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Heute ist der: 14.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Leben in einer Atmosphäre der Bedrohung

Regisseur René Heisig zu seinem Film

René Heisig bei Dreharbeiten zum TATORT "Seenot", Bild: SWR/Hollenbach
Lena Odenthal wird bei diesem Fall mit dem Phänomen des Stalking konfrontiert, also dem zwanghaften Verfolgen und Belästigen einer Person. Ein Thema, das Ihnen am Herzen lag?
?Stalking? ist erst mal ein abstrakter Begriff, der wenig darüber sagt, wie sehr das Leben der Verfolgten beeinflusst ist, wie sehr verängstigt sie sind. Was geht in so einer Figur vor, wie können wir das in Handlung und in Bilder fassen, war für uns die Frage. Das Gegenüber des Stalkers ist nicht greifbar, man hat keine Möglichkeit sich zu wehren und zieht sich völlig in sein Schneckenhaus zurück. Nirgendwo gibt es Ruhe, kein neutrales Terrain, überall ist man einer nicht greifbaren Angst ausgeliefert. Diese Ohnmacht innerhalb einer Krimistruktur auszuloten, den Schrecken sichtbar und verständlich zu machen, das hat mich interessiert.

Und wie haben Sie ihn sichtbar gemacht?
Wir wollten eine Atmosphäre anonymer Bedrohung schaffen und die zunehmende Isolierung der Figur zeigen. Der Rückzug in das Private, das Klima ständiger Angst und Einschüchterung verändern den Alltag drastisch. Plötzlich lösen das Klingeln des Telefons oder der klappernde Deckel des Briefkastens Panik aus. Um dies zu symbolisieren haben wir z. B. am Anfang Fahrten durch die Wohnung des Stalkingopfers Rike gemacht. Dort gibt es kaum Tageslicht, alles ist - aus Angst beobachtet zu werden - verdunkelt, in der Küche stapeln sich die Pizzakartons, weil nur das Notwendigste noch eingekauft und zu sich genommen wird. Um die Beklemmung zu steigern, haben wir auf der Seite des Verfolgers natürlich auch Elemente benutzt, die Stalker tatsächlich verwenden, entsprechende beobachtende Perspektiven gewählt etc.
Beobachtet zu werden, ist ein anonymes Gefühl. Wenn man dem nicht entrinnen kann, ganz egal wo man ist, dann ist das umso bedrohlicher. Kein Ort erscheint mehr sicher, man ist quasi ein öffentliches Wesen ohne Schutzzone. Was nicht greifbar und somit auch nicht vorstellbar ist, macht umso mehr Angst. Gleichzeitig ist das Thema Stalking hier ja eingebettet in einen Tatort-Plot. Neben diesem Motiv gibt es auch noch andere Spannungselemente, die miterzählt werden. Es kam also auch darauf an, das Gleichgewicht zwischen der Atmosphäre des Stalkings und dem Krimi herzustellen. Das, was ich die Spannungsökonomie nenne, also die Dosierung und der richtige Zeitpunkt für die Spannungselemente, das macht ja beim Kriminalfilm auch einen Großteil der Aufgabe aus, neben dem Atmosphärischen.

Lena Odenthal engagiert sich mit persönlichem Einsatz für Rike, ist das eine typische Lena-Handlungsweise?
Das hat eigentlich auch ein wenig mit der Rechtslage zu tun. Eine Frau wie Rike Hoffmann ist schwer zu schützen, weil es wenig Handhabe gegen den Verfolger gibt und auch die Polizei für solche Fälle nicht genügend Beamte hat. Und bis dato war die Rechtslage auch eher vage, so dass praktisch ein Angriff erfolgt sein musste, damit die Polizei eingreifen konnte. Deshalb greift Lena Odenthal in gewisser Weise zur Selbsthilfe. Sie ist ja tendenziell eine Kommissarin, die sehr engagiert an ihre Fälle herangeht, und so bringt sie hier neben ihrer Ermittlungsarbeit Rike Hoffmann in Sicherheit. In vermeintliche Sicherheit allerdings, denn genau dieser Ort, die Privatwohnung der Kommissarin, erweist sich als Ort der Bedrohung. Für Rike ist damit die maximale Verunsicherung erreicht, wenn selbst das keine gesicherte Zone mehr ist, wo kann sie dann noch hin? Wenn sie kopflos wegläuft, will sie nur noch, dass alles vorbei ist, und sei es, dass sie dafür vor ein Auto läuft, was ja fast ein bewusster Akt ist.

Warum haben Sie sich für Annett Renneberg als Rike entschieden?
Annett Renneberg musste eine junge Frau spielen, die geschädigt ist, die sich zurückzieht und mutlos geworden ist, mit der wir uns aber auch identifizieren und die wir schützen wollen. Wie sehr gleitet die Figur in die Depression ab, wie aktiv zeigen wir sie noch und wie verletzt muss sie trotzdem sein. Das war Gratwanderung, für die Annett Renneberg die Richtige ist, finde ich. Sie macht uns verständlich, wie es ist, in die Ecke gedrängt zu sein.


SWR-Pressemappe


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