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Der TATORT wird 40 Jahre alt

Vom Lagerfeuer zum Livestream

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dem ersten TATORT mit dem Titel "Taxi nach Leipzig" läuft die brillante Jubiläumsfolge "Wie einst Lilly". Durch ständige Veränderung hat sich die älteste und erfolgreichste deutsche Krimireihe erstaunlich jung gehalten.  

Bild von: HR / Johannes Krieg - LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) und seine Sekretärin Magda Wächter (Barbara Philipp) bilden das vielleicht merkwürdigste Gespann, das in 40 Jahren "Tatort" zu sehen war

Zwei Beamte spazieren 1969 in Trenchcoates gekleidet um einen Kölner Weiher - und erfinden dabei die erfolgreichste Krimireihe des deutschen Fernsehens. Dem beim WDR angestellten Gunther Witte, bald sollte er den Titel "TATORT -Koordinator" tragen, und seinem Chef GĂĽnter Rohrbach sollte der konspirative FuĂźweg dazu dienen, eine Waffe gegen die schwer angesagte ZDF-Serie "Der Kommissar" zu finden. Diese war damals ein StraĂźenfeger ohnegleichen. 

Heute ist "Der Kommissar" nur noch eine nostalgische TV-Erinnerung der BRD, der TATORT hingegen lebt immer noch - fast möchte man sagen: besser denn je. Die immer schon starken Quoten kletterten in den vergangenen Jahren wieder nach oben. Das Publikum ist so jung, wie es sich das Ă–ffentlich-Rechtliche ansonsten nur erträumt. Dazu räumt das förderale Krimi-Projekt der ARD zu Recht fast jeses Jahr wichtige Preise ab. All das, weil Routine beim TATORT erfreulich klein geschrieben wird - wie auch die brillante HR-Jubiläumsfolge Wie einst Lilly mit dem neuen Ermittler Ulrich Tukur beweist. Auch 2011 werden wieder neue Kommissare ihren Dienst aufnehmen. 

Auf einen Tag ist man dem tatsächlichen Jubiläum auf den Pelz gerückt. Am 29. November 1970 lief Taxi nach Leipzig, der erste Film aus der Reihe TATORT. Einen Tag vor dem 40. Geburtstag nimmt Ulrich Tukur als hessischer LKA-Kommissar Felix Murot seinen Dienst auf. Dass das Jubiläum um einen Tag vorgezogen wird, hat seinen Grund. Immerhin gibt es Regeln beim TATORT, die noch wichtiger sind als jedes Jubiläum. So zum Beispiel, dass ein neuer TATORT immer sonntags, um 20.15 Uhr, im Ersten ausgestrahlt wird, sofern nicht gerade am Montag Feiertag ist. Andere strenge Regeln, die einst Ängsten der Senderverantwortlichen vor einem etwas schwammigen Grundkonzept entgegenwirken sollten, lauteten, dass die Fälle aus Sicht des Kommissars geschildert werden, dass am Ende die Aufklärung des Mordes und ein Mörder präsentiert und dass das geschilderte Verbrechen von den Zuschauern als "realistisch" wahrgenommen wird.

Bild: WDR / Bettina Fürst-Fastré - "Tatort"-Koordinator Gebhard Henke

Fast all diese Regeln wurden mittlerweile im Einzelfall gebrochen, meistens jedoch eingehalten. 1969 fürchteten Gunther Witte und Co., dass insgesamt acht unterschiedliche Ermittler, mit denen die ARD-Anstalten den TATORT starteten, zu viel Konfusion beim Zuschauer hervorrufen könnten. Heute sind etwa 30 Kommissare, aufgrund der vielen Zweiergespanne und der Tatsache, dass einige Sendeanstalten gleich mehrere Ermittler ins Rennen schicken. Der Marke TATORT hat das nicht geschadet. Sahen die Erstausstrahlungen 2007 durchschnittlich 7,33 Millionen Zuschauer (20,8 Prozent Marktanteil), so steigerte sich der Schnitt 2008 auf 7,51 Millionen (21,9 Prozent Marktanteil) und 2009 auf 8,02 Millionen (22,9 Prozent Marktanteil). Im Oktober 2010 lag die durchschnittliche Zuschauerzahl bei 8,34 Millionen, einem Marktanteil von 23,5 Prozent.

Und obwohl TATORTe selten durch hohes Tempo oder im Sinne einer MTV-Dating-Show "coole Typen" auffallen, ist das Programm durchaus jung."Im Jahr 2009 war eine Folge aus MĂĽnster der jĂĽngste Film im Ersten ĂĽberhaupt", sagt der heutige TATORT-Koordinator Gebhard Henke. "Er war sogar noch jĂĽnger als Harry Potter". Dass die Jugend dem Krimifossil etwas abgewinnen kann, ist Woche fĂĽr Woche den Quotenstatistiken zu entnehmen. GrĂĽnde mögen in einer modernen Markenstrategie zu finden sein, die man der unbeweglichen ARD so gar nicht zugetraut hätte. TATORT, frĂĽher nur als kollektives TV-Lagerfeuer im Wohnzimmer ein Renner, gibt es mittlerweile als Livestream sogar auch via Facebook, als DVD-Kollektion, als Hörspiel-Podcast mit eigenen Fällen und natĂĽrlich als endlose Wiederholung in den Dritten Programmen. Kaum ein Tag, an dem kein TATORT zu sehen wäre. 

Mit Seitenscheitel und Krawatte: Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) gab sich zumindest optisch adrett und ordentlich. Bild: WDR
"Zabou" (WDR, 1990): Einer von vielen starken "Tatorten" mit Schimanski (Götz George). Hier versucht er, ein Mädchen (Claudia Messner) aus dem Drogenmilieu zu befreien. Bild: WDR

Die Marke ist so stark, dass sie auf ihrem prominentesten Wiederholungssendeplatz freitag, um 21.45 Uhr, im Ersten eine hochkarätige Erstausstrahlung wie die leider gefloppte Dominik Graf-Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens" locker ausknockt.

Dass sogar junge Popkulturzeitschriften wie "Intro" mit einem "40 Jahre TATORT" Cover aufmachen, wenn auch etwas ĂĽberhastet schon im April 2010, zeigt, dass die Reihe definitiv eine wichtige Rolle im Geschichtenkonsum der Jungen spielt. Was vor allem an der Qualität der Stoffe und Protagonisten liegt, die sich immer wieder zeitgemäß neu erfinden. Spielte Walter Richter im ersten TATORT von 1970 seinen Kommissar Trimmel noch so, wie man sich einen Polizeibeamten vor 40 Jahren vorstellte - bärbeiĂźig, trocken, mit zu kurzer Krawatte ĂĽber dem Wohlstandsbauch, aber knallhart in der Sache - spiegelten spätere Ermittler ebenfalls den Geist der Zeit wider. 

Hansjörg Felmy als Kommissar Heferkamp, der in der zweiten Hälfte der 70-er ermittelte und den die F.A.Z. einmal treffend als "Nachkriegsmelancholiker" bezeichnete. Götz George, der als Anarcho-Kommissar Schimanski die 80-er prägte und der das Wort "ScheiĂźe" im Staats-TV etablieren durfte. Oder Maria Furtwängler, die 2002 als Hannoveraner LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm ihren Dienst aufnahm und zur ersten schwangeren und alleinerziehenden Kommissarin wurde. Heute gibt es neben eher traditionellen Teams, wie den MĂĽnchnern Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl), seit 1991, aber durchaus immer wieder mit innovativen Fällen, oder den Kölnern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär), seit 1997, durchaus Ermittler, die der Avantgarde nahe stehen. Man denke vor allem an die feinnervigen Kommissare Sänger (Andrea Sawatzki) und Dellwo (Jörg SchĂĽttauf) aus Frankfurt, deren Fälle fast immer das Genre erweiterten und die mit den meisten Grimmepreisen aller TATORTe ĂĽber die letzte Dekade die Rangliste der vielfach ausgezeichneten Krimireihe fĂĽhren. 

Altern in Einsamkeit: Kommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki, rechts) mit einer einsamen alten Dame (Edeltraud Schubert). Der Film, der sich auf anrührende Art mit dem Älterwerden befasst, erhielt den Grimme-Preis. Bild: HR

Das alte Duo des Hessischen Rundfunks hat seine Arbeit nun leider eingestellt - jedoch nicht, ohne fĂĽr hochkarätigen Ersatz zu sorgen. Ulrich Tukur ist als Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot im Jubiläums-TATORT einer der besten Krimis in der jĂĽngeren Geschichte der Reihe gelungen. Und mit Joachim KrĂłl und Nina Kunzendorf, die 2011 ihre Arbeit in Frankfurt aufnehmen, steht ein weiteres viel versprechendes Team in den Startlöchern. Ebenfalls 2011 wieder dabei: die Schweiz, welche mit einem gewissen Reto FlĂĽckiger, gespielt von Stefan Gubser, nach jahrelanger Abwesenheit in die Phalanx der TATORT-Produzenten zurĂĽckkehrt. 

2001 war das Schweizer Fernsehen aus dem Krimiprojekt ausgestiegen, weil die Eidgenossen sonntags angeblich lieber Spielfilme schauten. Die Sendestatistiken der Alpenrepublik belegten jedoch, dass die Mehrheit der Zuschauer in den Jahren danach - sofern empfangbar - lieber den TATORT beim deutschen Nachbarn verfolgten. Einer 40-jährigen Erfolgsgeschichte entkommt man eben nicht aufgrund eilig ausgerufener Trends. Herzlichen Glückwunsch zur sich ewig verändernden Beständigkeit! Philosophen, deren Spezialgebiet die Dialektik ist, mögen sich die Zähne ausbeißen an diesem Widerspruch.

Eric Leimann - Teleschau Mediendienst


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