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Heute ist der: 15.12.2017.
 

Interview mit Christoph Bach

„Ich spiele gerne Outsider“

Am Sonntag spielt Christoph Bach zum 10. Mal im TATORT mit. In „Dein Name sei Harbinger“ stellt Bach die ziemlich wahnhafte Figur des Schlüsseldienstbesitzers Harbinger dar, der im Berliner U-Bahnsystem lebt und offenbar Böses im Schilde führt. Wir sprachen mit dem Schauspieler über diese Figur als auch über die Herausforderung und den Reiz, sie zu verkörpern.

Christoph Bach spielt im TATORT Dein Name sei Harbinger die titelgebende Hauptfigur - und das sehr gerne, wie er sagt. © rbb/Gordon Muehle

Was ist Harbinger fĂĽr eine Figur?

Harbinger betreibt einen Schlüsseldienst am U-Bahnhof Alexanderplatz. Sein Laden hat vielleicht öfter geschlossen als geöffnet, aber er scheint zunächst einem normalen Job nachzugehen. Aber sehr früh wird deutlich, dass der Schlüsseldienst nur die Spitze eines Eisbergs ist. Denn über den Schlüsseldienst scheint er auch Zugang zum kompletten Berliner U-Bahnsystem zu haben, wo Harbinger sich wie ein Fisch im Wasser bewegt und mit seinem riesigen Schlüsselbund offenbar überall Zugang hat. Harbinger ist auch jemand, dem ein weiterverzweigtes Wahnsystem innewohnt und der mit einer sehr apokalyptischen Weltsicht für eine große Mission unterwegs ist. Diese Figur scheint nicht nur ziemlich gefährlich zu sein, sondern zugleich auch sehr gefährdet.



Christoph Bach spielt den anfangs sehr undurchsichtigen Harbinger. Was führt er im Schilde? Harbinger öffnet seinen Schlüsseldienst in einem U- Bahnhof nur sporadisch. © rbb/Gordon Muehle

Was war der Reiz fĂĽr Sie, diese undurchsichtige Rolle anzunehmen?

Es war das Buch der beiden groĂźartigen Autoren Matthias Tuchmann und Michael Comtesse, das mich sofort gepackt hat.

Was genau hat Sie gepackt, als Sie das gelesen haben?

Diese Figur war natürlich beim ersten Lesen auch für mich mysteriös. Harbinger ist jemand, den ich auf den ersten Blick überhaupt nicht verstanden habe und den etwas Unglaubliches anzutreiben scheint. Er ist jemand, der nur drei Stunden pro Nacht schläft und unfassbar alleine zu sein scheint. Man versteht anfangs überhaupt nicht, was seine Mission ist und was ihm da so wichtig ist. Ich habe mir also Fragen gestellt: Wie sieht dieses Wahnsystem aus, wie muss ich mir das vorstellen? Persönlich kennt man das vielleicht auch von Begegnungen auf der Straße oder sogar aus dem direkteren Umfeld, wo wir bei jemandem das Gefühl haben, ich verstehe diesen Menschen nicht mehr, er erscheint paranoid, der bezieht alles auf sich....Das kann einem Angst machen und gleichzeitig erfüllt es einen natürlich mit Sorge und man versucht vielleicht zu helfen. Für mich war genau diese Mischung auch im Hinblick auf die Figur Harbinger interessant.

Sie wurden in der Vergangenheit schon einige Male für solche "Eigenbrötler"- oder "Außenseiter"-Rollen besetzt. Ist das Ihre Spezialität?

Ich bin natürlich froh darüber, dass es eine große Bandbreite gibt, die ich spielen darf. Zum Beispiel auch so einen Familienmenschen wie Paul Ehrlich in "Charité". Aber ich freue mich auch sehr über jede eigenbrötlerische, grenzgängerische oder einzelgängerische Figur, von denen es tatsächlich auch schon viele gab in meiner Schauspielerlaufbahn. Das sind immer hochambivalente Figuren, die für mich als Schauspieler sehr dankbar sind. Ich freue mich eigentlich jedes Mal über solche Angebote. Ich spiele gerne Outsider und Eigenbrötler.


Weitere TATORT-Auftritte von Christoph Bach

Bachs erster TATORT-Auftritt 2002 in Undercover als Famulant Gregor Stein, Bild:NDR
2008 in der Kölner Folge Brandmal als Mario Klemper, Bild:WDR
und 2015 als Mark Moss und erstmals als Mörder im TATORT in Lu, Bild.SWR

Warum?

Weil sie schwer auszurechnen sind, weil sie vielschichtig sind und weil es schwer herauszubekommen ist, warum sie so sind, wie sie jetzt sind. Wie sind sie zu dem geworden? Man kann sich eine große Vorgeschichte dazu ausmalen, man sieht vielleicht, wo die Brüche der Figur sind, auch Verletzungen erahnen und versuchen, sich dem zu nähern. Im Übrigen glaube ich, dass ich bis zuletzt den Harbinger nicht ganz verstanden habe. Wobei es auch nicht meine Auffassung ist, eine Figur bis zum Ende psychologisch aufschlüsseln zu müssen. Es ist viel interessanter, wenn wir eine Figur kennenlernen, aber das Geheimnis dieser Figur bleibt.

In seiner Welt der U-Bahnhöfe, Notausgänge und unterirdischen Schächte bewegt sich Harbinger "wie ein Fisch im Wasser", sagt Christoph Bach über seine TATORT-Figur. © rbb/ Gordon Muehle

Wie haben Sie sich auf die Figur Harbinger" vorbereitet - Ist es wirklich "nur" das Lesen des Drehbuchs?

Tatsächlich ist es gerade bei einem TATORT oder überhaupt bei einem Krimi immer wieder DAS Drehbuchlesen. Und zwar viele Male und das ist fast schon der Schlüssel. Gerade bei einem gut gebauten Krimi ist das Lesen der Versuch, den Krimi immer wieder zu durchdringen. Wenn das Buch toll geschrieben ist, wie in diesem Fall, findet man so immer neue Fährten der Autoren, bekommt neue Ideen, erkennt neue Facetten. Für mich war dann aber auch zentral, dieses "Wahnsystem" des Harbingers, das sich die Autoren da ausgedacht haben, weiter auszumalen und die Regeln besser zu verstehen. Wie funktioniert das, wie setzt sich das zusammen und wo wird es auch absolut sinnlos und wo landet es in einem Dead End, in einem schwarzen Loch. Das ist bei einem Wahn ja auch oft der Fall.





...wobei Harbinger in seinem Ziel ziemlich klar scheint, oder?

Auch wenn es im TATORT überhaupt nicht um eine medizinisch-psychiatrische Diagnose oder Einordnung von Harbinger ging, habe ich mich dem Thema natürlich mit etwas Recherche auch so angenähert. Solche Wahnsysteme sind ja nicht immer geschlossen und durchaus auch porös, sie mäandern und wabern, es blitzt was auf im Kopf und es verändert sich auch wieder was. Wobei bei Harbinger einige dieser Dinge gefestigt waren, schon seit langer Zeit: Der große Auftritt – seine Mission – steht ja fest.

Die Fragen stellte Francois Werner


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