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Heute ist der: 21.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Blütenträume

Der betrogene Betrüger

In „Blütenträume“ von 1983 steht erneut das Geld im Vordergrund - diesmal gefälschtes. Die Polizeiarbeit findet in diesem Krimi quasi nicht statt, auch verzichtet der Krimi auf den obligatorischen TATORT-Mord.



Im Kleinganoven-Krimi Blütenträume muss Kommissar Bergmann anfangs in einem Fall schwerer Körperverletzung ermitteln. Das Opfer ist ein Gangster, der einem Unbekannten einen Koffer mit falschen Dollarnoten abzujagen versuchte. Außerdem wollen auch andere Gangster an das Falschgeld. Dem Unbekannten gelingt es schließlich, die Dollarnoten zu verkaufen. Dabei wird er aber mit deutschem Falschgeld bezahlt. Dies bringt Bergmann auf die Spur von Harry Rohwedder, einem Seemann, der gerade aus New York gekommen ist. 

Als Harry Rohwedder per Schiff in Hamburg ankommt, versucht er die falschen Dollar-Noten zu verkaufen, Bild:HR

TATORT Frankfurt: Geld spielt die Hauptrolle

Für den TATORT aus der Bankenmetropole Frankfurt war dieses Thema geradezu prädestiniert, hatte die Redaktion doch schon in der Vergangenheit immer wieder Geschichten rund ums Thema Geld (oder Gold) filmisch umgesetzt: Bankraub in Zwei Flugkarten nach Rio, Geldtransporterüberfall in Kennwort Gute Reise oder Flieder für Jaczek, Erpressung oder Entführung von Industriellen in Zürcher Früchte, Schattenboxen oder Eine todsichere Sache oder Betrug mit falschen Goldbarren im Erstling Frankfurter Gold. Mord spielte im Frankfurter TATORT anfangs weniger oft ein Rolle als in TATORTen anderer ARD-Anstalten. So verzichtet der TATORT in Blütenträume auf den obligatorischen Mord und eine dominante Ermittlungsarbeit der Polizei.

Der Film greift das 1982 sehr aktuelle Thema Geldfälscherei auf. Die Presseunterlagen des TATORTs waren dann auch mit zahlreichen Zeitungsmeldungen aus Tageszeitungen oder dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL gespickt und zeichneten Blütenträume als Fall mit aktuellem Bezug. 

Bergmann und sein Assistent kommen den Blüten durch eine Schlägerei in Niederursel auf die Schliche.... Bild:HR

"Stiller und humorvoller Krimi"

HÖRZU sah den TATORT damals positiv: „Für den kleinen Ganoven ist das Falschgeld-Ding eine Nummer zu groß. Er verstrickt sich hoffnungslos. So weit, so banal. Wie Harry dennoch versuchte, sein privates Glück zu retten und zu verzweifelten Lügen griff, war beklemmend gut.“ Positiv wurde auch der Auftritt des Österreichers Heinrich Schweiger als schillernder Fälscher-Gangster Neumeier erwähnt. Der Sender selbst bezeichnete seinen TATORT als „einen stillen und humorvollen TATORT, der die Geschichte eines kleinen Mannes mit großen Träumen erzählt, der am Ende als betrogener Betrüger dasteht“.

Die Fans des Krimiklassikers, die alle Folgen in einer Rangliste bewerten und kommentieren, siedeln Blütenträume derzeit auf Platz 663 an. Wesentlicher Kritikpunkt ist die langsame und behäbige Inszenierung, den Plot dagegen wurde von den meisten als gut bewertet. Viele Zuschauer hatten mit dem Antihelden, gespielt von Manfred Zapatka, viele Sympathien – und bedauerten das Schicksal des naiven Matrosen.

Blütenträume zeigt Vielseitigkeit Zapatkas

Für Zapatka war Blütenträume der erste von (derzeit insgesamt) 6 Auftritten in der TATORT-Reihe. Zapatka konnte seine schauspielerische Vielseitigkeit in dem Film unter Beweis stellen: er musste sich in dieser Folge immer wieder verkleiden und in andere Rollen schlüpfen, um sein Falschgeld loszuwerden; sein mieses Amerikadeutsch als Luftwaffenoffizier oder Farmbesitzer aus Kansas belustigt heute eher, als dass es überzeugt. Trotzdem ist der TATORT ein schönes Zeitdokument und sehenswert. Er ermöglicht einen Rückblick in die vergangene Zeit, wo Durchsagen am Frankfurter Hauptbahnhof noch vom „Rosaroten Wochenende“ sprechen oder Prominente wie HR-Produzent und Schauspieler Martin Jente Cameo-Auftritte im Fahrstuhl haben ("Wollen Sie ein Autogramm?"). Damalige Kleidung, Frisuren, Autos und andere Details runden den Blick in das Deutschland Anfang der 80er Jahre ab.


HR-Presseinformation zu Blütenträume von 1983

Moik war in den 1950er Jahre ein Teenager-Schwarm, Bild:HR

Kommissar im Hintergrund

Den Kommissar in Blütenträume spielte Lutz Moik, der nach Schattenboxen seinen zweiten Einsatz als Kommissar Bergmann hatte. Ursprünglich war Moiks Einsatz im Hessen-TATORT als einmaliger Auftritt geplant gewesen. Moik war 1980 von Regisseur Fritz Umgelter für den TATORT engagiert worden. Dem Regisseur Umgelter gefiel an Moik  sein "unverbrauchtes, nicht abfotografiertes Gesicht". Moik war in den 1950er Jahren ein bekanntes Teenager-Idol und ließ die Herzen junger Frauen höher schlagen. Weil er sich in den Folgejahren fast ausschliesslich mit Theaterengagements über Wasser hielt und nur wenige Rollen im Fernsehen bekam, war er vielen Zuschauern nahezu unbekannt.

Und als TATORT-Kommissar dürfte er den meisten Zuschauern auch nicht sehr in Erinnerung geblieben sein, denn sein Auftritt war eher zurückhaltend und fand nahezu im Hintergrund statt – die Figuren der Polizisten hatten in den TATORTen des Hessischen Rundfunks in der Übergangsphase von Kommissar Konrad zu Kommissar Brinkmann in den 1980er Jahren keine große Bedeutung – der Sender legte deutlich mehr Wert darauf, ausgeklügelte und nachvollziehbare Geschichten zu erzählen, die Ermittlerfigur geriet ins Abseits. 

Witt, Zapatka und Schweiger bei einer Probe Bild: HR

Bergmann bleibt stiller Beobachter

Björn Rosche beschreibt den jovialen Ermittler Bergmann in der Enzyklopädie des Kriminalfilms als einen energischen und kompromisslosen Polizisten mit Hang zur bitteren Ironie. Als es ihm mit dem Matrosen Rohwedder aber zu viel wird, schreit Bergmann ihn an: “Gegen deine Geschichten ist ´1001 Nacht` der reinste Tatsachenbericht“. Verständnis hat der Ganove von Bergmann nicht zu erwarten, das bekommt nur der verletzte Taxifahrer im Krankenhaus – dem bringt Bergmann heimlich ein Bier. Der Kommissar löst seine Fälle, so auch in Blütenträume, eher als stiller Beobachter - sehr aktiv ist er bei seinen Ermittlungen nicht. Die richtigen Schlüsse zieht der Kommissar nur, weil der Matrose Rohwedder Fehler begeht. 


Bei der Wanderausstellung des Hessischen Rundfunks (HR) zum TATORT wurde 2002 auch eine Tafel zu Blütenträume erstellt.
Bergmann ermittelt bei dem Juwelier, nachdem Rohwedder dort mit Blüten bezahlen wollte, Bild:HR

Inszeniert wurde Blütenträume von Claus Peter Witt. Für den Hamburger Fernsehregisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Dramaturg blieb das die einzige TATORT-Arbeit; später übernahm er regelmäßig die Regie der Serie „Lindenstraße“. Seine bekannteste Regiearbeit ist  „Die Gentleman bitten zur Kasse“ von 1966. 

Der TATORT erzielte bei seiner Erstsendung einen Quote 48% - absolut waren es 16,92 Mio Zuschauer. Gedreht wurde TATORT im November und Dezember 1982 in Hamburg, Frankfurt und Umgebung. Die Erstausstrahlung fand am 1. Mai 1983 statt. Bisher wurde der Krimi insgesamt 7 mal wiederholt, am 6. Juni folgt im HR-Fernsehen die 8. Wiederholung. 

Francois Werner


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