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Haferkamp-Komplett-DVD-Box

Das Schnitt-Protokoll der Haferkamp-Folgen 

Das Berliner Label Icestorm hat am 22. September eine weitere Ermittler-Box auf den Markt gebracht: die 20 Folgen mit dem Essener Kommissar Heinz Haferkamp. Allerdings unterscheiden sich drei Folgen von der bisher bekannten TV-Fassung, zwei sogar massiv. Mehr über die Hintergründe und die konkreten Schnitte.

Auf der Box sind zwei der 20 Folgen mit Oberkommissar Heinz Haferkamp enthalten, die nicht der WDR-Fernsehfassung entsprechen und um jeweils fast 10 Minuten gekürzt wurden: Die Abrechnung (1975) und Drei Schlingen (1977). Auch die Folge Fortuna III (1976) wurde verändert; geringfügig zwar, aber spürbar. 

Die Komplettbox mit Fällen von Heinz Haferkamp von Icestorm: enthält alle 20 Folgen aus Essen

Bisher unbekannte Fassungen der TATORTe

Vermutlich handelt es sich bei den gekürzten Versionen der TATORTe um die sog. IT-Fassung des TATORTs, eine seinerzeit für die internationale Vermarktung nach Produktionsende erstellte Fassung.  

Es sind mehrere Hintergründe denkbar: Für die Fernsehfassung liegen keine Veröffentlichungsrechte auf DVD vor, ebenso fehlen Rechte für verwendete Musiktitel für das Ausland oder die Fassungen mussten seinerzeit in ein Sendeformat von 70 oder 75 Minuten gepresst werden.

Ob es - und welche - rechtliche Einschränkungen gab, diese Folgen in der TV-Fassung auf DVD zu veröffentlichen, ist unklar. Ebenso unklar ist, ob es nicht auch "nur" eine falsche Lieferung des Lizenzgebers an den Lizenznehmer Icestorm war. 

Lizenznehmer Icestorm ist überrascht

Überraschend mutet auch die Tatsache an, dass selbst das Label Icestorm  offenbar nichts von den Veränderungen und massiven Kürzungen um bis zu 10 Minuten wusste. Die Lieferung des TATORT-Materials erfolge durch den Lizenznehmer Bavariamedia. Das Material werde von Icestorm nicht inhaltlich, sondern nur technisch geprüft, Unterschiede in den Sendelängen fallen somit nicht auf, hieß es gegenüber dem TATORT-FUNDUS. 

Unterschiedliche Längen  - unterschiedliche Fassungen

Die Länge der DVD mit der Folge Die Abrechnung beträgt 71:56, die TV-Fassung der letzten Wiederholung 80:45 Minuten.

Bei Drei Schlingen ist die Icestorm-Fassung 72:58 Minuten lang, die letzte Wiederholung von 2010 war dagegen 82:09 lang.

Bei Fortuna III beträgt der Netto-Unterschied der Sendelängen lediglich 22 Sekunden, hier wurden jedoch vor allem im Intro Änderungen vorgenommen und auch auf die Titel verzichtet.

Auf den Rückseiten der Icestorm-DVD-Hüllen werden jeweils die längeren Spieldauern (der Fernsehfassungen) angegeben, was einer falschen Produktbeschreibung gleichkommt und auch belegt, dass Icestorm von den gekürzten Fassungen nichts wusste.

Die Rückseite der DVD-Hülle gibt die jeweils falsche (längere) Spieldauer des Films an

Nicht nur gekürzt, es wurde auch ergänzt

Der Nettovergleich der Sendelängen darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur Szenen, Teilszenen oder einzelne Frames gekürzt/getilgt wurden, sondern auch hinzugekommen sind/sein können: beispielsweise bei Die Abrechnung kommen neue Frames auf der Icestorm-DVD zum Vorschein, die in der Fernsehfassung bisher fehlten. Analog dazu ist das auch bei Drei Schlingen und Fortuna III zu beobachten.

Die Details der Kürzungen bei "Die Abrechnung"

Bei Die Abrechnung scheint vornehmstes Ziel der Kürzungen Haferkamps-Ex-Frau Ingrid gewesen zu sein; Szenen mit ihr sind oft gekürzt bzw. ganz entfernt worden.  Auch fehlt die Exposition am Anfang. Für das Verständnis des Films ist die Kürzung der Szenen als leicht beeinträchtigend und grenzwertig zu betrachten; man kann auf der DVD der Handlung zwar folgen, aber viele Stimmungen und Informationen fehlen einfach.

Die Einstiegssequenz aus der Fernsehfassung fehlt auf der DVD komplett. In der TV-Fassung pflegt Frau Stürznickel ihre kranke Stieftochter liebevoll und...
...geht dann ins Wohnzimmer zu ihrem reichen Schwiegervater. Erst hier setzt auch die DVD-Fassung ein: Ein Einbrecher nähert sich dem Haus mit dem Ergebnis, dass Stürznickel ihn erschießt. Der Schwiegervater liegt auch erschlagen im Wohnzimmer. Wurde er vom Einbrecher erschlagen? Die auf der DVD fehlende Sequenz dauert über 2 Minuten
Die Szene, in der Haferkamp die Mutter des toten Neugebauer besucht und ihr die Todesnachricht überbringt, ist auf der DVD stark gekürzt. Es fehlen um die 65 Sekunden. Sie haben für das Verständnis des Films auch keine weitere Bedeutung und sind deshalb als verzichtbar einzustufen
Diese Szene ist wiederum auf der DVD hinzugekommen und fehlt in der TV-Fassung. Es handelt sich hier nur um 6 Sekunden. Die Totale auf die Trinkhalle, in der Haferkamp mit dem Freund des toten Neugebauers spricht und nach draußen holt, beginnt in der TV-Fassung erst, als er aus der Tür austritt. Warum die DVD-Fassung die inhaltsleere Totale beinhaltet, bleibt dramaturgisch unklar.
Das Gespräch zwischen Heinz und seiner Ex-Frau Ingrid im Museum ist auf der DVD um etwa 70 Sekunden gekürzt. Vermutlich deshalb fehlt im Abspann später auch die Danksagung an die Nolde-Stiftung Seebüll (was weitere 5 Sekunden Unterschied erklärt)
Eine ganze Szene - 80 Sekunden lang - fehlt auf der DVD gegenüber der TV-Fassung: in der Szene unterhalten sich Haferkamp und Ex-Frau Ingrid erregt über das eben ergangene Urteil. Diese Szene begründet bzw leitet den Zweikampf zwischen Anwalt und Haferkamp später ein. Der Anwalt hatte Haferkamp vorgeführt und als Spießer bezeichnet.
Zwei aufeinanderfolgende Szenen mit einer Gesamtlänge von über 3 Minuten 20 Sekunden sind für die DVD-Fassung ebenfalls getilgt worden. Zum ersten wurde die Szene mit dem Anwalt und Haferkamp am See gekürzt, als das Gespräch auf Ingrid, die Ex-Frau Haferkamps, kommt; völlig getilgt ist dann die Anschlussszene, in der Haferkamp und Ingrid sich in einem Lokal über den Fall unterhalten - und über die Qualität von "Labern" bzw Frikadellen.

Die Details der Kürzungen bei "Drei Schlingen"

Bei Drei Schlingen fehlen oft sehr lange Szenen, weniger oft nur nur kleine Frames, pornografisch anmutender oder mindestens anstößiger Bilder. Für das Verständnis des Films sind die Kürzungen überwiegend ohne ergänzende Bedeutung. Es ist zwar schade, dass dort gekürzt wurde, aber deutlich besser zu verschmerzen als bei Die Abrechnung (siehe oben)

Die lange Anfahrt zum Fundort des Geldtransporters fehlt auf der DVD von Icestorm. In dem Teil der Szene passiert nichts wichtiges. Sobald Kreutzer am Geldtransporter eintrifft und sich diesen unter kriminalistischem Gesichtspunkt anschaut, wird die Szene auf der DVD übernommen.
Auch die lange Anfahrt zum Haus der Witwe Finks dauert fast 30 Sekunden und fehlt auf der DVD-Fassung. Die Szene wird ab dem Moment übernommen, als Haferkamp an ihrer Haustür klingelt. Die Anfahrt im Auto, das Abstellen und das Hinunterlaufen der Straße ist ohne jede Filminformation und wird nur in der TV-Fassung gezeigt.
Völlig aus der DVD-Fassung entfernt wurde die 76-Sekunden-Szene vor dem Polizeipräsidium, als Haferkamp einen Schutzpolizisten über die berufliche Vergangenheit Schiessers in Hamburg befragt. Sie liefert Haferkamp immerhin eine zweite Meinung für seinen Verdacht, Schiesser könnte ein Mitwisser oder Mittäter sein.
Diese Szene ist auf der DVD-Fassung von Icestorm stark zusammengekürzt, insgesamt etwa um 33 Sekunden. Sie zeigt, wie Haferkamp und Kreutzer den ersten aufgehängten Toten, einen am Geldüberfall Beteiligten, in der Wohnung finden und diese nach Indizien durchsuchen. In einer vorherigen Szene wurden weitere Sekunden Frames herausgeschnitten, in den Kreutzer pornografisches bzw anstößige Bilder "begafft".
Mit insgesamt etwa 160 Sekunden schlagen die nächsten beiden Kürzungen zu Buche. Für die DVD-Fassung ist ein Zwiegespräch zwischen Heinz Haferkamp und Willy Kreutzer im Büro geteilt worden. Die anschließende komplette Beerdigungssequenz fehlt auf der DVD. Für das Verständnis der Handlung ist diese Szene mindestens entbehrlich, auch wenn sie die Freundschaft von Fink und Schiesser noch mal untermauert.
Eine "Klamauk"-Szene mit Vico Torianni aus einem WDR-Film, den sich Haferkamp im Funkhaus anschaut, fehlt auf der Icestorm-DVD ebenfalls komplett. Sie dauert 154 Sekunden. Sie zeigt, dass Haferkamp wirkungsvoll über das Geschlecht eines Mittäters beim Geldüberfall getäuscht wurde. Das bringt die Ermittlungen in eine neue Richtung. Dennoch sind die Filmausschnitte verzichtbar, weil sich die Information im TATORT wiederholt. So bleibt es auf der DVD-Fassung immerhin nur bei Vico Toriannis kurzem Telefonat mit Haferkamp.

Die Details der Kürzungen bei "Fortuna III"

Die geringfügigen Veränderungen bei Fortuna III sind im Gegensatz zu den anderen beiden Folgen minimal. Einbußen für das Verständnis des Films gibt es nicht. Der dramaturgische Sinn erschließt sich auch gar nicht, weil nur eine Netto-Kürzung um 22 Sekunden erzielt wurde.

Es bleibt unklar, warum das Intro von Fortuna III auf der DVD-Fassung anders gestaltet wurde als in der TV-Fassung. Der Spaziergang des jungen wilden Hauptprotagonisten, des 12-jährigen Paul im Hafengebiet und vor dem Taschenmesser-Geschäft, ist auf der DVD anfangs länger. Diese Veränderung ist aber ohne inhaltliche Bedeutung.

Offenbar als Fehler zu werten sind die fehlende Einblendung des Folgentitels (!), des Autors und des Regisseurs. Während weiterer Szenen - dem Verhör in der Vereinskneipe und das Gespräch Paul und Haferkamp -  müssen geringfügig Frames getilgt worden sein, weil es immer wieder zu leicht asynchronen Szenen im Vergleich mit der Fernsehfassung kommt. Die deutlichste Änderung bleibt jedoch das Intro in Kombination mit der fehlenden Titel-Einblendung. 

Die Einblendung des Filmtitels, des Autors und des Regisseurs fehlt auf der DVD völlig. Wir werten das als unschöne und überflüssige Panne. Auf die Titel zu verzichten ergibt bei keinem Film einen Sinn.
Francois Werner 
(Schnittvergleich "Drei Schlingen": Michael Altenhövel)

 

 



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