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ARD-Vorgaben

Nur noch zwei TATORT-"Experimente" jährlich und keine Cinemascope-Filme mehr

ARD-intern gibt es offenbar die Vorgabe, bei den TATORT-Produktionen nur noch zwei "grenzüberschreitende" Produktionen pro Jahr zuzulassen. Auch sollen keine TATORT-Krimis mehr im Format Cinemascope gedreht werden dürfen.



In der BILD erklärte sich Programmdirektor zum TATORT-Markenkern: dies sei der Krimi-Plot

Außergewöhnliche und experimentelle TATORT-Krimis dürften damit zukünftig seltener werden. Innerhalb der ARD will man die Zahl der Experimente mittelfristig begrenzen. In der Vergangenheit hatte es immer öfter "extreme" TATORT-Filme gegeben, wobei viele Zuschauer den Eindruck äußerten, die Sender konkurrierten untereinander nur noch um den "schrägsten" TATORT-Beitrag - auf Kosten eines klassischen und nachvollziehbaren Krimi-Plots.

"Schluss mit lustig" kommentierte eine mit ARD-Fernsehspielen leitend befasste Person die neue Vorgabe gegenüber dem TATORT-FUNDUS. Die Vorgabe solle für alle TATORT-Redaktionen gleichermaßen verbindlich sein. So müsse eine "grenzüberschreitende" TATORT-Produktion zukünftig vorab angemeldet werden. Wer als Drittes anmelde, habe schlicht "Pech gehabt", so der ARD-Mitarbeiter.

Markenkern: Krimi

Damit scheint ARD-Programmdirektor Volker Herres sein "Machtwort" in die Tat umzusetzen. Im Zuge der öffentlichen Diskussion um den als gescheitert klassifizierten Improvisations-TATORT Babbeldasch hatte Herres Anfang März in der Bild am Sonntag erklärt, er stehe für den Markenkern des TATORTs, und der sei "Krimi": "Der TATORT ist eine Marke, um die uns viele beneiden. Er lebt von der Synthese aus klarem, verlässlichem Versprechen an die Zuschauer und regionaler wie innovativer Vielfalt", so Herres in der Boulevardzeitung. Herres weiter: "Zum TATORT gehören auch immer wieder einmal mutige Experimente. Das ist okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert".

Mit Improvisation, Herzblut und Humor auf Tätersuche wollte Axel Ranisch im TATORT Babbeldasch gehen - das Projekt floppte und sorgte für eine senderinterne Diskussion über "Experimente". Nun will die ARD Experimente offenbar mit einer Quote begrenzen. © SWR/Martin Furch

Bürokratie vs. Kreativität?

Diejenigen ARD-Fernsehspielabteilungen, die eher auf konservative TATORT-Krimis setzen und der Meinung sind, man könne mit Experimenten den Klassiker TATORT "in Schutt und Asche" produzieren, dürften diese Quote positiv sehen. Betrüblich sehen das aber diejenigen TATORT-Macher, die sich mit experimentellen und grenzüberschreitenden Produktionen absetzen wollen vom "Krimi-Einerlei". Die sehen in der formalen Quote eher einen bürokratischen Akt, der zu Lasten von Mut, Kreativität und kunstvollem Filmemachen geht.  

Wer bestimmt, was "grenzüberschreitend" ist?

Was jedoch genau als "grenzüberschreitend" gilt und wer das ARD-intern vorab prüft und genehmigen soll, bleibt unklar - offenbar selbst den Fernsehspielmachern. Genannt werden die "Kleine Gruppe", der TATORT-Koordinator und die Programmdirektion DasErste. 

Fest steht: Alle ARD-Anstalten sind in der Entwicklung ihrer Fernsehspiel- und TATORT-Stoffe autark. Sie melden ihre Filme bei der Koordination Fernsehspiel an. Die TATORT-Koordination unter der nebenamtlichen Leitung von Jörg Schönenborn (WDR) nehme nur diese Anmeldungen von TATORT-Filmen entgegen, habe aber bei der inhaltlichen Entwicklung kein Mitsprachrecht.

Die TATORT- und Fernsehspielkoordination schlägt die Sendetermine für die Folgen der Programmdirektion DasErste vor und achtet darauf, thematisch ähnliche Plots, sog. "Dubletten", möglichst nicht zeitnah zu programmieren. Die "kleine Gruppe" des ARD-Fernsehspiels dagegen sichtet fertige Filme einige Monate vor Ausstrahlung. Sie empfiehlt der Programmdirektion einen Sendeplatz und beurteilt den Film, empfiehlt ggf., diesen nicht um 20.15 Uhr, sondern erst später zu senden. Mit Anmeldungen von Filmen hat sie in der Regel jedoch nichts zu tun.

Keine TATORTe mehr in Cinemascope?

Auch eine weitere ARD-interne Vorgabe sickerte durch: zukünftig soll kein TATORT mehr im Kinobreitwandformat Cinemascope gedreht werden. Hintergrund sollen u.a. massive Beschwerden von Zuschauern sein, die sich wiederholt über das nicht bildfüllende Format beschwert haben. Auch vertreten einige ARD-Verantwortliche den Standpunkt, das Format gehöre ins Kino und nicht ins Fernsehen. Und Filmkritiker bemängeln, dass die TATORT-Filme oft auch keine ästhetische Legitimation für die Formatwahl liefern.

Selbst das Standfoto aus Stau ist in Cinemascope-Breite. Bild © SWR/Andreas Schäfauer

Das Format Cinemascope (Seitenverhältnis 21:9)  ist vor allem für junge und/oder ambitionierte Regisseure oft ein Anreiz, überhaupt einen TATORT zu drehen. Mit dem Kinoformat wahren sie ihren cineastischen Anspruch und können sich zugleich auch vom "Krimi-Einerlei" abheben. 

Der letzte TATORT im Cinemascope-Format war "Stau" vom jungen Regisseur Dietrich Brüggemann, den der SWR am 10. September sendete. In den letzten zwei Jahren wurden beispielsweise auch Der sanfte TodHinter dem Spiegel, Fünf Minuten Himmel, Die Geschichte vom bösen FriederichTaxi nach Leipzig oder Es lebe der Tod in Cinemascope fotografiert. Cinemascope für TATORT-Produktionen wird damit überwiegend vom Südwestrundfunk, dem Norddeutschen und Hessischen Rundfunk eingesetzt.

Der nächste "grenzüberschreitende" TATORT steht auch schon vor der Tür. Er läuft diesen Sonntag: In Fürchte Dich wird es spooky - Brix und Janneke haben es mit Übersinnlichem und Horror-Elementen zu tun. Sicher scheint: Zuschauer werden wieder nörgeln "Das ist kein  TATORT!". Vermutlich wird das die Diskussion über "Experimente" am TATORT weiter anheizen. 

Es bleibt spannend!

Francois Werner


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