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Interne Vorgabe

Der klassische Ermittlerkrimi als DNA des TATORTs

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat der Deutschen Presse-Agentur dpa bestätigt, was der TATORT-FUNDUS recherchiert hatte: Zukünftig sollen nur noch zwei jährliche "experimentelle" TATORTe zur besten Sendezeit erlaubt sein. Wie das senderintern umgesetzt wird, bleibt weiterhin unklar -  und spannend.



Jörg Schönenborn ist nicht nur WDR Fernsehdirektor, sondern auch nebenamtlicher ARD-Koordinator "Fernsehfilm". Er will die TATORT-Experimente zukünftig begrenzen © WDR/Herby Sachs

Schönenborn ist auch ARD-Koordinator für Fernsehfilme und sagte gegenüber dpa: "Wir wollen auch künftig Filme, die besonders sind und das Publikum überraschen". Darüber hinaus können wir uns zweimal im Jahr auch "experimentelle" Krimis vorstellen." 

Der TATORT-FUNDUS hatte aus Fernsehspielkreisen der ARD von dieser Vorgabe erfahren, die intern auf ein geteiltes Echo stieß. Von einigen Redakteuren wird diese Vorgabe als ein bürokratischer Akt gegen Mut und Kreativität gesehen, von anderen Redakteuren dagegen begrüßt.

Kein Wettlauf um den "abgedrehtesten Film"

ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte schon im März nach der Ausstrahlung des Improvisations-TATORTs Babbeldasch gesagt, ihm sei die Krimihandlung, der Markenkern des TATORTs, sehr wichtig. Die Anstrengungen der Redaktionen dürfe nicht in einen Wettlauf münden, "wer den abgedrehtesten Film produziert". 

Herres betonte, dass der TATORT eine Marke sei, um die viele die ARD beneiden. Er lebe von der Synthese aus klarem, verlässlichem Versprechen an die Zuschauer und regionaler wie innovativer Vielfalt". 

Mit Improvisation, Herzblut und Humor auf Tätersuche wollte Axel Ranisch im TATORT Babbeldasch gehen - das Projekt floppte und sorgte für eine senderinterne Diskussion über "Experimente". Nun will die ARD Experimente offenbar mit einer Quote begrenzen. © SWR/Martin Furch

Wie diese ard-interne Vorgabe umgesetzt wird, bleibt weiterhin unklar. Was als "grenzüberschreitend" oder "experimentell" gilt und wer das im Reigen der neun inhaltlich unabhänigen Fernsehspielabteilungen der ARD entscheiden und bestimmen soll, bleibt unklar - und spannend.  Schönenborn erklärte diesbezüglich nur, dass man sich über diese "experimentellen" TATORTe ARD-intern frühzeitig abstimmen und die Filme sinnvoll im Ersten Programm platzieren werde". 

Eine mit Fernsehspielen leitend in einem ARD-Sender befasste Person sagte gegenüber dem TATORT-FUNDUS, dass jetzt "Schluss mit lustig" sei. Womöglich habe derjenige Sender schlicht Pech, wenn der seinen experimentellen TATORT als drittes anmelde und die Quote von zwei Experimenten erschöpft sei.

Innovation und Austesten der Grenzen

Den Wert von Experimenten betonte auch WDR-Fernsehspielchef Prof. Gebhard Henke gegenüber der dpa: "Wir hätten sicherlich angesichts der über 1.000 Stücke nicht das Niveau halten können, wenn wir nicht Innovation und das Austesten der Grenzen ermöglicht hätten." Doch Henke rechtfertigt die Quote offenbar schon, in dem er deutlich macht: "Der klassische Ermittlerkrimi ist und bleibt die DNA des TATORTs".

Wer will die entführte Millionärin zurück?

In den letzten Jahren war die zunehmende Zahl experimenteller und "schräger" TATORTe von Zuschauern und Fans immer wieder kritisiert worden. Aus den TATORT-Redaktionen sei zu vernehmen, dass Zuschauer vor allem dann Sturm laufen, wenn ein Sonntagskrimi das Genre sprengt und die Erwartungen an einen klassischen, realitätstreuen Film mit Auflösung am Schluss nicht erfülle, so dpa. Die BILD-Zeitung hatte den Ton gegenüber unkonventionellen TATORTen in ihrer Berichterstattung immer wieder deutlich verschärft ("Die TATORT-Verarsche" anlässlich der Ausstrahlung von Wer bin ich?) und sich die "entführte Millionärin" als Synonym für den "klassischen Krimi" zurückgewünscht. 

Nach der Ausstrahlung des Improvisations-TATORTs Babbeldasch sprach Programmdirektor Herres dann sein "Machtwort" und forderte indirekt die Fokussierung auf den Krimi im TATORT zurück. 

Das Haus von Fanny (Zazie de Paris) und Paul Brix (Wolfram Koch) steht in Fürchte Dich im Zentrum der Ermittlungen. Hier spukt es ganz gehörig. © HR/Benjamin Dernbecher

Den nächsten "schrägen" TATORT sendet DasErste anlässlich von Halloween am 29. Oktober. Der Frankfurter TATORT Fürchte Dich ist der erste Horror-TATORT in der langjährigen Geschichte des Krimiklassikers und hält Spuk und Geistererscheiungen im Haus des Kommissars Paul Brix für den Zuschauer bereit. 

Die ARD-Verantwortlichen werden die Reaktionen der Zuschauer bei diesem TATORT-Experiment sicher sehr genau beobachten.

Francois Werner


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