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Jubiläums-Publikationen der ARD

Früher war alles besser

Fast zu jedem TATORT-Jubiläum gibt die ARD Sonderpublikation heraus. Sie enthalten meist rücklickende und ihrer Grundstimmung jubilierende Texte von TATORT-Verantwortlichen oder Kritikern. Der Trend dabei ist eindeutig: Inhalte werden immer unwichtiger, großes Layout und ein wolkiger, austauschbarer PR-Stil machen auch vor dem TATORT nicht Halt. Ein kritischer Rückblick auf die Sonderpublikationen zu den TATORT-Jubiläen der letzten 37 Jahre

Der 100.te TATORT (1979)

Zum ersten großen TATORT-Jubiläum, dem 100. TATORT, wurde in der Publikation "ARD-Fernsehspiel" (Ausgabe 2/1979) ein Interview mit Erfinder Gunther Witte veröffentlicht. Martin Wiebel, Redakteur beim WDR, ist mit einem Tonbandgerät bewaffnet und verhört den Geständigen Kollegen Witte zu Motiven, Komplizen und Tatbeständen. "Ohne TATORT geht es eben nicht" sagt dieser und blickt zurück auf damals 10 Jahre TATORT-Geschichte. Und der sonst zur Neutralität verpflichtete "Berufsverbrecher" hat auch eine Vorliebe, bezeichnet die "Finke"-TATORTe von Petersen/Lichtenfeld/Schwarzkopf als die besten der TATORT-Reihe.

Das Interview ist hier nachzulesen [mehr].

 

 

Der 200.te TATORT (1987)

Die wohl beste "Jubiläumsschrift" war die zum 200.ten TATORT-Beitrag, erschienen als Sonderpublikation zum ARD-Pressedienst in der Woche 51/1987.

Sie geht wie keine andere vorher und später auf 20 Seiten auf so deutliche und ergebnisreiche Spurensuche - und führt so viele Details an den Tag. Untersucht den TATORT als Exportartikel, hat Nachrichtenwert, denn es veröffentlichte einen Brief an einen TATORT-Redakteur - über einen Film, der noch gar nicht gesendet war zu dem Zeitpunkt, kündigte sogar  schon das Bülow-Ende beim SFB an und skizzierte jede Ermittlerfiguren gewohnt sachlich, und doch amüsant. Lenz als Algenfresser und Fliegentröger Brinkmann ebenso  und gibt dem neuen Stuttgarter TATORT-Kommissar Schreitle eine interessante Vita - stellt letztlich auch den neuen SR-TATORT mit Kommissar Max Palu vor.  Was nicht fehlen darf ist ein ARD-Oberer , und diesmal ganz interessant "geschichtsträchtig" quasi: der erste TATORT-Koordinator, der damalige SDR-Fernsehdirektor Horst Jaedicke darf eine kleine schriftliche Festtagsrede reden. Er war es, der dem TATORT zu Beginn erst mal nur 2 Jahre gewähren wollte.....

Ungewohnt kritisch fragt die Publikation bezogen auf den damals noch jungen NDR-Kommissar Paul Stoever, ob "TATORT als Personality-Show?" in Ordnung geht....

Eine wunderbare Publikation, die sich dem TATORT themengerecht nähert  - und nicht wie die weichgespülten PR-Broschüren später -  eine mit viel "Tiefgang" ist... [mehr]

 

20 Jahre TATORT (1990)

Es ist Egon Netenjakob, der sich nach 20 Jahren TATORT in einer kleinen Sonderpublikation (ARD 48/1990) zu diesem feierwürdigen Ereignis auslassen darf. In 14 kurzen Abschnitten nimmt er den Leser auf einen Streifzug, der dann auch aufgrund der Fülle des Stoffes vorzeitig abgebrochen werden muss. Unter dem Leitspruch "Der Regionale Krimi und das Publikum - 20 Jahre TATORT" untersucht Netenjakob die Facetten des Krimi-Klassikers. 

"TATORT ist ein Vorspann" schreibt  Netenjakob und meint: im Grunde ist nur der Vorspann die Gemeinsamkeit jedes TATORT-Krimis - alles andere ist nicht auf einen Nenner zu bringen. Netenjakob reist über Wien, München und Stuttgart nach Duisburg,  Hamburg und Essen  und blickt auf 236 Folgen zurück und kommt zum Ergebnis: "Den TATORT zu beschreiben ist unmöglich"

Eine Gemeinsamkeit neben dem Vorspann findet er aber doch noch: kein TATORT wurde von Derrick-Autor Herbert Reinecker geschrieben.....

300.ter TATORT (1994)

Zum 300.TATORT am 11.Dezember ("...und die Musi spielt dazu") gab die ARD erstmals eine gebundene Broschüre zur Krimireihe heraus. Darin enthalten waren alle Daten zu den 300 TATORT-Folgen: Sendedatum, Titel, Kommissar, Autor und Regisseur. Daneben wurden Autoren, Fernsehdirektoren, Programmchefs und eine Wissenschaftlerin gebeten, ihre ganz eigenen Gedanken zum TATORT niederzuschreiben. Herausgekommen sind dabei lesenwerte Abhandlungen, die jedem Fan und Nicht-Fan interessante Neuigkeiten und Hintergründiges liefern. In dieser Jubiläumsbroschüre kommen auch die Darsteller der wichtigsten Ermittler zu Wort und erzählen, wie sie an die Rolle gekommen sind. Einer der besseren TATORT-Broschüren. [mehr]

 

400.ter TATORT (1998)

Langsam sinkt das Niveau und die Ansehnlichkeit der Sonderpublikation zum 400. TATORT. Neben den statistischen TATORT-Daten schreiben nur Regisseur Dominik Graf und Kritikerin Ponkie wirklich Erhellendes. Alles andere ist "ARD-Kram":

TATORT-Koordinator Kellermeier lobt den Krimi-Klassiker routiniert als Eigengewächs  - eine wirklich interessante Lektüre ist die Broschüre nicht, auch die fehlerhafte Statistik im hinteren Teil des TATORTs und ein distanzierter Abriss von Lars Jacob (ARD-Programmdirektion) haut den Leser nicht vom Hocker. Auch das Layout der Broschüre ist gewagt und nahezu abstrakt - so weit von der Optik, aber auch dem Thema TATORT, war keine andere Broschüre in der langen Geschichte des Krimi-Klassikers entfernt. [mehr]

30 Jahre TATORT (2000)

Die Broschüre zu 30 Jahren TATORT kommt erstmals fast vollständig in Farbe daher. So wie jeder Film in der langen Geschichte des Krimi-Klassikers ein Farbklecks ist, räumt dieser im Verhältnis zu den Vorgänger-Broschüren zu Nummer 300 und 400 dünne Sonderdruck dem TATORT relativ viel Raum ein.

Natürlich müssen TATORT-Erfinder Witte ("Trau keinem über 30!") und Programmdirektor Struve was zu der ARD-Pflanze TATORT sagen, aber es reiht sich gut ein zwischen den Informationen zum Jubiläumsfall, den nächsten Folgen. MDR-Fernsehspielchefin Jana Brandt stellt fest "Im Osten was Neues" und lobt den einzigen wirklichen ostdeutschen TATORT, der im Jubiläumsfall mit von der Partie ist; spielt er doch dort, wo die Krimi-Reihe ihren Anfang nahm: in Leipzig.

Und diese immer mehr zu PR-Broschüren werdenen TATORT-Jubiläums-Publikationen vergisst nicht, die wiederum sehenswerte Dokumentation "Mord nach der Tagesschau" anzupreisen, die nach dem Jubiläumsfall in der ARD gezeigt wird. Informationsreich ist sie, schön zu lesen auch - die 30-Jahre-Broschüre, auch wenn so manch andere Publikation in diesen Tagen dem Thema besser gerecht wird... [mehr]

500.ter TATORT (2002)

 

Die 500 Folgen TATORT sind leider nur der Anlass, die "Hülle" für diese Broschüre. Denn der Krimi-Klassiker, die Hintergründe und viele interessante Details werden nicht mehr bemüht - die Broschüre zum Jubiläum ist längst kein Kompendium zum Stöbern mehr, nur noch reine PR-Aktion.

Deutlich im Vordergrund stehen in dieser Sonderpublikation der ARD vielmehr die neuen Ermittler - und Ermittlerinnen - , welche die ARD in den Tagen vor dem  Jubiläum an den Start schickt. Fast hätte es einen Hättrick gegeben - drei neue Ermittler hintereiander, die den TATORT "verweiblichen" und mehr von der Großstadt in die Provinz bringen, nach Hannover, an den Bodensee oder ins Münsterland - nur der Neuanfang in Frankfurt wird großstädtisch, kritisch und gesellschaftsrelevant.

Die Broschüre beleuchtet ausführlich diese Neuzugänge und den Jubiläums-TATORT aus Bremen - der das deutscheste Thema überhaupt auftischt, den Fußball - mehr aber nicht . Vielleicht war die Farbwahl für die Broschüre auch psychologisch begründet: grün, wie die Farbe der Hoffnung, sollte wohl helfen, den neuen Ermittlern den Weg in die Wohnzimmer und Herzen der Zuschauer zu ebnen. Wie wir heute wissen:  erfolgreich geebnet, ARD!  [mehr]

600.ter TATORT (2005)

"Viele Bilder, wenig Inhalt": So lässt sich die wunderschön gestaltete Marketing-Broschüre zum 500. ten - ach nee, wir sind schon beim 600.ten - TATORT treffend beschreiben. Der Krimi-Klassiker wird zur Massenware, die Abstände zwischen den Jubiläen werden immer kürzer, es gilt die Ermittlerfiguren großformatig abzulichten und Inhalte immer kleingedruckter zu platzieren. Inhalte werden immer unwichtiger, das zeigt die Broschüre ganz deutlich. Scha(n)de.

Leider stellt die Broschüre "nur" die aktuellen Ermittler vor und hat einen größeren Statistikteil, der nur geringfügig aktualisiert wurde. Die Folgen um das Jubiläum herum werden selbstmurmelnd noch vorgestellt - aber über die immer längere Geschichte, die Hintergründe, des TATORTs erfährt der Leser nichts. Wieder scha(n)de.

Wie soll der Kult-Faktor des TATORTs eigentlich denjenigen erklärt werden, die jünger als diese TV-Ikone sind, woher sollen die jüngeren Generationen mehr erfahren über Hintergründe, auch Anspruch und Wandlung des Krimi-Klassikers, wenn nicht durch eine Broschüre der Macher?  Die ARD nutzt diese Chance nicht, wird sie wohl auch zum 700.ten nicht nutzen. Ganz viel scha(n)de. [mehr]

700.ter TATORT (2008)

Auch die Broschüre zum 700. TATORT ist wieder mordsmäßig hochglanzpoliert worden. Das kann aber auch dieses Mal wieder nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie viele Fehler enthält - sehr viele. Auch substanziell gab es schon bessere Broschüren - dieses Mal sind neben einem obligatorischen Vorwort des Fernsehdirektors der ARD kaum interassante Texte vorhanden; sieht der geneigte Leser von dem TATORT-Projekt über die Landkarten ab, das Björn Bollhöfer und Christian Hanewinkel auf die Beine gestellt haben.

Sie widmen sich dem TATORT geografisch  - er ist auch für eine wissenschaftlich geographische Erörterung geradezu prädestiniert. Denn mit dem Krimi TATORT hat die föderalistische Struktur der ARD eine reizvolle Idee hervorgebracht, die landschaftlich wechselnde Schauplätze in ein Reihenkonzept für Regionalkrimis integriert. Einen Schlüssel zum Erfolg der Reihe liefert die von den Sendern selbst definierte Intention, die Identität unterschiedlicher Landstriche und die regionale Besonderheit des jeweiligen Sendegebiets möglichst authentisch darzustellen.

Bollhöfer und Hanewinkel haben den Großteil der deutschen TATORT-Dienst- und Handlungsorte, auch die fiktiven Orte in den vielen ARD-Krimis auf einer großen TATORT-Deutschlandkarte abgebildet, sehr detailreich und für Freunde der Krimireihe sicher das einzige Highlight dieser Broschüre. [Die Karte wurde mit mittlerweile mit dem tatort-fundus zusammen aktualisiert (In Kürze mehr)].

Nicht gelungen ist der statistische Teil, die Folgen- und Ermittlerliste. Hier strotzt die Broschüre voller Fehler, führt den Freund des Krimis in die Irre - völlig unnötig und auf ärgerliche Weise.Wieder einmal belässt es die ARD  bei einer inhaltlich dünnen Broschüre. Keine lesenswerten oder interessanten Hintergrundtexte oder -sammlungen, beispielsweise Dokumente, Papiere und Erinnerungen an die Zeit, als TATORT noch ein jung war und in den Kinderschuhen steckte. Der TATORT wird "abgefeiert", er wird mit dieser Broschüre keineswegs geehrt - leider. Wer so mit seiner Marke umgeht, muss sich nicht wundern, dass die Marke nicht mehr so geschätzt wird, wie es früher der Fall war. Extrem Schade. [mehr]


Francois Werner


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