne verschwunden ist, gibt es Gerüchte, sie sei vielleicht einfach abgehauen. Gibt es dafür Gründe?
Ja, ein Kapitel in beider Vergangenheit, eine Zeit, in der die Beziehung nicht gut funktionierte. Damals kam Anne einmal einfach nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück. Nachdem sie reumütig zurückkehrte, hat Manfred Schirmer versucht, dieses Kapitel als abgeschlossen zu betrachten.

Es gibt noch eine Frau in Manfreds Leben: Barbara Scheuven, die Nachbarin am Deich. Können Sie die Beziehung zwischen Manfred und Barbara beschreiben?
Für Manfred ist sie einfach die Nachbarin, eine komplizierte Person, die er eher aus Mitleid einmal mitnimmt auf sein Segelboot. An komplizierte Charakteren mangelt es in seinem Umfeld nicht: Seine Frau, der Schwiegervater, der sich immer etwas Besseres gewünscht hat für seine Tochter, unterdrückte Konflikte, wie es sie in den meisten Familien gibt.

Die Beziehung zwischen Barbara und Manfred verändert sich im Laufe des Films. Nachdem Manfreds Frau verschwunden ist, nähert Barbara sich ihm ? das scheint ihr sehr gelegen zu kommen.
Ja, es gibt eine Annäherung, die Manfred sehr verwirrt. Er weiß nicht genau, was sie von ihm will. Vielleicht hat sie die ganzen Jahre der Nachbarschaft für ihn geschwärmt und die Beziehung zu seiner Frau beobachtet und festgestellt: ?Manfred Schirmer ist mit dieser Frau nicht glücklich ? er wäre in meinen Armen glücklicher!? Und jetzt, wo seine Frau verschwunden ist ? wir wissen ja eine ganze Weile nicht, was wirklich passiert ist ? wird sie offensiver.

Das sind zum Teil sehr melancholische Bilder, insbesondere die Landschaft. Hat das Ihr Spiel beeinflusst?
Wir hatten einen Bilderbuch-Herbst, aber eben Herbst. Und ich bin kein Norddeutscher ? diese zwei verlorenen Häuser hinter dem Deich? jeder hat sich da mal gefragt: ? Würdest Du hier wohnen wollen?? Ich glaube schon, dass einen solch eine Umgebung beeinflussen kann, dass man, bei Veranlagung, an diesem Ende der Welt merkwürdig werden könnte und zu Taten fähig, die man normalerweise nicht begehen würde.

Aber die Typen selbst waren eher normal in dieser Dreier-Konstellation?
Ich kenne keine normalen Leute, die gibt es wahrscheinlich gar nicht. Wenn man einen beliebigen Menschen unter ein Vergrößerungsglas hält und nichts anderes macht die Kamera ja mit uns ? dann braucht man gar nicht mehr viel zu tun, um ?merkwürdig? zu erscheinen. Außerdem geht es um eine verschwundene Frau, um die es offensichtlich ein Geheimnis gibt.


RB-Pressemappe


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