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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Todesbrücke

Tödliche Steinwürfe auf der Autobahn

?Kinderspiele?, - so der Arbeitstitel ? die tödlich enden. Oder trügt hier der Schein?

Bild: RBB

Tragischer Unfall oder Mord

Ritter und Stark auf der Autobahn. Stark verursacht um ein Haar einen schweren Unfall, als unerwartet plötzlich eine Wasserbombe auf die Windschutzscheibe klatscht. Verursacher sind drei Kinder, die sich einen Spaß daraus machen, Wasserbomben von einer Brücke zu werfen. Sie sind jung genug, um sich über die möglichen Folgen nicht im Klaren zu sein.

Kurze Zeit später geschieht an gleicher Stelle ein tödlicher Unfall ? ein großer Stein wird von der Brücke geworfen und trifft den Wagen von Thomas Francke.

Sind die Täter dieselben Jungen? War es ein außer Kontrolle geratener Streich oder gezielter Mord? Ritter und Stark verdächtigen zunächst die Kinder, ermitteln aber in alle Richtungen.


Bild: RBB

Viele Spuren ? viele Verdächtige

Francke hatte als Insolvenzverwalter einen Beruf, der keine Freunde macht. Seine hochschwangere junge Frau weiß nichts über seine beruflichen Aktivitäten. Sie sollte damit nicht belastet werden.

Verdächtige gibt es schon nach kurzer Zeit genug. Der Inhaber der insolventen Spedition Meier ? Hofer versucht mit allen Mitteln, seinen Betrieb zu erhalten. Er sucht einen neuen Investor.

Außerdem gibt es da noch einen äußerst unangenehmen Zeitgenossen: Franckes Nachbar Reling (überzeugend ekelhaft: Herbert Trattnigg), ein juristisch sehr gewiefter Querulant, ist nicht nur arbeitslos, nein, er muss auch seine Wege mangels Führerschein per Fahrrad zurücklegen. Für beides ist indirekt Francke verantwortlich. Nicht nur kam er mit ihm als Kollegen bei der Insolvenzverwaltung Moggenhauer nicht zurecht, er war es auch, der Reling wegen Geschwindigkeitsübertretung anzeigte. Vor Relings Haus finden sich Steine, die der Tatwaffe gleichen.

Diese Steine finden sich ebenfalls auf dem Schulweg der drei Jungen. Ein ?Kinderspiel? war der Mord an Francke schließlich definitiv nicht, denn es geschieht ein zweiter Mord an gleicher Stelle und die Jungen haben ein sicheres Alibi ? sie befinden sich zur Tatzeit in Polizeigewahrsam. Das Opfer ist eine weitere Mitarbeiterin der Firma Moggenhauer. Sie hinterlässt zwei kleine Kinder und einen geschiedenen Ehemann (Florian Martens), der nun durch ihren Tod schließlich Zugang zu seinen Kindern bekommt. Wohl hätte er ein Motiv, seine Frau zu ermorden, nicht aber Francke. Gegenüber Franckes junger Witwe verhält er sich gut nachbarschaftlich. Er spricht ihr sein Mitgefühl aus.


Bild: RBB

Traurige Kinder ? verzweifelte Väter

Kinder sind ein ständiges Hintergrundthema in diesem Tatort. Stark, der große Probleme mit seiner Exfrau hat, weil sie mit dem neuen Lebensgefährten und Sohn in den Urlaub fahren möchte, ist bestürzt bei dem Gedanken, dass jemand so weit gehen könnte, seine geschiedene Ehefrau zu ermorden, weil sie ihm die gemeinsamen Kinder vorenthält. Gleichzeitig entwickelt er Verständnis für solches Verhalten, denn er ist in starker Bedrängnis, da zu allem Überfluss seine Mutter im Urlaub ist und er gleichzeitig versucht ein Kindermädchen für seinen Sohn zu finden, aber auch selbst seinen Vaterpflichten nachkommen möchte. Er fürchtet seinen Sohn an die neue Familie, die seine geschiedene Frau gründet, zu verlieren. Ritter begegnet diesem Problem zunächst mit Unverständnis und Flapsigkeit, so dass es zu Streit zwischen den beiden Ermittlern kommt, greift dann aber im entscheidenden Moment helfend ein.

Ganz deutlich wird das Thema Verlust und Verantwortung im Zusammenhang mit Kindern durch den geschiedenen Ehemann des zweiten Opfers Herrn Bohrmann. Dieser kämpft verzweifelt um das Recht, mit seinen Kindern Kontakt haben zu dürfen, den ihm Sybille Bohrmann mit der Begründung, er leide unter Depressionen, verweigert hat. Zweifach wird so der Konflikt geschiedener Väter, die um ihre Kinder kämpfen, dargestellt ? ein gemeinsames Problem des Ermittlers Stark und des Tatverdächtigen Bohrmann.

Dem entgegen steht das Bild der heilen glücklichen Familie Francke. Das Ehepaar Francke ist zunächst offenbar voller Glück in Erwartung der Geburt des ersten Kindes, doch da stirbt der werdende Vater. Für die junge Witwe, sehr authentisch gespielt von Isabella Parkinson, bricht die ganze Welt zusammen. Sie ist völlig verzweifelt und kann es nicht fassen.

Dass Kinder auch sehr problematisch sein können, zeigt sich an den drei Jungen, die zunächst verdächtigt werden. Sie bauen Wasserbomben und werfen sie von der Brücke, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Das Problem der Gewalt unter und von Kindern und Jugendlichen wird hier jedoch nur angerissen. Es wäre auch übertrieben, dies auch noch auszuführen.


Bild: RBB

Ein spannender Fall ? eine überraschende Auflösung

Auch die Komik kommt in diesem spannenden Krimi nicht zu kurz. Etwas abgedroschen wirkt Ritters Reaktion auf die zahlreichen sich vorstellenden potentiellen Kindermädchen ? man kennt ihn ja bereits als Schürzenjäger.

Wirklich amüsant jedoch ist der gemeinschaftliche Versuch der kompletten Belegschaft der Mordkommission, herauszufinden, ob ein bestimmtes Auto beziehungsweise dessen Fahrer/in von einer Brücke gezielt getroffen werden kann. Das Ergebnis gibt einen entscheidenden Hinweis, doch den Täter findet Stark schließlich per Zufall heraus und stellt dabei fest, wie nahe er selbst an einem persönlichen Abgrund steht.

Christine Hartmann (Regie) und Frauke Hunfeld (Buch) ist hier ein spannender Film gelungen, der einen interessanten Kriminalfall zum Anlass nimmt, psychologische und menschliche Abgründe aufzuzeigen. Fein gezeichnet sind die Charaktere und deren Konflikte, ohne dass dabei die eigentliche Krimihandlung und deren komplizierte Auflösung zu kurz käme. Es kommt alles vor, was einen guten Krimi ausmacht: mehrere Verdächtige, verschiedene mögliche Motive, im Dunkeln tappende Ermittler, deren Zusammenspiel in dieser Folge gerade wegen ihres Konfliktes besonders überzeugt, ein Chef, der unter Druck der Öffentlichkeit steht und nicht zuletzt durchgängig etliche gut in Szene gesetzte Hinweise, die der Zuschauer zunächst nicht deuten kann und soll.

Man folgt den Ermittlern auf ihren verzwickten Wegen durch diesen zunächst so einfach erscheinenden Fall und wundert sich am Schluss, dass man nicht früher auf die Lösung gekommen ist. Sehenswert.


Ulla Sommer


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