Karneval und TATORT verbindet eine lange Geschichte voller Mißverständnisse. Zum Beispiel die Fasznetzunft der Schwarzwaldstadt Villingen; Als es daran ging, die Dreharbeiten zum TATORT
Bienzle und das Narrenspiel zu organisieren, die letzten Schliffe am Drehbuch vorzunehmen, meldeten sich die Narros (alemannisch für "Narren") beim Drehbuchautor Felix Huby zu Wort. Sie verlangten vom erfolgreichen Drehbuchautoren Einsicht in das Buch und hatten selbstmurmelnd Änderungswünsche. Sie verlangten von Huby, dass alle Fasnet verunglimpfenden Passagen umgeschrieben, ergo: zensiert, werden. Der Zunftmeister der "Historischen Narrozunft Villingen 1584 e.V." schrieb an Huby, dass es nicht angehen könne, dass "Narros Mörder oder Getötete" sind, dabei werde die Fasnet in den Dreck gezogen.
Keinen Karneval nach Amerika tragen

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Auch bei den Dreharbeiten zum Klassiker
Tote Taube in der Beethovenstraße von Hollywood-Regisseur Sam Fuller zickten die Jecken rum: sie sollten eigentlich einen Rosenmontagszug gestalten, in dessen Vordergrund eine Verfolgungsjagd im Film gedreht werden sollte. Doch das fiel dem "Schull- und Veedelszög" und seinem Zug-Leiter Ferdi Leisten trotz des stattlichen Honorars von damals 10 000 DM nicht ein. Sie wollten ihren Karneval mit diesem Film nicht nach Amerika tragen und dort bekannt(er) machen. Fuller entrüstete sich, der WDR bangte um den erfolgreichen Dreh seines TATORTs. Rettung kam dann in Form der Karnevalsgesellschaft "Kuniberts Ritter". Die lieferten dem Starregisseur und dem WDR den gewünschten Extrazug. Und das dann sogar kostenlos. Die vom WDR nun ausgelobten 5000 DM wurden anstandslos der
Aktion Sorgenkind überwiesen.
Bei halber Krawatte ist der Ofen endgütig aus
Sorgen bereitete auch der erste TATORT-Fall von Bernd Flemming. Die Folge
Der Mörder und der Prinz, die immer wieder gerne an Rosenmontagen in den ARD-Programmen wiederholt wird, versprüht wenig Spaß und gute Laune. Im Gegenteil. Alles wirkt etwas gestelzt, krampfhaft auf lustig getrimmt. Der Kommissar zudem als mürrischer Zeitgenosse gezeichnet, läuft nur mißmutig durch die Ermittlungen um ein totes Manneqiun und einen toten Taxifahrer. Als im wilden Düsseldorf dann auch noch der Karnevalsprinz angeschossen wird, hört der Spaß ganz auf - dem Kommissar wird von närrischen Kolleginnen die Krawatte um die Hälfte gekürzt, der Ofen ist aus. Wenn der Kommissar daran doch Spaß hatte, hätte er es besser seinem Gesicht erzählen sollen - das wusste davon nämlich offenbar nichts.

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Mit von der Partie in dieser Karnevalsfolge war auch die Darstellerin der allerersten TATORT-Kommissarin Nicole Heesters. Die selbst hatte 1979 den TATORT
Der gelbe Unterrock zu drehen, der auch in der Karnevalszeit spielt und das wilde Treiben dramturgisch nutzt: denn der Mord-Verdächtige flüchtet durch die unwegbaren Menschenmengen, natürlich noch im Kostüm - die Ermittlungen gestalten sich schwierig, langatmig und wenig spaßig.
Karnevals-Folge landet im Giftschrank
Zudem hat diese TATORT-Folge auch im Sender keine rechte Freude aufkommen lassen. Die Redakteurin und Produzentin Susan Schulte fand diesen Film so mißglückt, dass sie ihn am liebsten versteckt und nicht gezeigt hätte. Der als Nummer 2 gedrehte Fall
Der gelbe Unterrock wurde dann als Fall Nummer 3 gesendet; in einer Zeit übrigens, in der die Diskussion um den "Untergang" und "Tod" des TATORTs öffentlichskeitswirksam gut im Gange war, und als beliebte Darsteller mit "ihren" Sendern regelrecht "abrechneten" und ihre Verträge kündigten - (gemeint sind Bayhammer und Felmy)
Und auch dieser Fall geriet in die öffentliche Kritik: zur schlechten filmischen Qualität kam noch ein abartiger Mord hinzu, der nicht unbedingt fernsehmassentauglich war. In diesem Film werden die Phantasien eines jungen Manns geschildert und erwähnt, die darin bestehen, Frauen und Mädchen die Luft ab schnüren zu wollen, sie zu fesseln und sie zu demütigen. Der Sender wiederholte diesen Film seither nie wieder, er zählt deshalb zu den sog. "Giftschrankfolgen". Auch Jahre später nach dem Weggang der sonst geachteten Produzentin Schulte wird dieser Film per Order de Mufti weiterhin im Archiv belassen. Um die Fans abzuhalten, diesen Film über den Mitschnittsdienst des Senders zu bestellen, hat der Sender den Preis auf damals DM 580.-- gesetzt.
Total einfallsreich: Die Verdächtigen flüchten immer im Karnevalsgetümmel
Weitere Karnevalsfolgen unter dem TATORT-Label sind beispielsweise
Akt in der Sonne, in der einige Szenen während des Frankfurter Karnevals spielen. Es muss unter den Drehbuchautoren ein ungeschriebenes Gesetz geben: der Verdächtige kann immer im Menschengetümmel flüchten, verkleidet sich und entwischt der Staatsgewalt- lustig ist das lange nicht mehr.
Auch der TATORT
Restrisiko spielt während des Kölner Karnevals, die Tote ist gar das Funkenmariechen. Gleiches Spiel: die Ermittler kommen irgendwann durch den Karnevalszug. Aus der närrischen Menge droht Gefahr, denn aus der Menge heraus will der Mörder jemanden töten. Das ahnungslose und potenzielle Opfer steht im offenen Fenster und hat trotz des eher hinderlichen und nicht gerade für Liebesbekundungen geeigneten Situation wie eben lautes Geschrei der Jecken nichts besseres zu tun, seiner ebenfalls in der Menschenmenge befindlichen Freundin ein "Alaaf" zuzurufen; das aber nur der ganz genau hinhörende und vermutlich närrische Zuschauer als ein herzzerreißendes "A laaf you" erkennen kann.
Kölner Ermittlern werfen nur fair gehandelte Kamellen

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Und last not least gehen auch die Kommissar-Darsteller unter die Jecken. Seit Jahren schon sind die Kölner TATORT-Ermittler Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär auf dem Rosenmontagszug dabei,so auch 2007. Auf dem Rosenmontagszug wollen sich die beiden Ermittler ganz von ihrer närrischen Seite zeigen und vom Festwagen eines Vereins fair gehandelte Kamelle ins jecke Volk werfen. Bei der Verlosung dieser prominenten und öffentlichkeitswirksamen Wagengäste kann jeder Kölner Verein, der aktiv am Rosenmontagszug teilnimmt, mitmachen. Pro Kauf eines speziell zusammengestellten "Fairen Paketes" erhält man ein Gewinn-Los und werfen nur fair gehandelte Kamelle ("Jecke Fairsuchung im rheinischen Karneval"). Besonders närrisch ist zu allem Überfluss: die Kampagne "Jecke Fairsuchung" steht unter der Schirmherrschaft von Jean "Hobbythek" Pütz.
Der hat hier ja wirklich noch gefehlt!