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TATORT der 1980er Jahre

Duisburg feiert eine große Schimanski-Nacht

„Abenteuerland Hafen: Die große Schimanski-Nacht“ hieß einer der Programmpunkte des Kulturfestivals „Duisburger Akzente“, der vier alte TATORT-Filme in den Mittelpunkt stellte. Regisseur und Schimanski-Miterfinder Hajo Gies führte gemeinsam mit Filmforum-Chef Kai Gottlob in die Veranstaltung ein.

 

„Auf Duisburg kamen wir, weil Duisburg einen Hafen hat“, erklärte Gies zu Beginn. Er habe das Ruhrgebiet bereits gekannt, da er zuvor bereits zwei TATORT-Folgen mit Hansjörg Felmy in Essen gedreht hatte. Rein optisch habe ihm Duisburg von den in Frage kommenden NRW-Städten am besten gefallen. „Es hatte ein bisschen was Morbides“, sagte er und sorgte dabei im voll besetzten Kinosaal des Filmforums für reichlich Gelächter.

"Dick- und Doof-Prinzip"

„Die Kommissare waren nie die Hauptfiguren, sie hatten keine richtigen Eigenschaften“, blickte Hajo Gies auf die Vor-Schimanski-Zeit zurück. Er habe hingegen Filme machen wollen, in denen es um das Verhalten der Kommissare zu dem Fall geht. „Bei der Besetzung ist immer das Dick-und-Doof-Prinzip das Beste“, begründete er die Besetzung der Rollen mit Götz George und Eberthard Feik. „Man muss einen haben, der ausrastet und einen der ruhig bleibt.“ Kai Gottlieb vermutete, dass George sich selbst gespielt habe, worauf Hajo Gies antwortete: „Wir haben viele seiner privaten Eigenschaften übernommen.“

Der Kino-Leiter fragte: „Hatte die Figur einen Hang zum Scheiße-Sagen?“ „Das war uns gar nicht bewusst“, so Hajo Gies, „erst als es in der Bild-Zeitung stand, haben wir es gemerkt.“ Götz George habe der Bild kein einziges Interview gegeben, schilderte Gies das Verhältnis zu der Boulevardzeitung. Als Ulrich Matschoss (Kriminaloberrat Königsberg) erkrankt war, habe der Schauspieler Schwuchow als Kriminalrat Kissling dessen Rolle übernommen. „Wir hatten die Idee, dass wir einen Faschisten zum Vorgesetzen machen“, sagte Hajo Gies mit drastischen Worten. Dieser habe Schimanski permanent kritisiert, wobei man für die Kissling-Texte Originalzitate aus der Bild-Zeitung verwendet hat. „Ab dann ging das“, blickte er auf die Auseinandersetzung mit der Presse zurück.

 

Gies: "Die Figur hat Fernsehgeschichte geschrieben"

„Es gab Flugblattaktionen: Kein Duisburger mag Horst Schimanski“, erinnerte sich Gottlob an die damalige Zeit. „Ich habe beim Drehen keine Aversionen gemerkt. Im Gegenteil“, hat Gies das gar nicht so schlimm empfunden. Er räumte ein, dass das normale Publikum zwischen Fiktion und Wirklichkeit nur schwer unterscheiden könne. „Wir haben an Stellen gedreht, die pittoresk sind.“ Er hätte das von der Bavaria aus München kommenden Team hier „ja nicht einen Wald filmen lassen“ können.

"Schande, abgeschossen zu werden" 

„Die Figur hat Fernsehgeschichte geschrieben“, stellte Kai Gottlob fest. „Als immer mehr woanders gedreht wurde, hat die Figur ihre Bodenhaftung verloren.“ „Das finde ich auch“, unterstrich Hajo Gies. Für die ersten Filme sei drei Wochen in Duisburg gedreht worden, später zwei Wochen und dann nur noch drei Tage. „Die Menschen hier sind andere als die Menschen in München.“ Bei einem Dreh in einer Münchener Kneipe habe er den Statisten verbieten müssen, etwas zu sagen, beschrieb er die Probleme, die allein der dortige Dialekt bedeutet hat. Dies sei auch ein Grund dafür gewesen, 1991 mit der Duisburger TATORT-Reihe aufzuhören. Es wäre eine Schande gewesen, abgeschossen zu werden, sagte Gies. „Da hörten wir lieber selbst auf.“

Auf die Publikumsfrage, wie er das mit der Horst-Schimanski-Gasse und den Stadtführungen veränderte Umgehen der Stadt mit Schimanski einschätze, sagte Gies: „Das hätten sie schon früher machen können.“ Auch die Debatte darüber, ob eine fiktive Figur Namensgeber einer Straße sein könne, habe er verfolgt. Noch interessanter habe er die Frage gefunden, ob man die Gasse nach einer noch lebenden Person benennen dürfe. Wenn es nach ihm gehen würde, bewertete Gies die Größe der Wertschätzung für die TATORT-Figur, könne es auch eine Horst-Schimanski-Allee geben.

 

Vier Schimanski-TATORTe aufgeführt...

Nach dem Gespräch mit Gies und Gottlieb startete die Filmreihe mit den Hajo-Gies-Tatortfolgen Duisburg-Ruhrort (1981), Der unsichtbare Gegner (1982), dem Kinofilm Zahn um Zahn (1985) sowie Der Fall Schimanski (1991). „Die volle Formatbreite wird es nicht geben“, warnte Kai Gottlob schon vorher und wies darauf hin, dass es eben eine 35 Jahre alte Fernsehproduktion sei. Tatsächlich erwies sich die Bildqualität des Auftaktfilms als außerordentlich schlecht, was erhebliche Zweifel daran aufkommen lässt, ob das Umgehen mit den noch existierenden Kopien von Duisburg-Ruhrort ihrer fernsehhistorischen Bedeutung entspricht. Die Begeisterung der im Filmforum-Saal versammelten Fans, die den Text teilweise mitsprechen konnten, trübte das jedoch nicht.

...mit Currywurst-Pause

In der Currywurst-Pause, die die Schimanski-Nacht unterbrach, wies Hajo Gies darauf hin, dass er den Film mit sehr wenig Licht gedreht habe. „Wir wollten kein Hochglanz-Fernsehen machen“, sagte er im Gespräch mit tatort-fundus.de, weswegen am Anfang auch der Fernseher aus dem Fenster geflogen sei. Trotzdem sei er mit der soeben gezeigten Bildqualität sehr unzufrieden. So fleckig, wie die Schimanski-Jacke auf der Kinoleinwand aussah, sei sie niemals gewesen, unterstrich Hajo Gies.

Harald Schrapers; horstschimanski.info


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