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Heute ist der: 21.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Wir werden komplett durch die Emotionalität gejagt"

Interview mit Oliver Mommsen

Stedefreund, Karlsen und Lürsen beim Training. Bild: RB
Während eines halben Jahres wurden drei TATORT-Filme relativ schnell hintereinander gedreht. Inwieweit spielt das für die Figur Stedefreund eine Rolle, so viele Filme nacheinander gemacht zu haben?

Esther Zimmering, die im TATORT 'Scheherazade' die Hauptrolle gespielt hat, sagte, dass es Spaß gemacht habe, mit uns zu spielen, weil wir schon unsere Figuren haben. Das heißt, man macht sich keine Gedanken mehr über Grundverhaltensweisen, die sind einfach da. Umso spann-ender ist es, dass man dann in die verschiedensten Situationen geschickt wird. Beim TATORT 'Scheherazade' hab? ich mich verknallt und wollte gleichzeitig noch den 11. September aufklären, beim TATORT 'Todesengel' suchen wir die Nadel im Heuhaufen. Jeder, der uns über den Weg läuft, könnte der Täter sein. Es geht um einen Menschen, der sich auf Häuser stellt und wildfremde Menschen abknallt. Wo soll man da ansetzen? Und jetzt im TATORT 'Requiem' geht es um mehrere Fälle, wir werden einmal komplett durch die Emotionalität gejagt. Es passieren Geschichten, die nicht nur mit dem Fall zu tun haben, sondern die unser Privatleben betreffen. Da geht es dann, und das mochte ich schon so beim TATORT 'Scheherazade', um diesen privaten Aspekt der Figur ? also nicht nur um den Ermittler, der logisch denkend Indizien sammelt, miteinander vergleicht und versucht, irgendwo eine Spur zu finden, sondern auch darum, dass zu diesem ganzen Mechanismus, der Tagesgeschäft ist, noch persönliche Empfindungen, Frust, Wut, Trauer, Verzweiflung und Liebe kommen. Und das ist dann natürlich noch mal ein großer Spaß für einen Schauspieler. Es gibt Requisiten-Schauspieler, die mögen unheimlich gern mit Requisiten spielen, und nebenbei läuft der Text. Und so ist es bei uns auch, da fängt man langsam an als Ermittler nebenbei die Arbeit zu machen, aber darüber liegt die Emotion. Die kann dann entweder dagegen laufen oder mitlaufen, das sind dann zwei Spuren, die gleichzeitig ablaufen. Und das ist natürlich eine größere Herausforderung und damit auch ein noch größerer Spaß.

Hilft die höhere Taktzahl besser am Ball zu bleiben?

Die letzten beiden Filme wurden von Thorsten Näter inszeniert, da reden wir sowieso von einer enorm hohen Taktzahl. Man bereitet sich vor in seinem Kämmerchen, hat die Szene vor sich und lässt sie vor dem inneren Auge ablaufen. Und bei Thorsten ist es eigentlich jedes Mal so, wenn man ans Set kommt, dass man sich das Ganze viel zu gemütlich vorgestellt hat. Er spult einen dann immer noch mal auf Schnelllauf und sagt: ?Die Geschichte ist so, es ist das passiert und das passiert und das passiert ? du hast jetzt nicht die Ruhe, diesen Menschen souverän zu verhören.? Ich möchte ja zum Beispiel in einem Verhör als Schauspieler den Typen vor mir sehr souverän auseinander nehmen und das Ganze führen und in der Hand haben. Aber Thorsten treibt einen aufgrund der Sachen, die vorher passiert sind und der Dynamik, die der Film bis jetzt hatte, zu Höchstgeschwindigkeit. Das verlangt dann schnelles Denken, schnelles Sprechen, schnelles Handeln ? das ist dann wie ein Hundert-Meter-Sprint.

Die Gefahr, dass Routine bei einem solchen Dreh aufkommt, scheint also nicht gegeben zu sein?

Nein. Der Dreh erfordert, gerade auch mit Thorsten, eine enorme Konzentration. Es passiert auch häufig, wenn mehrere Takes gemacht werden oder ein Take bis zu einem gewissen Punkt genommen und dort noch mal neu angesetzt wird, dass man bei dem Tempo ?aus der Kurve rutscht?. Aber es ist Thorsten lieber ?aus der Kurve zu fliegen?, weil dann schon mal die Grundenergie da ist und dann noch mal anzusetzen, als die Sache vorsichtig durchzuziehen. Da ist mit Routine überhaupt nichts. Da bist du meistens dir selber noch einen Schritt weit voraus.

Hilft Ihnen der Bremer TATORT mittlerweile, andere Rollenangebote zu bekommen?

Ja, ich denke, die Präsenz ist im Moment schon ziemlich gut. Wir waren mit zwei jeweils hervorragend besprochenen und von enorm vielen Menschen gesehenen Filmen im Fernsehen. Jetzt folgt mit dem TATORT 'Requiem' der dritte. Der TATORT hat allgemein einen ziemlichen Standard ? wir sind mit 'Scheherazade' zum 600. TATORT ausgewählt worden. Womit könnte ich eine bessere Präsenz bekommen? Ich habe vorher Krankenhaus-Serien gemacht. Die hatten vielleicht eine größere Regelmäßigkeit, aber das Publikum, das den TATORT guckt und die Akzeptanz innerhalb der Branche ist weitaus höher, und das ist ein Riesenvorteil. Der Umgang mit längeren Texten und das permanente Arbeiten vor der Kamera haben mich auch sicherer gemacht ? das alles ist eine enorme Schulung, die ich nirgendwo anders so bekommen hätte. Und es kommen Leute vorbei, die großartige, virtuose Facharbeiter sind ? abgesehen vom menschlichen. Unter tollen Bedingungen schöne Produkte herstellen, das kann nur gut sein. Die Bücher entwickeln sich immer weiter, Stedefreund kann immer mehr Facetten zeigen. Der Typ ist eben nicht stereotyp, er wird in alle möglichen Geschichten geschickt. Da hab? ich noch genug herauszuholen und zu finden. Abgesehen davon werd? ich den Teufel tun, hier aus Bremen abzuhauen ? das macht einfach zu viel Spaß. Und im Oktober geht?s wieder los.

RB-Pressemappe


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