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Heute ist der: 27.05.2017.
 

TATORT: Wien

Die 13 unterschlagenen TATORTe

Zwischen 1985 und 1989 produzierte der Österreichische Rundfunk (ORF) 13 TATORT-Krimis außerhalb der Gemeinschaftsproduktion mit dem deutschen Senderverbund ARD. Die Erstsendung fand deshalb nur in Österreich statt. TV-Wiederholungen schienen bisher völlig ausgeschlossen, doch zum 60. Geburtstag des Fernsehens packt der ORF eine dieser Perlen aus.

Diese Folgen stellen nicht nur immer wieder die Zählung der TATORT-Folgen der deutschen ARD-Programmacher auf eine wackelige Grundlage; nein, auch wahre TATORT-Fans werden nervös, wenn die Sprache auf diese Folgen kommt: Für sie sind diese TATORTe besonders interessant, da kaum im Fernsehen gezeigt und bei nur wenigen Fans im Archiv. Hoffnungen auf Wiederholungen brauchen sich die Fans nun leider auch nicht mehr machen.

Senderechte abgelaufen

Denn für Wiederholungen seien die Senderechte abgelaufen, heißt es vom damaligen ORF-Redakteur Ernst Petz im Jahr 2008 gegenüber dem tatort-fundus. Mehr noch: auch mangels Zuschauerinteresse denke der ORF nicht daran, diese wieder irgendwo zu wiederholen. Dass das Interesse an diesen 13 Streifen gering ist, beweist der ORF höchstselbst: Als der tatort-fundus bei der Redaktion des ORF-Fernsehspiel anfragt, nachträglich offizielle Besetzungslisten und Inhaltsangaben erhalten zu können, wird mitgeteilt, dass diese Unterlagen bereits vernichtet wurden - ätsch!

Mitschnittsdienst bietet die Folgen an

Bei den Fans stehen diese 13 Folgen aber naturgemäß hoch im Kurs. Überwiegend deshalb, weil diese Folgen in Deutschland bisher nur sporadisch gezeigt wurden und der Besitz dieser Krimis das Archiv eines Fans erst wirklich vervollständigen. Über den ORF-Mitschnittsdienst sind diese Folgen zwar erhältlich, aber was den Preis angeht, fragt der Fan lieber nicht nach Sonnenschein. In Fankreisen tauschen zwar viele Fans vorhandene Videobänder- und DVD-Aufnahmen der Folgen, doch liegen diese nicht in der besten Qualität vor.

Glücksfall am TATORT

Diese 13 TATORTe wurden zwischen 1985 und 1989 vom Österreichischen Rundfunk produziert, zusätzlich zu den TATORT-Beiträgen, die der Sender aus Wien in die ARD-Gemeinschaftsproduktion nach Deutschland einbrachte. Für den Redakteur Petz war dies ein Glücksfall, als seine Abteilung zur Entwicklung dieser TATORTe mehr Geld als sonst zur Verfügung hatte. Petz konnte sich aus den Krimis denjeningen aussuchen, den er auch in Deutschland zeigen wollte - die anderen Filme wurden nur im Sendegebiet des ORF erstgesendet.

Die 13 eigenproduzierten ORF-Folgen im Überblick

  1. Fahrerflucht (19.05.1985)
  2. Des Glückes Rohstoff (08.09.1985)
  3. Strindbergs Früchte (12.01.1986)
  4. Das Archiv (02.03.1986)
  5. Die Spieler (13.06.1986)
  6. Alleingang (24.08.1986)
  7. Der Schnee vom vergangen Jahr (12.10.1986)
  8. Der Tod des Tänzers (18.12.1986)
  9. Die offene Rechnung (11.01.1987)
  10. Superzwölfer (25.04.1987)
  11. Atahualapa (08.12.1987)
  12. Flucht in den Tod (19.12.1987)
  13. Geld für den Griechen (21.05.1989)

Erstsendung nicht in Deutschland

Erst später wurden einige Folgen auch in Deutschland in den Dritten Programmen gezeigt. Beispielsweise im Programm des Hessischen Rundfunks (Geld für den Griechen am 25.06.91) oder des Bayerischen Rundfunks, der sogar bei einigen dieser 13 Filme als Koproduzent mitwirkte. Jahre später brachte der ORF einige Ausgaben dieser 13 "Sonder"-TATORTe auch ins Gemeinschaftsprogramm von 3sat ein. Aufgrund der Senderechte ist es absolut unwahrscheinlich, einen dieser 13 Folgen nochmals in Deutschland sehen zu können - falls nicht das Zuschauerrinteresse an diesen "Sonder"-TATORTen urplötzlich spürbar steigt.

Echte TATORTe

Der Begriff "Sonder"-TATORTe ist dabei eigentlich irreführend, denn diese Filme sind vollkommen echte TATORTe: sie haben den bekannten Vor- und Abspann, es ermitteln die gleichen Ermittlerfiguren der damaligen Zeit und auch dramaturgisch ist kein Unterschied zu anderen Wien-TATORTen zu spüren. Nur beim Schauplatz hat sich der ORF auch über Österreichs Grenzen gewagt; eine Folge spielt teilweise in Venedig und New York; in der Folge Der Schnee vom vergangenen Jahr ist die Hauptfigur der Journalist Alex Lutinsky, der quasi ermittelt - auf Hirth, Fichtl und Co. verzichtet der Sender nur bei diesem TATORT-Krimi. 

Einzig der Hinweis auf die Gemeinschaftsproduktion TATORT fehlt im Abspann der Filme und folglich auch das Fadenkreuz am Ende - der Abspann läuft stets über das letzte Bild (Ausnahme: Der Tod des Tänzers), meist ist dann das Kriminalerteam über den fast obligatorischen Abschlussgag lachend zu sehen.

Einmalig und ziemlich ungewöhnlich: der Abspann des ORF-TATORTs Der Tod des Tänzers

Wie ein Staatsgeheimnis

Man könnte zudem fast meinen, die Existenz dieser 13 Folgen gleiche einem Staatsgeheimnis. In keiner offiziellen ARD- und ORF-Listung von TATORTen tauchen diese Folgen auf. Die ARD-Programmdirektion weiß zwar von diesen 13 Filmen, erwähnt sie aber bisher in keiner Publikation. Zu allen Jubiläen erscheinen Broschüren mit Listen der Krimi-Folgen; die 13 Folgen fehlen indes.  

Selbst wenn sie nicht innerhalb der offiziellen und partnerschaftlichen Gemeinschaftsproduktion der ARD mit dem ORF produziert bzw. gesendet wurden, ist ein Verschweigen dieser Folgen nicht wirklich nachvollziehbar, schließlich sind es TATORT-Filme wie alle anderen auch - mit Vorspann und Doldinger-Fanfare, den Ermittlern, etc. Die Existenz dieser Folgen wäre zudem jedem Zuschauer leicht zu vermitteln; wenn die PR-Verantwortlichen in der Programmdirektion stoisch behaupten, es gebe nur x Folgen, dann ist dies schlicht nicht zutreffend, sondern es gibt immer (x+13)TATORTe. 

Dies erklärt auch die Angabe der Gesamtanzahl der erstgesendeten TATORTe auf der Startseite der Webseite tatort-fundus. Die Zahl unterscheidet sich zwar von der offiziellen ARD-Zählung - um eben diese 13. Aber die laufende Zählung der ARD wird dennoch übernommen - die "Sonder"-TATORTe erhalten im tatort-fundus einfach Zusatzziffern in der Folgennummerierung. Für die erste "außer der Reihe"-TATORT-Folge, die nach dem 168. deutschen TATORT in Österreich gesendet wurde, wird die Zahl 168.1 gebraucht usw.

Francois Werner


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