Neben den eigentlichen Fällen erklärt Petermann auch kriminaltechnische Vorgänge und Fachbegriffe im Detail und geht vor allem darauf ein, welche Aufgaben ein Profiler überhaupt hat. Ein solcher Fallanalyst ist nicht ins Tagesgeschäft des Morddezernats eingebunden, sondern wird nur bei schwierigen Fällen hinzugezogen und hat mehr Zeit, Zusammenhänge, Theorien und Profile zu erschließen. Sein Einfluss hängt im Wesentlichen von den ermittelnden Beamten und deren Haltung zum Profiling ab, da der Fallanalyst lediglich Ermittlungsempfehlungen geben kann. Bei seiner Tätigkeit muss der Profiler aus den vorgefundenen Spuren Rückschlüsse auf das Profil und Verhalten des Täters schließen. Dabei gilt es, Details weder zu übersehen noch falsch zu bewerten. Auch Aspekte, die sich nach Aufklärung des Falles abspielen und in Kriminalfilmen kaum zu sehen sind, werden beleuchtet. So führt Petermann einige Jahre nach den Gerichtsverhandlungen nachträgliche Täterbefragungen durch, um seine ursprünglich erstellten Täterprofile zu überprüfen.
Das Buch ist für all diejenigen interessant, die mehr über die tatsächlichen Vorgänge bei Mordermittlungen und das realtiv neue Feld des Profiling erfahren wollen. Die Fälle werden nüchtern und ohne nachträgliche Dramatisierung erzählt, sodass Petermann auch Fehler während der damaligen Ermittlungen nicht verschweigt. Man liest dieses Buch mit einem anderen Bewusstsein als fiktionale Kriminalgeschichten und gewinnt die Erkenntnis, dass die Realität oft drastischer und weniger logisch ist als es in Kriminalfilmen dargestellt wird.
Timo Bredehöft