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"Berg- und Talfahrt der Emotionen"

Einen psychopathischen Serienkiller zur Strecke zu bringen, das ist normalerweise, also in Hollywood, eine Sache für die ganz harten Jungs wie, sagen wir, Bruce Willis. Da können heimische Kommissare nicht mithalten. Aber im deutschen Krimi gibt es auch kaum Mörder, die mit der Exaktheit eines Pathologen und dem ästhetischen Anspruch eines bildenden Künstlers morden. Hier regieren noch die klassischen, die niederen Motive. Für die wenigen Ausnahmen von den TV-Krimi-Regeln sind die Bremer TATORT-Macher zuständig.

Geradezu visionär, was da seit Jahren an Plots kreiert wird. Inga Lürsen musste in "Abschaum" in der Satanisten-Szene ermitteln, sich in "Scheherazade" mit einer kruden 11.-September-Verschwörungstheorie auseinandersetzen oder in "Todesengel" einen "Sniper" dingfest machen. In "Requiem", einem TATORT von 2005, der nun im allgemeinen EM-Trubel im Ersten wiederholt wird, geht Autor und Regisseur Thorsten Näter erzählerisch wie filmisch weiter denn je.

Inga Lürsen wird in "Requiem"entführt, Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Ein Fernsehkrimi, der vieles zu bieten hat

Näter, der unter anderem bereits die Bremer TATORTe "Todesengel" und "Abschaum" in Szene setzte, schickt seine Protagonisten mit teils atemberaubender Rasanz durch die futuristische Kulisse des Bremer "Space Park". Auf der 26 Hektar großen Freizeitanlage entstand ein Fernsehkrimi, der tatsächlich vieles zu bieten hat, was einschlägige Spielfilm-Produktionen aus den Staaten auszeichnet: einen Psycho-Killer, ein ebenso irres Tempo, eine beeindruckende Bildsprache, jede Menge Spannung und sogar ein bisschen Action. Typisch Fernsehkrimi-deutsch ist leider nur, dass den Dialogen und der Geschichte jeglicher Witz abhanden geht und die "Berg- und Talfahrt der Emotionen" (O-Ton Näter) mitunter arg verkrampft wirkt.

Inga Lürsen muss nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch um das ihrer Tochter kämpfen Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Ein ganz normaler Kriminalfall?

Es geht los wie eigentlich immer im TATORT: mit einem Mord, der aussieht wie ein ganz normaler Kriminalfall. Die Leiche eines Geschäftsmannes wird gefunden, einen Verdächtigen haben die Ermittler auch schnell: Der Bruder des Opfers hat ein Motiv und kein Alibi. Lediglich Inga Lürsen bohrt weiter und bringt sich dadurch in tödliche Gefahr.

Der wirkliche Täter räumt die Hauptkommissarin aus den Weg: Sie fliegt bei einer gewaltigen Explosion in die Luft, als sie in den Dienstwagen steigt. Inga Lürsen tot? Fast hätte man's geglaubt, zumal man auch noch Stedefreund und Ingas Tochter Helen bei der Beerdigung am Grab weinen sieht.

Der Anschlag wurde jedoch vom Killer nur perfekt inszeniert. Tatsächlich hat er Inga, von der er fasziniert ist, in die High-Tech-Welt des "Space Park" entführt, um ihr dort seine Macht zu demonstrieren. Für die Polizei und den Rest der Welt, scheint der Fall abgehakt, nur Stedefreund und die frischgebackene Polizeianwärterin Helen haben erst leise und bald immer stärkere Zweifel und beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Doch der eiskalte Täter, der sich für ein Genie hält, hat auch das in sein perfides Spiel einkalkuliert ...

Inga Lürsen im Space-Park, Bild: RBB/RB/Jörg Landsberg

Sehr ambitioniert und durchaus gelungen

Der RB-TATORT-Tradition verpflichtet, immer ein bisschen über die Genregrenzen hinaus zu agieren, hat Näter zumindest zwei ziemlich verrückte Dinge getan: Zum einen lässt er die Heldin zu Grabe tragen und bald darauf "auferstehen", zum anderen hat er in der "Space-Park"-Szenerie für eine unwirkliche Atmosphäre gesorgt, die an die Sterilität eines Raumschiffes erinnert. "Unser Stichwort war immer "lost in space", erklärt der Regisseur, der die blonde Kommissarin, um diese Effekte zu verstärken, mal im roten Kleid, mal im strengen weißen Hosenanzug gefilmt hat. Nach ihrem vermeintlichen Tod erscheint Inga Lürsen dem Zuschauer gar als grell illuminierte "Lichtgestalt" wieder. Sehr ambitioniert und durchaus gelungen - nur hatte man damals, 2005, gerade im Blockbuster "Die Insel" auf großer Leinwand beeindruckend vor Augen geführt bekommen, wie eine derartige Sci-Fi-Ästhetik in richtig teuer aussehen kann ...



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