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TATORT-Literatur

Vorlage für drei HR-TATORTe: "Auf der Spur des Bösen"

Der aktuelle HR-TATORT "Es ist böse" wie auch der Vorgänger "Der Tote im Nachtzug" und eine kommende Folge des Teams Steier und Mey beruhen auf authentischen Fällen. Diese sind dem Buch "Auf der Spur des Bösen" entnommen, in dem Deutschlands bekanntester Profiler Axel Petermann seine schwierigsten Fälle schildert.

 Axel Petermann: Auf der Spur des Bösen. Ullstein, 2010, 304 Seiten. ISBN 3548373259

TATORT-Folgen, die auf realen Fällen beruhen und auch authentische Ermittlerarbeit darstellen, sind eine Seltenheit. Drei Fälle des neuen Frankfurter Teams Steier und Mey fallen in diese Kategorie. Die Drehbücher von Der Tote im Nachtzug, Es ist böse und Im Namen des Vaters (Arbeitstitel) basieren auf Fällen des Bremer Kommissars Axel Petermann, der als Pionier des Profilings in Deutschland gilt. Nach seiner Tätigkeit als Bereitschaftspolizist wechselte er in der Mordkommission und arbeitet seit 1999 als Fallanalytiker. Zusätzlich lehrt er Kriminalistik und berät seit längerem die Bremer TATORT-Redaktion. In seinem Buch "Auf der Spur des Bösen" schildert er die Arbeit eines Profilers anhand zahlreicher authentischer Fälle, die anonymisiert, aber sehr detailgetreu widergegeben werden.

Verstümmelte Leichen und Serienmörder

 "Der Tote im Nachtzug" basiert auf Petermanns Buch. Bild: Bild: HR/Johannes Krieg

Petermann schildert vier Fälle im Detail und fasst in einem fünften Kapitel wichtige Erkenntnisse aus anderen Fällen zusammen. Im ersten Kapitel werden die Ermittlungen durch den Fund einer verstümmelter Frauenleiche in einem Plastiksack angestoßen. Nach der Spurensicherung und der Identifikation der Toten folgte mühsame Ermittlungsarbeit, wobei sich nicht alle Zeugenaussagen als verlässlich herausstellten. Im folgenden Fall ist die Suche nach einem Motiv entscheidend: Ein Mann gesteht die Serienmorde an drei Prostituierten, will sich jedoch nicht zu Hintergründen und Motiven äußern. Durch intensive Fallanalyse kann Petermann letztendlich ein gültiges Muster finden. Das dritte Kapitel widmet sich den Ermittlungen rund um einen toten Bundeswehr-Sanitäter, der erschossen im Schlafwagen eines Nachtzuges entdeckt wird. Der letzte detailliert geschilderte Fall beinhaltet die erste DNA-Untersuchung bei einem in Deutschland begangenen Mord. Ähnlich wie später auch in den TATORTen Howalds Fall und Allein in der Falle zeigt sich, dass DNA-Analysen immer kritisch zu hinterfragen sind. Das abschließende Kapitel enthält mehrere kurz geschilderte Fälle, die sich im Profiling alle als Beziehungstaten entpuppten.

Die Gesamtheit der Spuren ist entscheidend

Auch die beiden nächsten Fälle von Steier und Mey werden auf Vorlagen von Petermann beruhen. Bild: HR/Johannes Krieg

Neben den eigentlichen Fällen erklärt Petermann auch kriminaltechnische Vorgänge und Fachbegriffe im Detail und geht vor allem darauf ein, welche Aufgaben ein Profiler überhaupt hat. Ein solcher Fallanalyst ist nicht ins Tagesgeschäft des Morddezernats eingebunden, sondern wird nur bei schwierigen Fällen hinzugezogen und hat mehr Zeit, Zusammenhänge, Theorien und Profile zu erschließen. Sein Einfluss hängt im Wesentlichen von den ermittelnden Beamten und deren Haltung zum Profiling ab, da der Fallanalyst lediglich Ermittlungsempfehlungen geben kann. Bei seiner Tätigkeit muss der Profiler aus den vorgefundenen Spuren Rückschlüsse auf das Profil und Verhalten des Täters schließen. Dabei gilt es, Details weder zu übersehen noch falsch zu bewerten. Auch Aspekte, die sich nach Aufklärung des Falles abspielen und in Kriminalfilmen kaum zu sehen sind, werden beleuchtet. So führt Petermann einige Jahre nach den Gerichtsverhandlungen nachträgliche Täterbefragungen durch, um seine ursprünglich erstellten Täterprofile zu überprüfen.

Das Buch ist für all diejenigen interessant, die mehr über die tatsächlichen Vorgänge bei Mordermittlungen und das realtiv neue Feld des Profiling erfahren wollen. Die Fälle werden nüchtern und ohne nachträgliche Dramatisierung erzählt, sodass Petermann auch Fehler während der damaligen Ermittlungen nicht verschweigt. Man liest dieses Buch mit einem anderen Bewusstsein als fiktionale Kriminalgeschichten und gewinnt die Erkenntnis, dass die Realität oft drastischer und weniger logisch ist als es in Kriminalfilmen dargestellt wird.

Timo Bredehöft


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