|
|
Unter Frauen
Oliver Mommsen versucht im 20. Bremer Lürsen-TATORT einen Alleingang.
"Mir stellen sie immer eine starke Frau an die Seite", lacht Oliver Mommsen. "Komisch. Auch im Leben." Als TATORT-Kommissar Stedefreund muss er sich Chefin Inga Lürsen fügen, und daheim fragt Töchterchen Lotte schon mal: "Papi, wann arbeitest du wieder?" In der romantischen ARD-Komödie "Woran dein Herz hängt" (Fr., 12.06., 20.15 Uhr) spielt der 40-Jährige an der Seite von Julia Koschitz, und wenn Stedefreund endlich mal den Alleingang wagen darf, dann heißt die TATORT-Folge ausgerechnet "Tote Männer". Aber Mommsen, der gerne in Berlin Kreuzberg lebt (weil New York deutschen Schauspielern leider wenig bietet), fügt sich grinsend in dieses Schicksal und schwärmt im Interview vor allem von Ehefrau Niki und Kollegin Sabine Postel. Außerdem erzählt er, wie er sich wieder in den Grundrechenarten übt, und warum er bald nicht nur als vierter Lürsen-Assi den 20. Bremer TATORT mit ihr feiert, sondern auch "zweimal vierzig plus zweimal sechzig plus eins".
Herr Mommsen, wissen Sie noch, wofür Sie Ihre erste TATORT-Gage ausgegeben haben?
 - "Ich freute mich, als ich las: Stedefreund bekommt eine Geschichte!" - In "Tatort: Tote Männer" darf Oliver Mommsen als Kommissar Stedefreund den Alleingang proben. Bild: Radio Bremen / Sandra Hoever
Bestimmt für Spielzeug. Einerseits für meine beiden Kinder, aber ich mache auch gerne Geschicklichkeitsspiele, wenn ich mich in Hotelzimmern langweile. Es gibt großartige Spielzeugläden in Bremen, da war ich häufig zu finden. Mittlerweile ziehe ich mir eher komplette amerikanische Serien rein. Gerade habe ich die zweite Staffel von "Nip / Tuck" in drei Tagen erledigt. Wir haben so viel Zeit in fremden Städten. Es macht mir zwar viel Spaß, herumzulaufen, aber irgendwann können die Füße auch nicht mehr ... Auch am Set warten wir ja wahnsinnig viel, da muss man zusehen, wie man sich beschäftigt.
Nämlich wie?
Das fing bei mir an mit Stricken ...
Sie haben am Set gestrickt? Mützen, Schals, Pullis?
Beim Dreh zur Serie "Fieber - Ärzte für das Leben" damals, ja. Über den Topflappen ging es aber nie hinaus. Denn jede Kostümbildnerin, die ich bat, für mich eine Masche wieder aufzunehmen, sagte: "Ja, ja klar." Dann bekam ich das zwei Stunden lang nicht mehr zurück, und wieder war ein Pullover fertig ... (lacht). Im Augenblick mache ich Gehirntraining auf einer tragbaren Spielekonsole. Ich bin jetzt 40, habe schon die ein oder andere Party hinter mir und übe mich wieder in den Grundrechenarten.
Messen Sie der 40 darüber hinaus eine besondere Bedeutung bei?
Das Älterwerden an sich macht mir Spaß. Ich fand Pubertät weitaus anstrengender. Mein Sohn ist jetzt elf, da lassen sich die ersten Ausläufer beobachten: Man ist so wahnsinnig beschäftigt mit sich und seiner Wirkung. So um die 37 fing ich dann an, mir zu denken: "Jetzt läuft das schon all die Jahre so, da wird sich wohl nicht mehr viel ändern, akzeptiere es. Bist halt so." Ich kann mich mehr in Ruhe lassen dabei. Und mich trotzdem noch entwickeln, glaube ich. Ansonsten: Ich muss mehr Sport machen! Ich bin ja Schauspieler, und als solcher werde ich nicht unbedingt als Charakterfresse besetzt.
Wie haben Sie Ihren Geburtstag Anfang des Jahres gefeiert?
Das kommt noch! Wir feiern im Sommer 200 Jahre: Meine Schwiegereltern werden dieses Jahr beide 60, meine Frau und ich wurden 40 - wir sind nur zehn Tage auseinander. Da lassen wir die Kuh fliegen. Obwohl wir gerade erst letztes Jahr groß gefeiert haben - da kam dann dieser Ring an den Finger (hält die Hand hoch). Es wird also auch noch eine Feier zum ersten Hochzeitstag!
Sie waren vorher schon lange zusammen - Warum wollten Sie dann doch noch heiraten?
Ich wollte einfach dieses Fest feiern. Ich wollte mit meinen besten Freunden, Verwandten und Geliebten feiern, dass Niki und ich uns gefunden haben, dass wir so tolle Kinder haben ... und irgendwie fehlte das noch. Wir lieben uns seit 13 Jahren und kennen uns, seit wir 18 sind. Die Kennenlerngeschichte ist übrigens auch verrückt ... Wir heirateten nicht aus gläubigem, politischem oder sozialwissenschaftlichem Hintergrund, sondern jetzt ist im Nachhinein die Sache echt rund.
Gab's eine große Zeremonie?
Die Kirche ließen wir aus, aber das Standesamt Berlin Mitte ist so umtriebig, die bespielen auch andere Plätze. Wir waren im Palais am Festungsgraben - das ist Unter den Linden hinter der Schinkelwache. Wir hatten einen Gospelchor und ein ganz kitschiges Lied aus "Romeo und Julia", dem Film mit Leonardo DiCaprio, ausgesucht, weil wir uns geschworen hatten: Einmal müssen alle heulen! Das ist uns gelungen, aber dummerweise war ich der Erste. Außerdem hatten wir vorher den ganzen Tag gefeiert und danach noch den ganzen Tag ... Es war großartig!
 - In der romantischen ARD-Komödie "Woran dein Herz hängt" spielt Oliver Mommsen einen taffen Anwalt an der Seite eines bezaubernden Messies in Gestalt von Julia Koschitz. Bild: ARD Degeto / Christine Schroeder
Und jetzt die verrückte Kennenlerngeschichte, bitte!
Ich war auf dem Internat in Norddeutschland, und mein Stiefbruder Janni war auf einem Internat in Bayern - zusammen mit meiner zukünftigen Frau. Nach dem Abitur schmiss einer seiner Kumpels eine große Party. Irgendwann, leicht verspätet, tauchte dort eine traumhafte Blondine auf, wir wechselten keine zwei Worte miteinander und fielen übereinander her. Dabei blieb's aber erst einmal. Ein halbes Jahr später gab es ein Treffen auf dem Oktoberfest, das ähnlich verlief. Schnitt - zehn Jahre später: eine Party in Berlin. Diesmal hatte ich am nächsten Morgen noch die ketzerische Frage: Willst du noch 'n Kaffee? Dann waren wir noch Frühstücken, im Kino, was essen. Seitdem sind wir zusammen und fühlen uns spitze miteinander.
Großartige Geschichte! Ihre Frau Nikola ist auch im Film- und Fernsehgeschäft ...
Sie hat an der HFF in München Produktion studiert. Toll an Niki (geborene Förg, Anm. d. Red.) ist auch: Dadurch, dass sie die Branche kennt, hat sie großes Verständnis dafür, dass, wenn die Branche ruft, man zuschlagen muss. Ich sagte ihr schon am Anfang unseres Kennenlernens: Es gibt eine Sache, die mir so wichtig ist, dass ich dafür - übertrieben gesagt - fast über Leichen gehe: die Schauspielerei. Allein schon so banale Dinge wie Telefonate am Set! Viele denken, das wäre etwas Glamouröses. Aber wir sind weisungsgebundene Hilfsarbeiter. Wenn es da heißt: "Oliver, wir sind so weit", habe ich innerhalb von zwei Sekunden da zu sein, wo ich hingehöre. Wenn in einem solchen Moment gerade ein Krisengespräch mit der Freundin stattfindet, und man sagt: "Ich muss aufhören" - dann darf sie nicht beleidigt sein.
Zurzeit arbeiten Sie ziemlich viel, haben gerade als Hauptdarsteller "Faktor 8" für ProSieben abgedreht ...
Ja, eine Räuberpistole, bei der ein tödlicher Virus in einem Flugzeug ausbricht. Ich war da in einem Wahnsinns-Cast, freute mich aber vor allem auf André Hennicke. Endlich mal 'n Kerl als Gegenspieler!
Im TATORT "Tote Männer" kommen Sie als Kommissarin Inga Lürsens Assistent Stedefreund diesmal aber auch ganz groß raus ...
Ich freute mich, als ich las: Stedefreund bekommt eine Geschichte! Wir wussten bis dato ja noch nicht einmal, ob er hetero oder homo ist.
Das wäre nun wohl geklärt, da er mit der Tochter seiner Chefin turtelt.
Tja, wer weiß ... (lacht). Ich hatte gedacht: Die geben dir erst kleine Aufgaben, die bewältigst du alle, und nach und nach kommst du auf die gleiche Ebene wie deine Chefin. Bislang war "Scheherazade" mein Lieblings-TATORT, weil Stedefreund darin zum ersten Mal ein bisschen nach vorne kam. Dann las ich das nächste Drehbuch, und ich stand wieder als, ich sage immer: "Lederjacken-Model", im Hintergrund. Ich beschwerte mich böse: "Was soll'n das? Ich habe euch doch gezeigt, dass das klappt! Vertraut mir doch!" - Mir wurde aber unmissverständlich klar gemacht - mit einer sehr lieben Art, das haben die Bremer wirklich drauf -, dass es dabei bleibt: Wir haben ein Assistenten-Gefälle, aus dieser Grundkonstellation beziehen wir auch unser Konflikt-Potenzial. Daran hatte ich eine Zeitlang zu knapsen und machte das auch immer wieder laut.
Mit Erfolg?
Ich habe das Gefühl, seitdem sucht die Redaktion nach Möglichkeiten, wie man beide losschicken kann. Man lässt sie gegeneinander laufen: Bei "Schiffe versenken" ermittelt Sabine zum Beispiel auf dem Schiff, ich bin an Land, zum ersten Mal alleine! Und im 20. TATORT bekomme ich jetzt auch noch die Gelegenheit, mit der Tochter der Kommissarin ins Bett zu springen ... (lacht).
Wie ist die Rollenverteilung hinter den Kulissen? Gehen Sie mit Sabine Postel auch mal ein Bier trinken?
 - "Wir wussten bis dato ja noch nicht einmal, ob er hetero oder homo ist": Aber im TATORT Tote Männer macht sich Oliver Mommsen als Kommissar Stedefreund an die Tochter seiner Chefin ran. Bild: Radio Bremen / Sandra Hoever
Am Set verstehen wir uns blind. Die Chemie stimmte zwischen uns schon beim Casting. Sabine ist ein so integrer Pfundskerl, ein absoluter Team-Mensch, frei von jeglichen Allüren. Das ist sowieso eine große Auszeichnung für die Arbeit in Bremen. Jeder, der dort ankommt, stürzt sich in die Arbeit und lässt den ganzen Quatsch, der sonst gerne mal mit sich rumgetragen wird, außen vor. Status und Ellenbogen erlebe ich da nie. Das geht einerseits vom Sender aus, aber andererseits auch ganz stark von Sabine. Ich als jüngerer, unerfahrener Kollege, der im Film auch statusmäßig unter ihr angesiedelt ist, werde gleichauf behandelt. Aber das Witzige ist: Wir waren noch nie zusammen ein Bier trinken. Wenn es um den TATORT geht, sind wir ein Team, privat gibt es nicht so viele Berührungspunkte. Moment! Sie hat mich einmal mit ihrem Sohn in Kreuzberg besucht ...
Sind Sie stolz, dass der Bremer TATORT schon berühmt dafür ist, gesellschaftlich relevante Themen anzupacken?
Das geht auf das Konto unserer Redakteurin Annette Strelow. Sie kämpft wie ein Tiger um Dinge, die wichtig sind, Themen, die wachrütteln, bei denen neben Unterhaltung am Sonntagabend noch etwas anderes mitschwingt. Gut, ein Freund von mir sagt immer: "Kann bei euch nicht mal einfach nur der Typ die Frau umbringen und keiner darf's wissen?" (lacht). Das wäre nix für Frau Strelow. Bei uns passiert selten was Normales. Wobei die Bremer eigentlich ganz in Ordnung sind ...
|
|
Diese Seite mit anderen teilen:
       
|
DER TATORT-FUNDUS AUF EINEN BLICK
|
|
 |
UNTERSTÜTZUNG
Unterstützen Sie diese Website und tätigen Sie Ihre Einkäufe über unsere Amazon-Partner-ID. Danke.
|
|
|
RANGLISTE
|
|
TATORT-Fans bewerten in der Rangliste alle Folgen und alle Ermittler - Beteiligen Sie sich!
|
|
FORUM
|
|
Diskutieren Sie mit anderen Fans in unseren Foren
|
|