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Veränderungen beim hr-TATORT?

Frankfurter Eiszeit

Liane Jessen - Fernsehspielchefin des hr - hat ihre Ankündigung, ein zusätzliches TATORT-Team zu installieren, erneuert. Grund seien Terminschwierigkeiten mit dem Team Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf und der Wunsch, eigentlich mehr TATORTe pro Jahr zu produzieren. Doch das ist nur die halbe Wahrheit...

Liane Jessen ist seit 1999 beim Hessischen Rundfunk für den TATORT verantwortlich. Bild:fw

Schon letztes Jahr hatte Liane Jessen auf dem Deutschen Fernsehkrimifestival angekündigt, ein zweites Team am TATORT einzuführen. Damals sprach sie von einem "James Bond"- ähnlichen Ermittler, der beim LKA Wiesbaden angesiedelt sei und hessenweit ermittelt.

Schlagzahl soll erhöht werden

In mehreren Interviews ( tatort-fundus.de, Mainpost/planet-interview.de) begründete sie diesen Schritt mit der von der ARD gewünschten Erhöhung der jährlichen TATORT-Schlagzahl. Die Einführung der Solo-TATORTe, in denen jeweils nur ein Kommissar des Teams ermittelt, wiederum begründete die Fernseh-Dame mit den Terminschwierigkeiten der beiden Darsteller Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki. 

Nachdem seit Frühjahr 2008 Ruhe eingekehrt war bei diesem Thema und der HR Ende 2008 auf Nachfrage von diesen Plänen zwischenzeitlich so gar nichts mehr wissen wollte und sie gar dementierte, keimt die mögliche Veränderung am HR-TATORT erneut auf.

Nun doch ?

In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt spricht Jessen wieder von der möglichen Einführung eines zweiten Teams, das auch hessenweit ermitteln solle. "Es ist durchaus möglich, dass künftig zwei Teams parallel für den hr ermitteln."  Von Gerüchten, dass die Beendigung der Zusammenarbeit des bisherigen Teams Sawatzki/Schüttauf beschlossene Sache wollte Jessen freilich nichts wissen.

Tatsächlich sind die beiden Darsteller viel beschäftigt und verpflichten sich auch für viele andere Filmprojekte. Dass da die Koordination für die Drehtermine der HR-TATORTe schwieriger wird, erscheint da logisch. Man erinnere sich: Die beiden Darsteller wurden ab 2002 nur für zwei jährliche TATORT-Folgen engagiert, von mehr Folgen war noch keine Rede. Fakt ist auch: Die Terminschwierigkeiten der beiden Darsteller sind  nur vorgeschoben bzw. nicht das eigentliche Problem. Denn bisher haben die Dreharbeiten immer noch planmäßig stattgefunden...

Bild: HR/ Degeto/ Bettina Müller

Die Darsteller werden für den Sender zum Problem

Es gärt noch an anderer Stelle im Team: dem Vernehmen nach ist das Verhältnis von Sawatzki und Schüttauf mittlerweile auf dem Nullpunkt angekommen. Die beiden Darsteller reden kaum ein Wort (zu viel) miteinander, liefern sich am Set peinliche Szenen. Bei Treffen mit Mitarbeitern des Senders setzen sich die beiden beispielsweise demonstrativ auseinander. Schüttauf fühlt sich zudem von Sawatzki "an die Wand gespielt" und leide darunter, heisst es unter vorgehaltener Hand.

Ebenso wird kolportiert, dass Regisseure wie Niki Stein, der das Konzept für diesen TATORT erfand und anfangs viele Filme aus Frankfurt inszenierte, oder die preisgekrönte Margarethe von Trotta, die 2006 einen TATORT mit dem Team drehte, aufgrund dieser Streitigkeiten am Set keine Dreharbeiten mit den beiden mehr verwirklichen wollen. Für den Sender werden die beiden Darsteller so zunehmend zum Problem.

Das Signal: "Wir können auch ohne Euch!"

Dies erklärt womöglich das Vorgehen der Fernsehspielchefin Jessen. Es ist vermutlich einmalig in der langjährigen Geschichte des Fernseh- Klassikers, dass ein Senderverantwortlicher das Team öffentlich unter Druck setzt. Schon die Ankündigung eines möglichen zweiten Teams dürfte bei den Darstellern für Irritationen gesorgt haben. Nun redet Jessen erneut von dem zweiten Team und verpackt so ein deutliches Signal an Sawatzki und Schüttauf: "Wir können auch ohne Euch!". Im Interview des Hamburger Abendblatts klingt das natürlich positiver: "Man wolle sich mit den beiden Schauspielern "im Guten" einigen und stelle ihnen frei, Prioritäten zu setzen", zitiert das Blatt Liane Jessen.

Kenner vermuten, dass es bald eine offizielle Ankündigung des Senders geben wird, der die Situation klärt. Der Bericht des Hamburger Abendblatt sei nur die "Vorbereitung" gewesen  - und ein letzter Versuch, die beiden Darsteller zu beeinflussen.

Den nächsten TATORT sendet der hr am 6.September ("Architektur eines Mordes"), zwei weitere Folgen sind geplant und werden bis Ende 2009 abgedreht sein, die Ausstrahlung erfolgt im Jahr 2010

Francois Werner
Interview vom Mai 2008 aus der Mainpost: Die längste Serie der Welt: Ein James Bond für den ARD-Tatort
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