Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 23.06.2017.
 
Sie sind hier:  TATORT-FUNDUS > 

Am TATORT-SET

Axel Ranisch: "Wir hauen hier richtig auf die Kacke"

Für den sog. „Improvisations-TATORT“, den 65. Krimi mit Lena Odenthal, inszeniert Axel Ranisch in Ludwigshafen die Folge „Babbeldasch“. Das Team des derzeit dienstältesten TATORT-Formats geht für diese Folge den innovativen Weg der Improvisation. Diese soll größere Möglichkeiten für spielerische Momente schaffen. Unterstützt wird dies durch den Einsatz von Amateurschauspielern. Und:Die bislang konfrontativ zueinander stehenden Figuren Lena Odenthal und Johanna Stern werden ungewohnte und überraschende Seiten zeigen.

 

Seit dem 14. Juni 2016 wird in der Hemshofschachtel, einem Mundart-Theater im Stadtteil Ludwigshafen Hemshof, gedreht. Der TATORT-Plot: Die Gründerin des Ludwigshafeners Theaters, Sophie Fetter, stirbt während einer Vorstellung an einem allergischen Schock. Johanna Stern übernimmt die Ermittlungen und muss die Frage klären, ob Sophie mit Absicht getötet wurde, während ihre Kollegin Lena Odenthal eigentlich Überstunden abfeiern soll. Lena war bei dieser Vorstellung jedoch im Theater und nutzt die Gelegenheit, um inkognito hinter die Kulissen zu schauen. Unter den Theaterleuten gibt es Trauer und Bestürzung, alte Feindschaften und neue Hoffnungen. Immer hatte Sophie alles zusammengehalten, doch auch nach ihrem Tod mischt sie mit, denn sie erscheint Lena im Traum und verlangt von ihr, ihren Mörder zu finden.

Was ist anders an diesem TATORT?

  • "Babbeldasch" ist der erste Improvisations-TATORT ohne fest formuliertes Drehbuch
  • Die Szenen wird vorwiegend in chronologischer Reihenfolge gedreht
  • Neben Hauptdarstellern werden bei dieser Produktion auch sehr viele Amateurdarsteller beschäftigt.
  • Der Film wird in 360° gedreht - der Kameramann kann so auch Spontanes einfangen
  • Die Auflösung des Falles (=Mörder) ist selbst der Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts nicht bekannt
  • Die Stadt Ludwigshafen wird deutlich erkennbarer - so wird Lenas Wohnung nicht mehr im Studio nachgestellt, sondern in einem Loft vor Ort aufgebaut.
  • "Look & Feel" des TATORTs sind laut Ulrike Folkerts anders als sonst
  • In diesem TATORT wird sehr viel Pfälzisch gesprochen - es wird trotzdem keine Untertitel fĂĽr Zuschauer in Bayern oder Hamburg geben

 

Ohne Drehbuch: Profis und Amateure nebeneinander

Eine weitere Besonderheit an diesem TATORT ist, dass die Besetzung sowohl aus Profis und Amateuren besteht. Auch wird erstmals ohne ein ausformuliertes Drehbuch gedreht. Ebenso wird der Krimi in 360° gedreht, um möglichst alle Ereignisse und Reaktionen einfangen zu können. Für die Dreharbeiten wurde die Hemshofschachtel in „Babbeldasch“ (pfälzisch für „Labertasche“ bzw. „Schwätzer“ oder „Quasselstrippe“) umbenannt. Die zugehörigen 25 Ensemble-Mitglieder des Theaters spielen ebenfalls in der TATORT-Folge mit.

Zusammen mit den Darstellern entwickelte Axel Ranisch mit Schauspielcoach Peter Trabner und Drehbuchautor Sönke Andresen in mehreren gemeinsamen Workshops die Biografien der Figuren für diesen TATORT. Auf dieser Basis wurde die Grundstruktur der Geschichte entworfen, die jetzt als Improvisation umgesetzt wird. Für Regisseur Axel Ranisch ist wichtig: „Weil die Dialoge nicht feststehen und wir chronologisch drehen, erleben wir zusammen die ganze Geschichte und stecken mittendrin“.

Ulkrike Folkerts ist vom neuen TATORT-Konzept begeistert Bild: Kai Tobie /Tatort-Fundus

Der Mörder wird nicht verraten

„Unser Produzent Nils Reinhardt und Axel Ranisch haben sich dann auch noch ausgedacht, dass wir als Polizisten nicht erfahren, wer der Mörder ist. Das heißt, wir starten hier mit den Dreharbeiten wirklich völlig blind und müssen herumtapsen und herausfinden was sich hinter diesen Menschen verbirgt.“ sagt Ulrike Folkerts. „Erst dachte ich, das kann nicht Euer ernst sein! Aber tatsächlich ist das total spannend. Ich muss nicht so tun, als wüsste ich nichts. Ich weiß es tatsächlich nicht. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Ich stelle plötzlich ganz andere Fragen. Wir sprechen uns vorher ab, worum es in dieser Szene geht, worauf wir achten müssen, wo es ungefähr hingehen soll und dann werden wir aufeinander losgelassen. Dadurch entstehen wahrlich tolle Momente, da ich nicht weiß was mir meine Kollegen sagen oder wie sie reagieren.“


EindrĂĽcke vom TATORT-Set beim Pressetermin

 
 
 


Lisa Bitter sagt: "Das ist fĂĽr uns Schauspieler ein total groĂźes Erlebnis, weil man sich selber auf nichts konkret vorbereiten kann. ", Bild: Kai Tobie /Tatort-Fundus

Auch Kollegin Lisa Bitter ist erstaunt über das neue Konzept der Improvisationsdreharbeiten: „Die Situationen sind klar, also wir wissen was in den Szenen passieren soll, wir wissen nur nicht wie! Das ist für uns Schauspieler ein total großes Erlebnis, weil man sich selber auf nichts konkret vorbereiten kann. Man kann sich auch schlecht etwas vornehmen. Dadurch wird man ganz frei und Axel sorgt mit seiner Art dafür, das Team zu leiten und an die Hand zunehmen, sodass wir uns sehr wohl fühlen und uns in die Situationen reinfallen lassen können. Hier passiert uns alles Live und man kann uns dabei zusehen.“, sagt Lisa Bitter.

 

Amateur-Darsteller geben alles

Großen Respekt gibt es von den Beteiligten auch für die Darsteller der Hemshofschachtel, die neben der Schauspielerei teils ganz gewöhnlichen Berufen nachgehen und sich extra für den TATORT-Dreh vier Wochen freigenommen haben. Marie-Louise Mott, die die Hemshofschachtel mitgegründet hat und auch Sophie Fetter spielt, hat an den Dreharbeiten großen Spaß: „Isch däärf hier eigentlisch mache, was isch will!“. Im tiefsten Pfälzisch erzählt die Gründerin, wie sie den Regisseur kennengelernt hat: „De Axel is mir so jung vorkumme, isch mään isch werd nächtes Joahr ja schon 70 und dann is des für misch a Biewel! Un dann hab ich gsaagt, ach Gott Biewel, hascht du mitgedäärft? Hab isch gemäähnt, vielleicht isses de Kabelträger.“


WeiterfĂĽhrende Interviews mit...

 
 
 


 

„Den Klassiker neu beleben“

Martina Zöllner, die SWR Fernsehspielchefin, erklärte: „Es gibt eine Sehnsucht bei den Menschen, bei den Zuschauern nach sprachlicher Authentizität. Dass in Krimis nicht mehr so viele stereotype Ermittlersätze fallen, dass die Menschen reden, wie man wirklich redet. Seit ich Axels Filme gesehen und seine Arbeitsweise verstanden habe, wollte ich ihn mit einem klassischen TATORT zusammen bringen."

Zöllner glaubt, damit den TATORT lebendiger zu gestalten und sieht den Improvisations-TATORT als ein interessantes Experiment an. Sie sagt ferner: „Wir arbeiten darüber hinaus mit Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe, Lisa Bitter und den anderen Beteiligten daran, den Klassiker neu zu beleben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies nicht der letzte Ludwigshafener TATORT sein wird, der die Zuschauer erstaunt“, sagte Zöllner.

„Aus dem Leben“

 

Die Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts äußert sich auch zu den Erwartungen der Zuschauer beim TATORT „Babbeldasch“: „Der Film hat, glaube ich, einfach einen anderen Look. Wir haben keine klassische Starbesetzung, wo sie schon lesen können, X und Y spielen mit, na da weiß ich jetzt schon, wer der Mörder ist. Das wird hier alles nicht gelingen. Sie werden hier mit Leuten und Gesichtern konfrontiert, die haben sie im Leben noch nicht gesehen und die wahnsinnig interessant sind. Das reizt mich. Das ist total aus dem Leben. Außerdem darf ich endlich mal wieder Undercover sein, d. h. ich darf nicht als Kommissarin von A nach B rennen und mich zu Tode fragen, sondern ich darf mich verstecken und mich als Ensemblemitglied der Babbeldasch sogar im Film auf die Bühne gehen. Das ist sehr aufregend.“

Folkerts ist auch gespannt, ob die Zuschauer in Deutschland mit dem pfälzischen Dialekt in „Babbeldasch“ zurecht kommen werden. „Ich bin mal gespannt, ob Hamburg und Bayern dann abschalten oder ob sie dranbleiben. Wir werden keine Untertitel darunter machen, da bin ich komplett dagegen“, grinst Folkerts.

 

Auch neu: Lenas neue Wohnung

Lena Odenthal hat ab der Folge „Babbeldasch“ wieder eine Wohnung in Ludwigshafen – im echten Ludwigshafen – und nicht mehr im „TATORT-Haus“ in Baden-Baden, wo Kommissariate und Wohnungen in einem alten Schulgebäude als Kulisse aufgebaut sind. Die neue TV-Wohnung von Lena liegt im Neubaugebiet in der Nähe der WalzmĂĽhle mit Blick auf den Rhein und Ludwigshafen. Auf die Frage, wie sich eine Hauptkommissarin die Lofts in dieser Gegend von Ihrem Gehalt leisten könne, wird augenzwinkernd erklärt, dass Lena Odenthal zum einem jahrelang mit ihrem Kollegen Mario Kopper in einer kleinen WG gewohnt und dadurch Geld gespart hat, zum anderen die reale Wohnung im Film etwas verkleinert wurde, d. h. die Wohnung wird als groĂźes Ein-Zimmer-Loft mit schöner Terrasse dargestellt, dabei werden die anderen Zimmer der Wohnung ausgespart.

Der TATORT „Babbeldasch“ soll im FrĂĽhjahr 2017 in DasErste ausgestrahlt werden.

Kai Tobie /fw


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2017
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite fĂĽr Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3