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Zeitreise mit TATORT

Der Zuschauer sieht, wie sich sein Land verändert

Der Krimi-Klassiker TATORT ist mit mehr als 800 Folgen und einer mehr als 40-jährigen Geschichte einzigartig. Der TATORT erzählt dabei nicht nur dramaturgische Geschichte(n), sondern beleuchtet zwangsläufig auch die bundesrepublikanische Geschichte.

Beschäftigte sich in allen Lebenslagen gleich mit mehreren Frauen gleichzeitig: Kressin, der "Lümmel vom Zoll". (Bild:WDR)

Bei Jubiläen warten die verantwortlichen Programmacher der ARD gerne mit Zahlen auf. So und so viele Ermittler gab es schon, so und soviele Folgen wurden schon gezeigt. Die beste Quote lag so hoch und so viele Zuschauer sahen die und die Folge - zusammengenommen haben so und so viele Bürger den Krimi-Klassiker schon mal geschaut, so und so viele Leichen wurden dahingerafft, und die Zahl der überführten Mörder lag bei so und so viel. Als würden Zahlen den TATORT erklären können.

Durch Zahlen nicht zu erklären

Der Krimi-Klassiker ist durch Zahlen alleine nicht zu erklären; Zahlen zeigen nur das Ausmaß an, die Ausprägung des beliebtesten Fernsehkrimis der Nation. TATORT sind erstmal über 700 Folgen und über 70 Ermittlerfiguren mit ihren Macken und Schrullen an unterschiedlichen Einsatzorten. TATORT ist aber mehr. Mehr als nur ein erfolgreiches Fernsehformat, das in den 70er Jahren dem ZDF-Kommissar Paroli bieten sollte.

Kommissar Veigl in den 70er Jahren - Szene aus Als gestohlen gemeldet. Bild:BR

Länderspiegel mit Leichen

Mehr als "nur" ein Kraftakt der förderalen ARD, sich auf ein gemeinsames Krimi-Format zu einigen, wo jede Anstalt doch etwas eigenständiges beisteuern konnte. "Länderspiegel mit Leichen" heisst er bei einigen deshalb auch, nutzt er in der Fernsehlandschaft die förderale ARD-Struktur aus und zeigt seinen Förderalismus auch in den Handlungsorten: TATORT ist bisher in jedem Bundesland zu Besuch gewesen, einzig Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpormmern bilden - bis auf wenige Stippvisiten - eher weiße Flecke auf der deutschen TATORT-Karte. Es war der Antrieb des TATORT-Erfinders Günter Witte, diese "Schwäche der ARD" in eine Stärke umzumünzen.

Menschen und Haltungen ändern sich

TATORT ist Geschichte, eine Zeitreise durch die Gesellschaft, durch das Land Bundesrepublik Deutschland. In keinem anderen Fernsehkrimi sieht man die Gesellschaft sich gleichsam verändern, kein Wunder - keine Krimireihe ist so langliebig wie der TATORT: Kleidungen, Frisuren, Häuser und Wohnungseinrichten, auch Autos auch sogar Haltungen werden offensichtlich, ändern und erweitern sich. Heute wird bequem mit dem Handy telefoniert, aber auch 1975 galt Kommissar Lutz in seinem VW in Ulm als fortschrittlich, wenn der mit einem Riesentelefonhörer aus dem Auto heraus seinen Kollegen in Saarbrücken anrufen konnte.

Teilen sich das Bett: Kain und Ehrlicher in Einsatz in Leipzig

Was die Republik damals bei Zollfahnder Kressin aufregte, als der mit zwei Frauen gleichzeitig sexuelle Beziehungen pflegte, stört heute niemanden mehr. Wenn in den 70er Jahren beim Reifezeugnis noch das Verhältnis von Lehrer und Schülerin ein Skandal darstellte, lockt dies heute niemanden mehr vor dem Ofen hervor. TATORT entwickelt sich weiter - genau wie die Gesellschaft, die Deutschen.

Themen der Zeit

Die Art zu Morden hat sich in 40 Jahren TATORT genauso weiterentwickelt, wie die Themen, welche die Gesellschaft bewegen - und die der TATORT immer noch aufgreift. Themen der Zeit eben - in den 70er Jahren noch visionär, heute Alltag - werden im TATORT behandelt: : Wiedervereinigung, RAF-Terrosimus, Nazi-Vergangenheit, Abtreibung, Organhandel, der Kalte Krieg, deutsche Teilung, Mauerfall, Massenarbeitslosigkeit, Globalisierung ? das alles findet (auch) im TATORT statt. Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen in Afghanistan oder auf dem Balkan werden in die Mordgeschichten eingeflochten. Der TATORT ist ein Kaleidoskop, in dem der Zuschauer sieht, wie sich sein Land verändert.

Altmodische Einrichtung, zeitloses Thema in einer modernen Zeit. Bild aus Sterben fĂĽr die Erben. Bild:SWR

Aber auch die Krimi-Klassiker-Motive "Eifersucht" und "Rache" fehlen nicht im TATORT, zielgenaue Sozialkritik und auch sehr untypische Filme bringt die Reihe - zum Leidwesen einiger engstirniger "Fans" - ebenso hervor. TATORT ist und bleibt Vielfalt. Auch die Ermittler entwickeln sich weiter: frĂĽher der strenge Beamtentypus, heute das lockere, gemischgeschlechtliche Team, das sich auch privat das Leben - manchmal sogar die Wohnung oder das Bett - teilt, sogar mal miteinander verheiratet war.

Glasklarer Trend: Ermittler werden immer wichtiger, geraten in den Vordergrund. Der Zuschauer will seine Helden näher kennenlernen. TATORTe funktionierten in den 70ern über den Mordfall, heute immer mehr über die Ermittlerfigur und seine persönliche Vergangenheit und Lebenserfahrung.

Gab der Ermittler früher seine Meinung zu einem gesellschaftsrelevanten Thema nicht preis, ist dies heute fast ein Muss. Lena Odenthal kritisiert Zwangsheirat bei Türken, Sterbehilfe oder den Schlankheitswahn bei dünnen Fotomodels; Batic und Leitmayr zeigen Zivilcourage und helfen einer Thailänderin, das Land zu verlassen, obwohl sie einen Mord begangen hat, prangern Abschiebungen an, legen sich mit einer Sekte an oder zeigen den streßigen Alltag bei Streifenpolizisten in ihrem wunderbar eingefangenen München.

2007: Emotionen zwischen Kommissar und Staatsanwältin - 1970 undenkbar! Szene aus Liebeshunger, Bild:NDR

Provinzialisierung des Krimis

TATORT drängt mit jeder Folge immer mehr in das Land Deutschland ein: Anfangs nur auf Großstädte bezogen, hat er die Provinz, das Regionale längst erkundet, entdeckt und kriminaltechnisch aufbereitet. Der Bayerische Rundfunk läutete 2008 gar eine "Heimatkrimi"-Reihe ein.

Wenn TATORT immer (auch) Fiktion ist: Soziologen bestätigen, dass im TATORT nahezu alles aufgegriffen wird, was in der Gesellschaft real ist: Themen, Berufsgruppen, Umstände, Rahmenbedingungen...

Es ist und bleibt nicht leicht, den TATORT zu erklären, ihn zu fassen, das Phänomen zu beschreiben. TATORT ist zwar Fiktion, ja, aber irgendwie auch nicht nur. Die Rahmenbedingungen, das was erzählt und gezeigt wird, sind der Realität des Zuschauers entnommen.

Das macht ihn so spannend.

Francois Werner


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