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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Klischees und Sinnlichkeit

Regisseur Christopher Stark braucht für einen spannenden Weihnachts-Tatort: Ein äußerst wertvolles Gemälde, eine Kunstgalerie, in der so einiges nicht stimmt, einen Kunsträuber, dem keine Frau widerstehen kann und zuletzt ein naives und hoffnungslos romantisches Mädchen, das bei der kleinsten Verliebtheit eine Unmenge krimineller Energie entwickelt.

Pathologe Dr. Wemut (Benjamin Morik, re.) holt sich Rat bei Perlmann (Sebastian Bezzel, li.), dem Frauenversteher. Bild: SWR

Ein Kunstraub mit Folgen...

Im Konstanzer Kunstmuseum wird ein Bild von Lucas Cranach gestohlen. Der Restaurator des Museums liegt erstochen neben dem leeren Rahmen. Schnell fällt der Verdacht auf Jan Reuter, Assistent und heimlicher Geliebter der Museumsleiterin Doris Koch, der nebenbei als professioneller Kunstdieb arbeitet. Kai Perlmann, Assistent von Hauptkommissarin Klara Blum, sieht Reuter vom Tatort flüchten - und nur knapp einer Festnahme entwischen. Doch ist der Kunstdieb auch der Mörder?

Das perfekte ?Opfer?

Bei seiner Flucht verlässt sich Reuter vor allem auf das, was ihn neben seinem ungewöhnlichen Beruf besonders auszeichnet: Auf seine Wirkung auf das weibliche Geschlecht.
Er läuft absichtlich in das Auto von Birgit Winkler, besteht darauf, nicht ins Krankenhaus gefahren zu werden und lässt sich stattdessen in Birgits kleiner Wohnung verarzten. Birgit scheint das perfekte ?Opfer? für Jan Reuters Vorhaben zu sein. Auch als ihr klar wird, dass Reuter wegen eines Verbrechens gesucht wird, behält sie ihn in ihrer Wohnung, versteckt ihn sogar vor der Polizei. Dem Zuschauer ist schnell klar: Birgit ist Reuters Charme erlegen, sie hat sich in ihn verliebt.

Museumsdirektorin Doris Koch (Petra Morzé, li.) ist ziemlich außer Fassung. Sie hat ihren Kollegen erstochen aufgefunden. Sie versucht Klara Blum (Eva Mattes, re.) zu überzeugen, dass ihr Assistent keinesfalls der Mörder gewesen sein kann. Bild: SWR

Ein überstrapaziertes Klischee

Birgit ist eine von diesen Frauen, die alles für ihre Geliebten tun. Aus diesem Grund hilft sie Jan Reuter auch an Geld zu kommen. Sie entwischt Klara Blums Assistenten Perlmann durchs Badezimmerfenster und geht über die Schweizer Grenze nach Zürich in Reuters Wohnung, in der er Bargeld und Kunstschätze hortet. Klara Blum ist ihr jedoch eng auf den Fersen: Zusammen mit einem Schweizer Kollegen verschafft sich die Kommissarin Zugang zu Reuters Wohnung und bringt die darin herumstöbernde Birgit Winkler in Bedrängnis. Spätestens ab diesem Punkt überschreitet Birgit die Grenze zur Kriminalität: Um aus Reuters Wohnung zu entkommen, schlägt sie den Schweizer Polizisten nieder und flüchtet mit dessen Fahrrad.

Mit der Figur Birgit Winkler wird das Klischee des armen, naiven Mädchens, das immer auf den Falschen reinfällt und sich für diesen sogar kriminalisiert, ziemlich überreizt. Richtig plausibel wird dem Zuschauer nicht, warum sich Birgit für einen Kunstdieb, den sie erst seit 24 Stunden kennt, in solche Gefahr begibt. Hier werden romantische Bonnie-und-Clyde-Vorstellungen etwas stark strapaziert.

Von Anfang an hat Birgit Winkler (Brigitte Hobmeier, re.) Jan Reuter (Harald Schrott) geglaubt, dass er zwar ein Dieb, aber kein Mörder sei. Kunstdieb hin oder her - sie hat sich in ihn verliebt. Bild: SWR

Sinnliche Ästhetik statt Figurenentwicklung

Die Schwächen der Story werden allerdings mit sehr sinnlichen Verfilmung wieder wettgemacht:
Kunst ist das Thema dieses Tatorts und dies wird auch in der Bildlichkeit des Films widergespiegelt. Wenn beispielsweise Birgit den vermeintlichen Mörder Jan Reuter mit ihren ausdrucksstarken Augen betrachtet, glaubt man ein Abbild von Cranachs Madonna vor sich zu haben.
Auch wenn die Storyentwicklung die Liebesgeschichte zwischen Jan und Birgit nur bedingt glaubhaft macht, die Darsteller Brigitte Hobmeier und Harald Schrott spielen das Sichverlieben sehr sinnlich und überzeugen den Zuschauer auf dieser Ebene. Ein spannender und vor allem ein ästhetisch überzeugender Tatort ? das Lächeln der Madonna.


Rebecca Hügler


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