Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 25.06.2016.
 
Sie sind hier:  TATORT-FUNDUS > Lexikon > Vorspann > 

TATORT-Vorspann

Unter "Fernseh-Denkmalschutz"?

Seit mehr als 40 Jahren wissen Zuschauer sofort, was folgt, wenn auf das sich umschauende Augenpaar und die rennenden Beine auf nassem Asphalt der Fingerabdruck im TATORT-Vorspann folgt: Mord und Totschlag, zur besten Sendezeit, quotenträchtig und für viele der Ausklang des Wochenendes. Den TATORT-Vorspann gibt es seit mehr als 40 in dieser Form; verändert wurde er kaum.

Das Auge im Fadenkreuz - Markenzeichen des TATORT-Vorspanns

Zeitlos ist er ja, der TATORT-Vorspann. Und auch wenn die Macher der Fernsehkrimis immer wieder extra betonen - es gar als Bestandteil des Urkonzepts sehen, der TATORT sei ein zeitgemäßer Krimi, bezeugt der TATORT-Vorspanns das Gegenteil: es gibt kaum eine Entwicklung, was das Signet angeht: die ARD hat das 32-Sekunden Filmchen nie wirklich verändert.

Der Vorspann scheint damit eine der langelebigsten Fernsehlegenden überhaupt zu sein. Zugleich scheint sie wie die Würde des Menschen fast unantastbar zu sein, sozusagen unter "Fernseh-Denkmalschutz" zu stehen: Mussten andere TV-Flaggschiffe wie "Tagesschau", "Die Ziehung der Lottozahlen" oder kürzlich auch der "Polizeiruf 110" mehrfach ihr Signet ändern und sich damit der Zeit anpassten, ging dieser Kelch am "Länderspiegel mit Leichen" immer wieder vorbei: Der TATORT-Vorspannfilm ist noch der gleiche wie am Abend des 29. November 1970, dem Tag, an der TATORT zum ersten Mal über die Bildschirme flimmerte.

Augen, Beine und Hände: Horst Lettenmeyer

"Es war ein Job wie jeder andere", sagt der Schauspieler, dem die Augen und die Beine aus dem Vorspann gehörte: Horst Lettenmeyer. Der arbeitete damals als Schauspieler in München und bekam von seiner Agentur einen folgenschweren Anruf: man habe seine Augen ausgewählt für den "Pilotfilm einer geplante Krimiserie der ARD". Lettenmeyer brauchte nicht lange zu überlegen: "Mach ich". Lettenmeyer war kein besonders bekannter Schauspieler, hielt sich mit solchen Jobs damals über Wasser. Also gab es kein großes Nachdenken.

Horst Lettenmeyer (1994) bei der Jubiläumsfeier zum 300. TATORT (Bild:SWF)

Die Gage für den einen Tag Arbeit betrug läppische 400 DM. Dafür musste Lettenmeyer den halben Tag Standaufnahmen (Augen- und Handszenen im Vorspann) im Münchner Studio über sich ergehen lassen, den restlichen Tag wurden am Flughafen München Riem die Laufszenen aufgenommen. Für Lettenmeyer war die Sache damit erstmal abgehakt.

Jahre später verklagte er die ARD angesichts der häufigen Wiederholungen auf die Zahlung von Wiederholungshonoraren - vergeblich. Einen kleinen Schauspielauftritt als Gewerkschaftsboss hatte Lettenmeyer dann noch beim Schimanski-TATORT in Der Pott, doch die Schauspielerei konnte Lettenmeyer dauerhaft nicht ernähren. Er wechselte in die Lampenbranche und machte auf Leuchtröhren - sein Unternehmen macht mittlerweile Millionen Umsätze, die Sache mit dem TATORT-Vorspann sei für ihn gegessen, sagte er 1994 anlässlich der 300. Jubiläumsfeier, zu der die ARD ihn noch einlud und in der TATORT-Regisseur Jürgen Roland ihn dazu befragte. Heute hat die ARD-Programmdirektion keinen Kontakt zu Lettenmeyer, will nicht mal mehr wissen, wie sie ihn erreichen kann; eine Telefonnummer hat sie nicht, verlautet es aus der ARD-Programmdirektion in München...

Vorspann kam aus MĂĽnchen

In München wurde der TATORT-Vorspann 1970 auch entworfen und "erfunden" - beim Bayerischen Rundfunk. Redakteur Peter Hoheisel, später auch für die meisten TATORTe mit Gustl Bayrhammer als "Oberinspektor Veigl" zuständig, war auch für das Projekt "TATORT-Vorspann" verantwortlich. Das Konzept: Die Kombination aus emotionalen Bildern und prägnanten graphischen Elementen sollte rasant und spannend wirken, unterstützt durch Musik, Bildführung und den Schnitt.

Bei YouTube.de ein beliebtes Video: der TATORT-Vorspann

Täter, Opfer und Ermittler im TATORT-Vorspann

Im Vorspann ist das klare Helle des Auges und eine panische Flucht im Dunklen gegenübergestellt, die Ermittler und Täter darstellen sollen. Das Opfer ist höchstens zu erahnen - in den Händen und der Lettenmeyerschen Abwehrhaltung. Der Vorspann nimmt den Fernsehzuschauer durch das Auge im Fadenkreuz und alle anderen shots ins Visier - und hat darin ein bekanntes Vorbild aus dem Kino, den Vorspann zu den Agentenfilmen von "James Bond". Dort ist es der Schattenriß eines Mannes, der durch den Schnappverschluß eines Kameraobjektivs auf den Zuschauer vor der Leinwand schießt.

Ă„uĂźerst beliebtes Filmchen

Selbstmurmelnd ist der Vorspann auch bei Fans und Zuschauern besonders beliebt - viele wollen ihn als Einzelfilm irgendwo herunterladen, für andere löst er ausgesprochen feinsinnige Diskussionen aus, sie beobachten ihn offensichtlich sehr genau. So werden auch an den tatort-fundus immer wieder Fragen gerichtet, welches System oder Prinzip dahinterstecke, dass beispielsweise bei manchen Vorspann-Versionen mal drei, mal fünf Ringe im Fadenkreuz zu sehen sind. Und warum die Farben wechseln - mal beginne der Vorspann mit einem roten, mal mit einem blauen Bild?

Fragen, welche die TATORT-Welt offenbar bewegt - und auf die es bisher keine offizielle Antwort gibt. Vermutlich gibt es ĂĽberhaupt kein System dabei, als die Sender das Signet vor den fertigen Film bauen.

Es zeigt aber eins: auch wenn der TATORT-Vorspann-Film, das Markenzeichen der Krimireihe im Kern unverändert blieb, wurde er jedoch geringfügig, ja fast unmerklich, verändert bzw. modifiziert.

Francois Werner


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen. 1€ oder 2€ pro Besucher reichen schon! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Alle Wiederholungen der nächsten 3 Tage
25.06.HRDer tote Chinese
26.06.ORF2Angezählt
26.06.ARDAngezählt
26.06.1FESTAngezählt
26.06.1FESTAngezählt
27.06.RBBDer lange Arm des Zufalls

Walter: Bruno, das ist Anstiftung zum VerstoĂź gegen Dienstvorschriften.
Ehrlicher: Walter! Wenn wir immer nur nach Dienstvorschriften gearbeitet hätten, was wäre dann aus uns geworden?
Walter: Polizeipräsident.
aus: AuĂźer Kontrolle (2003)

TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

SERVICE
Schreiben Sie unserer Redaktion, wenn Sie eine Frage zum TATORT haben: frage (at) tatort-media.de

 UNTERSTĂśTZUNG
Unterstützen Sie diese Website und tätigen Sie Ihre Einkäufe über unsere Amazon-Partner-ID.Danke.

FORUM
Diskutieren Sie mit anderen Fans in unseren Foren

RANGLISTE
TATORT-Fans bewerten in der Rangliste alle Folgen und alle Ermittler - Beteiligen Sie sich!

© tatort-fundus 1997 - 2016
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite fĂĽr Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3