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Interview Gunther Witte

"Alle sollen so weiter machen wie bisher"

Der TATORT-Erfinder Gunther Witte über die 46-jährige Kriminalreihe - wie sie sich verändert hat und wie sie sich zukünftig entwickeln sollte.



 

Sie haben heute bei der PressevorfĂĽhrung sehr aufmerksam den 1000. TATORT verfolgt. Wie hat er Ihnen gefallen?

Witte: Mir hat er gut gefallen, wegen seiner spannenden Geschichte, der hervorragenden Schauspieler-Leistungen und auch wegen seiner optischen Gestaltung. Dass die Kommissare hier absolut ungewohnte Rollen spielen, stört mich nicht. Es gibt ja immer wieder Leute, die bei Abweichungen von der Norm voreilig sagen: „Das ist doch kein TATORT!“ Spätestens seit dem großen Erfolg des hr-TATORTs „Im Schmerz geboren“ würde ich so etwas nicht mehr sagen. Das hat auch damit zu tun, dass es den TATORT schon so lange gibt und er auf festen Füssen steht. Ich musste ja anfangs allen Beteiligten Kriterien vorgeben, die ich bewusst sehr weich formuliert habe, um den Redakteuren und Produzenten ihre Besonderheiten zu ermöglichen. An die Grundvereinbarungen mussten sie sich aber alle halten, und das ist im Prinzip bis heute so geblieben.

 

Sind Sie stolz, dass der TATORT 46 Jahre, nachdem Sie ihn auf den Weg gebracht haben und sich damit auch ein Denkmal gesetzt haben, in der ARD so ausgiebig gefeiert wird?

Witte: Ich bin vor allem stolz, dass ich heute noch da bin (lacht). Im Ernst: Ich bin sehr stolz darauf. Und immer wieder kommen Situationen, in denen auch die ARD ihre Tiefs hat, in denen der erfolgreiche TATORT besonders nützlich ist. Dann denke ich manchmal: „Verdammt, ohne mich hätte es den TATORT gar nicht gegeben!“

Wie stark hat sich der TATORT Ihrer Meinung nach verändert?

Witte: Ich finde, er hat sich im Prinzip gar nicht so stark verändert. Und je mehr TATORTe es gibt, desto häufiger fällt auch mal einer aus der Reihe und fällt dadurch wieder besonders auf. Ich habe zum Beispiel bei den Münsteraner TATORTen am Anfang gedacht, ob es richtig ist, das so als Krimikomödie zu machen, aber ich denke, das ist gut gelungen. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass der TATORT von vorneherein keine Kriminalreihe war, die reine Krimis präsentiert hat, sondern auch noch ganz andere Ebenen hatte, mit gesellschaftlichem und sozialkritischem Ansatz. Das ist sehr wichtig, weil es den TATORT auch von den üblichen – deutschen und ausländischen – Krimi-Serien abhebt.

 

Ist das Erfolgsgeheimnis des TATORTs, dass er sich immer wieder anpasst, sich so immer „frisch“ hält?

Witte: Ja, und vor allem: nicht zurückzubleibt, hinter dem, was an Entwicklungen da ist. Ich meine, was in unserem Land passiert ist, seit Beginn des TATORTs, das bildet die Krimireihe ja ab. Wenn der TATORT ein reiner Krimi wäre, der nur Krimigeschichten erzählen würde, dann hätte das sicher nicht so lange funktioniert. Es gibt ja diesen Ausspruch - ich weiß gar nicht mehr, wer das gesagt hat: „Wenn je Menschen vom anderen Stern auf die Erde kämen, dann sollten sie sich mal alle TATORTe anschauen, und sie würden dann erfahren, was in Deutschland während dieses halben Jahrhunderts passiert ist.“

War das nicht Dietmar Bär, der den Kölner Kommissar Freddy Schenk spielt?

Witte: Ach ja, (lacht)…..und das ist ja auch nicht verkehrt.

Haben Sie als „Übervater“ und zeitweiser „Wächter“ des TATORTs einen Lieblings-Ermittler oder eine Lieblingsfolge?

Witte: Witte: Das ist schwer zu sagen. (zögert) Aber immer wieder lande ich da bei Schimanski …

… den Sie ja auch mit aus der Taufe gehoben haben.

Witte:....Ich habe da mitgeholfen, ja. Schimanski ist bei der Bavaria-Produktion in München erfunden worden, aber wenn ich gesagt hätte, so was Verrücktes wollen wir nicht, dann wäre es nicht gekommen.

Wollen Sie Ihrem „Baby“, dem TATORT, für die nächsten 1000 Folgen noch etwas mit auf den Weg geben – oder braucht es Ihren Rat gar nicht mehr?

Witte: Nein, eigentlich nicht. Ich wĂĽrde sagen, im Prinzip sollen alle so weiter machen wie bisher - mit der Anpassung an die gesellschaftliche Entwicklung, das ist wichtig.

Das Interview fĂĽhrte Francois Werner


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