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"TATORT Classics" des rbb

„Wir wollten den Originalzustand wiederherstellen“

Alleine schon die Ankündigung der Restaurierung von 14 Berliner „TATORT Classics“ des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) hat in Fankreisen für große Begeisterung gesorgt, gleichzeitig aber auch einige Fragen aufgeworfen. Wir sprachen darüber mit TATORT-Redakteurin Dr. Josephine Schröder-Zebralla und mit Thorsten Johanningmeier, der beim Berliner Sender in der Film-Redaktion technisch für das Projekt verantwortlich ist und die Restaurierung mit viel Engagement im Jahr 2016 betreut hat.

Dr. Josephine Schröder-Zebralla (Foto) und Thorsten Johanningmeier vom RBB haben die Fragen zu den "TATORT Classics" beantwortet. Bild:© rbb/Gundula Krause

Insgesamt wurden 14 Folgen vom rbb angekündigt, aber es fehlt mittendrin auch eine nicht ganz unumstrittene Folge, der TATORT „Tod im U-Bahnschacht“ von 1975. Wurde dieser TATORT eigentlich auch restauriert?

Johanningmeier: Nein, denn wir sind nach Sendeband-Qualität und dem technischen Zustand gegangen – das war unser Kriterium. Wir sind die Bänder chronologisch durchgegangen und haben geschaut, bei welchen Folgen ist eine Restaurierung technisch am dringendsten notwendig. Nach hinten raus fehlen ja auch einige andere Folgen.

Planen Sie für diese jetzt ausgelassenen Folgen später eine Restaurierung?

Schröder-Zebralla: Wir werden jetzt erstmal abwarten, wie die Akzeptanz beim Publikum ist. Wenn diese gut ist, könnten wir uns das vorstellen, ja…. 

... gilt das auch für die Folgen mit Heinz Drache als Kommissar Bülow – die lassen Sie ja jetzt komplett aus?!

Schröder-Zebralla: Das hat überhaupt nichts mit dem Kommissar zu tun. In der Vergangenheit waren immer wieder auch Folgen mit dem Ermittler Bülow zu sehen. Das einzige Kriterium war die Sendeband-Kontrolle und die Frage, wie liegt das Material vor? Und da haben wir Prioritäten gesetzt und sind an diese besagten 14 Folgen rangegangen.

Gibt es Pläne im rbb, diese restaurierten Folgen auf DVD zu veröffentlichen? Der Sender hatte ja schon vor einigen Jahren eine exklusive Berlin-Box herausgebracht!?

Schröder-Zebralla: Im Moment nicht. Primär wollen wir jetzt erstmal die 14 Folgen auf dem Montags-Termin ausstrahlen und dem Fernsehpublikum präsentieren.

Eine bei Fans wichtige Frage betrifft das Format der neu restaurierten TATORTe. Werden diese im Ursprungsformat 4:3 ausgestrahlt?

Johanningmeier: Wir sind beim Bild im 4:3-Format geblieben, es wird nicht reingezoomt und das Format läuft mit schwarzen Balken rechts und links, im sog. „Pillarbox“-Format. Nur technisch wurde das Format nach 16:9 geändert.

Dass es in dieser Sommerstrecke bei den "TATORT Classics" des rbb keine Wiederholungen mit Kommissar Bülow gibt, hat nur technische Gründe. Bei anderen Folgen war die technische Restaurierung dringlicher. Bild aus Schuldlos schuldig (Bild: rbb)

Fans waren im ersten Moment regelrecht beunruhigt, dass bei einer Restaurierung oder Umformatierung Bildinformationen verloren gehen könnten, wie es in der Vergangenheit schon bei einigen NDR-Folgen geschehen ist. Das ist bei den TATORT Classics aber nicht zu befürchten?

Johanningmeier: Nein. Was vermutlich gemeint ist, dass man oben und unten etwas wegschneiden müsste, wenn man ein 4:3-Bild in ein reines 16:9-Bild wandelt. Aber das wollten wir nicht, denn wir wollten durch die Neuabtastung keine neue Version erschaffen, sondern es so herstellen, wie es damals über den Sender gegangen ist, im 4:3-Format. Wir haben nichts abgeschnitten, das Originalformat der historischen Berliner TATORTe bleibt erhalten.

Können Sie uns was zum Hintergrund einer solchen Restaurierung sagen – beispielsweise wie lange dauert dieser Prozess für eine TATORT-Folge?

Johanningmeier: Den genauen Zeitrahmen kann ich Ihnen gar nicht sagen, weil wir das alles im Paket gemacht haben. Aber es ist ein sehr aufwändiger Prozess gewesen. Wir mussten anfangs erstmal das Filmmaterial zusammenstellen und dafür relativ viel recherchieren, um die vielen verschiedenen Filmrollen zusammen zu haben. Diese sind unterschiedlich gelagert gewesen, an verschiedenen Orten. Danach fing die Detailarbeit an mit den Negativbeständen und der Frage, wie liegt alles vor. Wir mussten auch nach dem Ton schauen, der von einer Extra-Tonspur kommt. Heute bei Video ist das ja alles in einer Datei, aber für die damaligen Produktionen gilt dies nicht. Das musste erst mal alles recherchiert werden, bevor mit der Restaurierung begonnen werden konnte.

Wurde die Restaurierung im rbb durchgeführt?

Johanningmeier: Wir haben das ausgelagert. Es gab eine Ausschreibung und den Auftrag hat die Studio-Hamburg-Postproduktion bekommen und die Restaurierung konkret umgesetzt. Zuerst wurde das alte Filmmaterial in verschiedenen Variationen abgetastet. Diese Rohabtastung – oder das, was wir Rohscan nennen – wurde dann im nächsten Schritt restauriert.

Drei von 14 Folgen, die der rbb in seiner Reihe "TATORT Classics" restauriert und in HD senden wird: Der Boss (1971), Sterne für den Orient (1978) und Freiwild (1984).

Wie aufwändig war die Restaurierung des alten Filmmaterials?

Johanningmeier: So eine Restaurierung ist immer eine Frage des Geldes, der Zeit und was wir als Sender eigentlich damit wollen. Denn, wenn Sie viel Zeit haben, dann können Sie den Film natürlich so aussehen lassen, als wäre er gestern mit einer modernen Kamera gedreht worden. Wie gesagt: wenn Sie das wollen, ist das natürlich extrem aufwändig. Aber das war gar nicht unser Ziel: Wir wollten den Originalzustand wiederherstellen. Wir wollten nur Fehler oder Schrammen am Material beseitigen, den Eindruck von damals aber unbedingt erhalten und keinen modernen Look erzeugen.

Wie lange dauerte die Restaurierung?

Johanningmeier: Zur Dauer der Restaurierung kann ich Ihnen gar keine genauen Zahlen sagen. Das kann man sicher in Schichten ausrechnen, wie viele Schichten für die Abtastung und Restaurierung gebraucht wurden. Zum Teil sind das automatische Prozesse, es gibt da schon Computerprogramme, die grobe Fehler rausfiltern. Aber man muss da auch auf jeden Fall noch händisch ran. Dann ist entscheidend, in welchem Zustand das Ausgangsmaterial war. Und dann ist noch die Frage, ob die restaurierte Fassung am Ende als Sendeband oder als Datei ausgeliefert werden soll . Wir haben uns für beides entschieden.

Um die Wiederholungsstrecke mit 14 "TATORT Classics" im Sommer 2017 senden zu können, wurde seit Frühjahr 2016 im Berliner Funkhaus an der Restaurierung gearbeitet. Bild: rbb/Hanna Lippmann

Wann hat sich denn der rbb entschieden, diese Restaurierung zu machen?

Schröder-Zebralla: Ich schätze, wir haben etwa ein Dreivierteljahr an diesem Projekt gearbeitet. Im Frühjahr haben wir es angestoßen, die fertigen Filme wurden Ende 2016 ausgeliefert. Der Sender hat dann noch für jede Folge eine neue Videotext-Untertitelung hergestellt.

Was war für den rbb eigentlich die Rationale, diese Restaurierung anzustoßen?

Schröder-Zebralla: Ursprung des ganzen Restaurierungsprozesses war die redaktionelle Entscheidung, dass wir im Sommer 2017 eine Strecke mit alten TATORT-Folgen aus Berlin senden wollten und diese wieder dem Publikum vorführen wollten. Aber auch die Sicherung des alten Filmmaterials für die Zukunft war für uns sehr wichtig.

Johanningmeier: Über die Jahre wurden die Sendebänder immer wieder auf andere, modernere Bänder umgespielt. Zum Beispiel von 1-Zoll-MAZ-Bändern auf Beta SP und weiter auf IMX, usw. Durch dieses mehrfache Kopieren war das Material irgendwann in einem so schlechten Zustand, dass wir nun an die Originale gegangen sind, um wieder sendefähige Fassungen zu bekommen. Auch die HD-Qualität war für uns wichtig, denn heute ist ja alles immer hochaufgelöst. Was bisher vorlag bei diesen „TATORT Classics“ waren PAL-Versionen, also SD-Qualität. Jetzt liegen uns diese TATORTe digital als HD-Datei vor.

Werden diese restaurierten TATORT-Folgen auch in der Mediathek verfügbar sein?

Johanningmeier: Nein, leider nicht. Das ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Die Fragen stellte François Werner.
Das Gespräch fand am 1. Juni im RBB-Fernsehzentrum an der Berliner Masurenallee statt.


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