Was ist eigentlich aus dem guten alten Genre der Verwechslungskomödie geworden? Damals, als Namen wie Heinz Erhardt und Peter Alexander noch Straßenfeger waren, man über Millionäre lachte, die sich für arme Schlucker ausgaben und umgekehrt. Am Ende dieser Filme wurde meistens geheiratet. Bisweilen gab es eine Doppelhochzeit - denn zum Verwechseln braucht man ja zwei.

- Schwester Waltraud und Neffe Marc möchten gerne, dass Firmenchef Ernst Schmitt sich zur Ruhe setzt, Bild: ARD Degeto/Martin Menke
Die nostalgische Komödie "
Schokolade für den Chef" bringt nicht nur im Titel die Fünfziger und Sechziger Jahre zurück, sondern auch viele Elemente des guten alten Wirtschaftswunder-Humors. In der Hauptrolle des kauzigen und doch so liebenswerten Milliardärs: Götz George, der am 23. Juli seinen 70. Geburtstag feierte.
Götz George als Milliardär Ernst Schmitt
Früher wäre er Millionär gewesen, aber die Inflation macht selbst vor einer Retrokomödie nicht halt. Milliardär Ernst Schmitt, arbeitswütiger Chef eines multinationalen Lebensmittelkonzerns, soll nach einer schweren Herzoperation kürzertreten. Schwester Waltraud schickt den Senior-Single in Kur, während sie und ihr umtriebiger Sohn Marc den Alten aus dem Geschäftsleben zurückdrängen wollen. Gut, dass Schmitt inmitten des Ränkespiels auf einen guten Freund zählen kann. Der ist - wie kann es anders sein - sein treuer Chauffeur Hubert, ebenfalls Senior-Single und mit Schalk im Nacken unterwegs.

- Ernst Schmitt arbeitet als Chauffeur für den korrupten Betriebschef Gröber, Bild: ARD Degeto/Martin Menke
Der Chauffeur im Luxus-Resort
Anstatt im Sauerland zu kuren, schleichen sich die beiden Querulanten in die nahe gelegenen Patrizia-Werke ein. Das traditionsreiche Schokoladen-Unternehmen, Keimzelle des Schmittschen Weltreichs, steht kurz vor dem Konkurs, vermutlich durch absichtliches Missmanagement. Und nun, Achtung, kommt der Verwechslungs-Hammer: Während der Milliardär eine Stelle als Chauffeur des Geschäftsführers der Patrizia-Werke antritt, vertritt ihn der echte Chauffeur als kurender Milliardär im Luxus-Resort. Dass die reiferen Herren dabei auch Damen kennenlernen, versteht sich von selbst. Werden Schmitt und Chauffeur Hubert die Schokoladenfabrik vor dem Aus retten und dabei die Liebe finden? Nur so viel sei verraten: Die Chancen stehen nicht schlecht.
Nicht jeder ist Retro-Fan
Diese Komödie versucht erst gar nicht, in irgendeiner Form modern zu wirken. Besonders manche Nebenrollen (unter anderem ein Paparazzo) wirken gnadenlos überzeichnet gespielt - auch ein Relikt aus der Zeit, als Komödie besonders in Deutschland noch viel mit Chargieren zu tun hatte. Dazu passt es dann auch, dass die Tuba immer dann ein paar lustige Noten spielt, wenn ein eilig hastender Komödiant die Treppe herunter wackelt oder ungeschickt einen Flur entlang eilt. Dank des hervorragenden Darsteller-Ensembles, aus dem neben Götz George "Chauffeur" Karl Kranzkowski, die großartige Theaterschauspielerin Jule Böwe und Ludger Pistor herausragen, hat die Degeto-Komödie ihre Momente. Dem ein oder anderen durchschnittlichen ARD-Zuschauer, demografisch etwa 60 Jahre alt, wird das Werk dennoch etwas arg altbacken vorkommen. Es ist eben nicht jeder Retro-Fan.