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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: München

Kommissare ohne Masche, aber mit Haltung: Batic und Leitmayr

Eine Hommage von Walli Müller, Filmkritikerin und "TATORT-Fan"

TATORT "Die Heilige" macht den Anfang im bayerischen TATORT-Herbst: am 3. Oktober Bild: BR/ Kerstin Stelter

Es gibt bei Buddy-Movies wie bei Beziehungskomödien ein todsicheres Rezept: Es muss zusammenkommen, was nicht zusammenpasst. Je gegensätzlicher, je weniger kompatibel ein Paar (scheinbar) ist, desto genialer und (scheinbar) überraschender am Ende die Fusion. Auch viele Ermittler-Pärchen im deutschen Fernsehkrimi funktionieren so: der Familienvater und der ewige Single; der Intellektuelle und der Bodenständige; der Spröde und der Psychologe; der Eigenbrötler und die Leutselige; die Erfahrene und der junge Heißsporn - das gemischte Doppel ist die Normalität im "TATORT", Batic und Leitmayr sind die Ausnahme.

Zwei seelenverwandte Typen, die immer schon gleich getickt und ähnlich gedacht haben, denselben Gerechtigkeitssinn haben und bestens harmonieren. Zwei, die sich auch im privaten Umfeld in derselben Lebenssituation befinden (ungebunden, ohne Familie), die sich auf Augenhöhe begegnen  und deren Freundschaft über fast 20 Jahre gemeinsamer Dienstzeit gewachsen ist. Es mag daran liegen, dass sich Fiktion und Realität in diesem Punkt vermischen; man nimmt es ihnen jedenfalls ab.

Dass diese Konstellation trotzdem nie langweilig wird, liegt an der ihr immanenten inneren Spannung. Batic und Leitmayr vereinen in sich vieles, was eigentlich nicht zusammengeht: Sie sind mitfühlend, aber nicht betroffen; gelegentlich ironisch, aber nie zynisch; erfahren, aber nicht abgebrüht; bayerisch, aber nicht volkstümelnd; keine Machos, aber echte Kerle;  nicht immer nett, aber grundsympathisch;  nicht cool, aber lässig; politisch nicht korrekt, aber mit Rückgrat; nicht unfehlbar, aber doch mit einer untrüglichen Spürnase ausgestattet.

Am 21. November folgt "Unsterblich schön" - der zweite TATORT aus München im bayerischen TATORT-Herbst Bild: BR/ Elke Werner.

Kein anderes Kommissar-Duo ist so wenig festgelegt wie diese beiden. Sie haben keine Masche. Das bringt für die ZuschauerInnen den wunderbaren Luxus mit sich, einschalten zu können ohne zu wissen: Wird man heute über Batic und Leitmayr lachen können, oder wird der Film an die Nieren gehen? Fest steht nur, dass sie einen wieder einmal überraschen werden. Kein anderer "TATORT" variiert so sehr den Erzählton wie der Münchner - von der Krimi-Komödie bis zum Tragikrimi, von der Psycho-Studie bis zum Psycho-Thriller, von der versponnenen Groteske bis zum Sozialdrama, von saukomisch bis todernst. Bester Beweis: Die drei neuen Fälle. Ein brisantes Justizdrama ist dabei und eine Gefängnis-Tragödie, aber auch ein Kammerspiel, das das Thema Schönheitswahn reflektiert.

Ja, Batic und Leitmayr sind zusammen "gereift", aber immer noch ganz nah dran am Zeitgeist. Sie ermitteln nicht im luftleeren Krimi-Raum, sondern im Hier und Jetzt; ihre Fälle reflektieren die gesellschaftliche Entwicklung. Und die Kommissare sind nicht nur Teil dieser realistisch gezeichneten Welt, sondern haben auch eine Haltung dazu. Das ist überhaupt das Beste an den beiden: Sie sind mit den Jahren nicht in Routine erstarrt, sondern leidenschaftlich geblieben. Es platzt ihnen immer wieder mal der Kragen. Sie regen sich da auf, wo man sich selbst auch aufregen würde. Sie lassen sich nicht ein auf Kumpanei mit Halbwelt-Typen, begeben sich auch nicht auf deren Sprach-Niveau. Sie kritisieren sich auch mal gegenseitig, überprüfen die eigenen Anschauungen.

"Nie wieder frei sein" läuft als letzter Film im bayerischen TATORT-Herbst Bild: BR/ Hagen Keller

Vorbilder? Durchaus! Wegen ihres gesunden Menschenverstandes, ihrer Courage, ihrer gelegentlichen Renitenz. Das sind zwei, die einem was mitgeben am sonntäglichen Fernsehabend - ohne zu moralisieren. Sie denken ja auch nur übers Leben nach wie jeder halbwegs wache Mensch und zitieren dabei schon mal Sokrates: "Lieber ein unglücklicher Philosoph als ein glückliches Schwein".

Ihre vielen Facetten, ihre emotionale Bandbreite, ihre zutiefst menschliche Haltung machen diese Jungs so "echt", dass man - sorry, Miro Nemec und Udo Wachtveitl - die Schauspielernamen fast vergisst: Man schaut sonntags einen Furtwängler-, einen Brückner- oder einen Milberg-"TATORT", aber einen mit Batic und Leitmayr?



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