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DVD-Veröffentlichungen

Weitere TATORT-Klassiker erschienen

Bis dato sind lediglich 217 unterschiedliche TATORT-Episoden auf kommerziellen DVD erschienen - das sind etwa 20 Prozent aller 1028 bisher gesendeten Folgen. Möglicherweise gelingt es im Drang auf Vollständigkeit, auch die restlichen 80 Prozent ans Licht der Öffentlichkeit zu befördern – das Berliner Label Icestorm hat sich dem Ziel offenbar verschrieben und veröffentlicht auf dem Weg dorthin am 17. März 2017 weitere Klassiker und eine Box mit den ersten 30 Münster-TATORTen.

Auch mit der dritten größeren Veröffentlichungswelle bleibt das Berliner Label Icestorm seiner Marketing-Strategie (mehr: hier) treu. Kurz hintereinander erscheinen eine Box mit 20 Klassikern aus den 1980er Jahren und eine Box mit dem nach Zuschauerzahlen beliebtesten aktuellen Ermittlerteam aus Münster. Unter dem Titel „Thiel und Boerne ermitteln“ sind die ersten 30 Folgen von 2002 bis 2016 enthalten. 



Die ersten 30 TATORTe aus Münster erscheinen mit einer Gesamtlaufzeit von 2.644 Minuten erstmals in einer Box mit 30 DVDs oder aufgeteilt in drei Boxen mit jeweils 10 DVDs.

Eine Folge Münster pro DVD

Die ersten 30 TATORTe aus Münster erscheinen mit einer Gesamtlaufzeit von 2.644 Minuten erstmals in einer Box mit 30 DVD oder aufgeteilt in drei Boxen mit jeweils 10 DVD. Das ist vorteilhaft für Sammler, denn es sind bereits 13 von den früheren Folgen bei Disney auf DVD erschienen. Eine Besonderheit: Bei den Fällen aus Münster, die schon in die HD-Zeit hineinreichen, hat man sich auf eine Folge pro DVD beschränkt, was der Bildqualität zugutekommt. Wer möchte, kann die Folge Erkläre Chimäre von 2015 in dieser DVD-Version mit der Blu-ray Disc aus der „Blockbuster“-Reihe vergleichen, und wird dabei keinen allzu großen Unterschied feststellen.

Publikumslieblinge auf DVD – das Münsteraner TATORT-Team

An Originalität und Wortwitz sind die Münster-Folgen, besonders in ihrer Anfangszeit, kaum zu übertreffen. Zweimal im Jahr ermitteln Kommissar und St.-Pauli-Fan Frank Thiel (Axel Pahl) mit seinem Vermieter und Nachbarn, dem Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), oft auf heitere bis satirische Art in der traditionsreichen westfälischen Universitätsstadt. Die Fälle in gehobenen Akademikerkreisen, Burschenschaften sowie auf Gestüten oder bei Blaublütern im Münsterland kommen mit ihrer treffsicheren Ironie in allen Gesellschaftsschichten bestens an und sorgen nach wie vor für höchste Einschaltquoten von meist über 10 Millionen.

Tatort Team Münster v.l.n.r. Claus D. Clausnitzer (Kommissar Thiels Vater Herbert), Mechthild Großmann (Staatsanwältin Klemm), Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel), Friederike Kempter, (Assistentin Nadeshda Krusenstern) und Jan Josef Liefers, (Prof. Karl-Friedrich Boerne) © WDR/ Martin Menke

Dazu tragen auch die weiteren Darsteller bei, die zum festen Ensemble zählen: die kleinwüchsige Silke Haller (ChrisTine Urspruch), von ihrem opernliebenden Chef Boerne wenig schmeichelhaft „Alberich“ genannt, Thiels ehrgeizige Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), sein Vater Herbert Thiel (Claus Dieter Clausnitzer), der sich als Taxifahrer mehr schlecht als recht über Wasser halten kann, und die gestrenge Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechtild Großmann) mit ihrer verrauchten Bariton-Stimme. Während sich Boerne und Klemm der oberen Gesellschaftsschicht zugehörig fühlen, sieht sich Thiel eher als Vertreter des „kleinen Mannes“ mit geradlinigem gesunden Menschenverstand statt akademischer Bildung. Sein Hauptfortbewegungsmittel ist wie in Münster üblich das Fahrrad. Für weitere Wegstrecken lässt er sich in Boernes Nobelkarosse oder im alten Taxi seines Vaters chauffieren.

Münster Box, Teil 1
Münster Box, Teil 2
Münster Box, Teil 3

Die Sammler und Fans freuen sich natürlich über jede neue Veröffentlichung ihrer Fernsehlieblinge, auch wenn es bei den Neuveröffentlichungen immer wieder Redundanzen gibt. Das lässt sich leider nicht vermeiden, denn die Labels möchten auch auf ihren wirtschaftlichen Nutzen achten und kein größeres Risiko eingehen, indem sie auch Fälle bringen, die sehr weit hinten in der Rangliste der Publikumsgunst stehen.

Die 20 TATORT-Klassiker der 1980er Jahre sind auf 10 DVD verteilt entweder in einer Gesamtbox mit 1.756 Minuten Laufzeit oder in drei Einzelboxen erhältlich. Erfreulich ist, dass auch viele Folgen darunter sind, die bereits sehr lange nicht mehr im Fernsehen wiederholt wurden

Lücken schließen und Vollständigkeit anstreben

Will man jedoch irgendwann einmal Vollständigkeit erreichen, sollten auch diese Folgen, gleich ob experimentell, unrealistisch oder mit Handkameras auf kostengünstigen Videobändern gedreht, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das betrifft vor allem Fälle vor der Jahrtausendwende oder aus Österreich und der Schweiz, wo es noch viele Lücken gibt. Denn das ist der große Vorteil dieses einzigartigen Sendeformats, dass es viele regionale Unterschiede und künstlerische Freiheiten ertragen kann, unabhängig vom Urteil der Kritiker, die nicht immer die gleich hohe Messlatte anlegen sollten.

Klassiker und Ermittler der 1980er Jahre

Die 20 TATORT-Klassiker der 1980er Jahre sind auf 10 DVD verteilt entweder in einer Gesamtbox mit 1.756 Minuten Laufzeit oder in drei Einzelboxen erhältlich. Sieben der Fälle sind bereits auf DVD erschienen, manche sogar mehrfach. Erfreulich ist, dass auch viele Folgen darunter sind, die bereits sehr lange nicht mehr im Fernsehen wiederholt wurden, darunter auch eine Trimmel-Episode, die in der Trimmel-Box nicht enthalten ist, nämlich Hände hoch, Herr Trimmel.

Es gibt ein Wiedersehen mit vielen bekannten Kommissaren und ihren Assistenten, und natürlich unzähligen erstklassigen Schauspielern, die Täter und Zeugen verkörpern oder später selbst Ermittler im TATORT werden. In die 1980er Jahre fällt das Ende des manchmal mürrischen Kommissars Paul Trimmel (Walter Richter) in Hamburg, der noch den Ersten Weltkrieg erlebt hat, und der Aufstieg des unkonventionellen Horst Schimanski in Duisburg, einem typischen Vertreter der Achtundsechziger-Generation, dargestellt von Götz George, der sich gerne mit den Ganoven prügelt, die meisten Stunts selbst spielt, und in kollegialer Freundschaft mit seinem Antipoden Christian Thanner (Eberhard Feik) verbunden ist.

Horst Schimanski und Christian Thanner in Freunde, Bild:WDR
Karin Anselm ermittelt in Peggy hat Angst, Bild.SWR
Melchior Veigl und Kollege Lenz im letzten Veigl-Fall Usambaraveilchen, Bild:BR

Gänzlich andere Typen sind Schimanskis Vorgänger im Ruhrgebiet, Frikadellenliebhaber Heinz Haferkamp (Hans-Jörg Felmy) in Essen, oder die vornehmen Edgar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) in Frankfurt und Hans-Georg Bülow (Heinz Drache) in Berlin. In München ermitteln Oberinspektor Melchior Veigl (Gustl Bayrhammer), bekannt auch durch seinen Dackel Oswald, mit seinem Kollegen und Nachfolger Ludwig Lenz (Helmut Fischer) in Usambaraveilchen. Klaus Löwitsch darf in der „Eintagsfliege“-Folge So ein Tag als uniformierter Streifenpolizist Werner Rolfs während eines Bundesliga-Spieltags in Frankfurt auf Verbrecherjagd gehen. Hanne Wiegand (Karin Anselm), in Baden-Baden und anderen Orten des Südwestens im Einsatz, ist nach Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) die zweite weibliche Ermittlerin der Reihe und mit zwei ihrer Fälle vertreten, dem Klassiker Peggy hat Angst und dem etwas unbekannteren Spiel mit dem Feuer. Der äußerst beliebte Kommissar Paul Stoever (Manfred Krug) in Hamburg ist dreimal vertreten, in seinem ersten Fall Haie vor Helgoland noch ohne seinen späteren Kollegen Peter Brockmöller (Charles Brauer). Horst Michael Neutze, der in anderen Rollen oft auch die Bösen verkörperte, ermittelt in Sein letzter Wille als Kommissar Georg Thomas Schreitle in Stuttgart, und der Lebenskünstler und Gourmet Max Palu (Jochen Senf) passt ideal in das frankophile Saarland und ermittelt in einem Fall von Herzversagen.

Kein Bonusmaterial, aber interessante Booklets

1980er Box 1
1980er Box 2
1980er Box 3

Im Gegensatz zu den Disney-Veröffentlichungen gibt es bei Icestorm kein Bonusmaterial in Form von Dokumentationen, dafür aber interessante Booklets. Das mögen einige bedauern, aber bei weniger Spielzeit kann die Speicherkapazität des mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen Mediums DVD besser genutzt werden. Einige der alten Folgen wurden dabei vom 4:3-Format ins 16:9-Format konvertiert, wodurch es oben und unten kleine Bildverluste gibt.

Fazit

Es bleibt zu hoffen, dass das Label Icestorm etwas mehr im Sinne der TATORT-Fans und Spezialisten plant und in einer Mischkalkulation im Lauf der Zeit auch immer wieder Folgen einstreut, die in der Gunst des breiten Publikums nicht ganz oben stehen und TATORT-Lücken allmählich geschlossen werden können. Ausführliche Informationen zu den neuen TATORT-Boxen gibt es unter www.spondo.de.

Johannes Kösegi, Sinsheim


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