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"Blutdiamanten"

Was wertvolle Edelsteine und grausame Bürgerkriege miteinander zu tun haben

Unter "Blutdiamanten", auch "Konfliktdiamanten" genannt, versteht man wertvolle Edelsteine, die aus Konfliktgebieten stammen und deren Handel auf Grund von UN-Embargos illegal ist.


Blutdiamanten aus Sierra Leone, Bild: Amnesty International
Über Umwege werden die Diamanten ins Ausland exportiert. In einem blutigen Tauschgeschäft werden im Gegenzug todbringende Waffen importiert, mit denen sich Rebellen sowie Regierungstruppen für viele Bürgerkriege in Afrika ausstatten. Durch diesen illegalen Handel werden die Kämpfe für viele Beteiligte aus ökonomischer Perspektive erst attraktiv - der Diamantenschmuggel boomt.

Angola, Kongo und Sierra Leone verfügen über beträchtliche Diamanten-Ressourcen, doch die Bevölkerung profitiert von diesem Reichtum nicht. Zum Teil schon seit 30 Jahren gibt es heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen. Die Weiterführung dieser Auseinandersetzungen werden mit Rohstoffen finanziert - die blutigsten von ihnen mit Diamanten.

Illegaler Diamantenhandel kann Kriege erheblich verlängern

Die Studien-Ergebnisse vieler Organisationen belegen, dass "Blutdiamanten" Kriege und Massaker erheblich verlängern können und die Menschen in Not und Elend stürzen.

An dem Geschäft mit denn wertvollen Rohstoffen des Kontinents - neben Diamanten vor allem Öl, aber auch Gold, Kupfer, Kobalt oder Coltan - sind sowohl Widerstandskämpfer als auch korrupte Regierungen und international arbeitende Schmugglerbanden beteiligt. Da die Diamanten wegen UN-Embargos oftmals nicht direkt aus den Krisenregionen exportiert werden können, findet ein Transfer in offiziell unbeteiligte Nachbarländer wie Uganda, Ruanda oder Liberia statt. Obwohl diese Länder derartige Bodenschätze überhaupt nicht besitzen, treten sie dann als Diamantenexporteure auf und übernehmen die Funktion von Transitländern, durch die Konfliktdiamanten auf den Weltmarkt geschleust werden, der davon überschwemmt wird.

Minenarbeiter in der DR Kongo 2004; Bild: Kadir van Lohuizen/medico-international.de

Anteil am weltweiten Diamantenhandel höher als offizielle Angaben aussagen

Die Diamantenindustrie gibt als Richtwert an, dass weniger als 4 Prozent aller weltweit geförderten Diamanten Konfliktdiamanten sind. Dieser Wert gilt allerdings nur für die Diamanten der Rebellen und berücksichtigt nicht die Diamanten der Regierungen, die ja auch den Krieg damit finanzieren. Experten schätzen die Anzahl von Konfliktdiamanten am weltweiten Handel daher weitaus höher ein.

Man vermutet, dass z.B. der Bürgerkrieg in Angola längst beendet wäre, wenn das Land nicht ein so hohes Diamantenvorkommen hätte. Zwischen 1992 und 1998 sollen allein Rebellen der UNITA Diamanten im Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar abgesetzt und größtenteils in den Kauf von Waffen investiert haben.

UN-Resolution und "Kimberley-Abkommen"

Lange Zeit haben viele Menschenrechtsorganisationen vergeblich auf die Situation um die Blutdiamanten hingewiesen. Doch als der grausame Krieg in Sierra Leone im Mai 2000 eskalierte und "Blutdiamanten" zum Thema auf den Titelseiten der Weltpresse wurden, konnten die Vereinten Nationen (UNO) nicht mehr an dem Problem vorbeisehen.

Im Jahr 2000 wurde eine Resolution verabschiedet, die den Export von Diamanten aus Krisengebieten wie Angola oder Sierra Leone verbietet und wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Handel mit Blutdiamanten vorsieht.

Ende 2002 wurde zusätzlich das so genannte Kimberley-Abkommen von Produkt- und Konsumentenländern, Industrie und Nichtregierungsorganisationen auf Initiative Südafrikas in den Gang gesetzt. Damit verpflichten sich mittlerweile weltweit 45 Export- und 15 Import-Länder (darunter alle westeuropäischen Staaten, die USA und Kanada), die das Abkommen ratifiziert haben, keine Konfliktdiamanten mehr zu handeln.

Was bringen Herkunftszertifikate?

Der Vertrag sieht fälschungssichere Herkunftszertifikate jedes auf den Markt kommenden Rohdiamanten vor, die dadurch identifizierbar sein sollen. Der Erfolg dieses Systems steht jedoch in Frage, da diese Selbstverpflichtungen weder bindend noch problemlos einer unabhängigen Kontrolle zu unterziehen sind. Wie leicht es nach wie vor ist, mit Konfliktdiamanten zu handeln, zeigen die Recherchen zweier ARD-Reporter, die für eine Dokumentation Diamanten im Nordosten Angolas waren und mit versteckter Kamera vorführten, wie sie selbst illegale Diamanten erwerben konnten.

Diamantenhandel in Antwerpen, Bild: lupenreine-diamanten.com

Schlagwort "Friedensdiamant"

Die Diamantenindustrie ist gezwungen ihre Arbeit stark zu verändern und tut dies auch - wenn auch im Zeitlupentempo. Die neuen Schlagwörter heißen "Friedensdiamant" oder "Diamant für Entwicklung". Ein südafrikanisch-britischer Diamantenkonzern, Branchenführer De Beers, zum Beispiel gab bekannt, dass er sich aus Angola zurückziehen wolle und wirbt seit 2000 mit "konfliktfreien Diamanten".

NGOs fordern Überwachungsmechanismus und Sanktionen

Menschenrechtsorganisationen fordern aus diesem Grund einen geregelten und effektiven Überwachungsmechanismus und Sanktionen bei Verstößen gegen das Abkommen.

Nach Angaben De Beers machten "Konfliktdiamanten" im Jahr 2000 3,7 Prozent des weltweiten Rohdiamantenumsatzes aus. Bei einem jährlichen Gesamthandelsvolumen von 7,5 Milliarden Dollar entspricht das 280 Millionen Dollar.

Selbst Usama Bin Ladens al-Qaida soll so vom illegalen Diamantenhandel in Liberia und Sierra Leone profitiert haben. Nach Schätzungen des Zusammenschlusses der internationalen Diamantenindustrie ("Diamond High Council") hat die Gruppe rund 20 Millionen US-Dollar durch Diamantenkauf gewaschen.

Zwischenstation Antwerpen

Die Diamanten finden über die Schleiferhochburg Antwerpen ihren Weg bis in die Auslagen der europäischen und amerikanischen Juweliere, wo sie für viel Geld verkauft werden, ohne dass die Länder, aus denen sie stammen, den geringsten Nutzen davon haben.

Tobias Goltz / Januar 2006


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