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Heute ist der: 22.09.2017.
 

Interview mit Richy Müller

„Es ist ganz erfrischend, dass wir von Lannert heute eher wenig Privatleben sehen“

Richy Müller spielte in „Stau“ zum 21. Mal den Hauptkommissar Thorsten Lannert. Welches Alleinstellungsmerkmal dieser Kommissar heute noch hat, was der Darsteller über das Privatleben der Ermittler denkt und wofür sich der Schauspieler immer wieder einsetzt, verrät er im Interview.

Richy Müller bei der Premiere des neuen TATORTs Stau auf dem Sommerfestival des SWR am 2. Juni 2017 in Stuttgart: Bevor Stau 5.000 neugierigen Zuschauern präsentiert wird, beantwortet er gutgelaunt einige Fragen. Vorher stand er TATORT-FUNDUS Rede und Antwort. Bild: Kai Tobie, tatort-fundus.de

Macht es nach 21 gedrehten TATORTen als Hauptkommissar Lannert eigentlich noch Spaß, den Kommissar zu geben?

Unbedingt. Denn wir haben ja das Glück, gute Geschichten und unterschiedlichste Regisseure zu haben, die für den Stuttgarter TATORT arbeiten. Gerade habe ich für mich festgestellt, dass es mir vorkommt als hätten wir gerade erst begonnen. Insofern ist das ein gutes Zeichen.

.... und mit Regisseuren wie Dietrich Brüggemann in „Stau“ oder Dominik Graf kann sich ja auch nicht jeder TATORT „schmücken“.

Das sehe ich auch so. Für Dietrich Brüggemann ist es der erste TATORT. Bisher hatte er nur Kinofilme gemacht. Es war sehr interessant, mit ihm zu arbeiten.

Was genau war das Interessante?

Richy Müller am 2. Juni 2017 auf dem Stuttgarter Schloßplatz. Er fand die Geschichte des TATORTs Stau "sensationell" und lobte den Regisseur für seine punktgenaue Inszenierung, Bild: Kai Tobie, tatort-fundus.de

Dietrich Brüggemann ist sehr unkonventionell und ein angenehmer Querdenker. Seine Herangehensweise ist erfrischend und hält dadurch das Ensemble in einem Frischezustand, der alles möglich macht. Sehr bemerkenswert. Dies fand auch beim letzten TATORT-Dreh mit Dominik Graf statt: Individuen, die einem festen Format ihre Sichtweise verleihen. Sehr wohltuend.

Wie gefiel dir denn „Stau“, als du die Geschichte erstmals gelesen hast?

Ich finde die Geschichte sensationell. Dietrich hat mal gesagt „Denk ich an STUTTGART, denk ich an Stau! Denk ich an TATORT, denk ich an ein Verbrechen.“ Voila: „STAU“!
Die Zeitspanne der Ermittlung beträgt etwa 2 Stunden, somit haben wir fast einen Echtzeit-TATORT geschaffen. Besonders gut gefällt mir, dass alle Figuren, die vorkommen, auch erzählt werden. Das schafft Authentizität und vor allem den ungewohnten und sehr willkommenen Humor in diesem Film.

Du gibst in „Stau“ teilweise einen sehr routinierten und abgeklärten Polizisten. Gab es trotzdem was Neues für dich bei „Stau“ - eine Herausforderung für das Spielen der Figur Lannert?

Da die Leute im Stau quasi automatisch verdächtig waren, musste ich so oft wie noch nie die folgende Belehrung sprechen, was wirklich Spaß gemacht hat. „Gegen Sie besteht Anfangsverdacht auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Es steht Ihnen frei, sich zur Sache zu äußern, auch können Sie die Aussage verweigern, Sie können bereits jetzt einen Anwalt Ihrer Wahl zu Rate ziehen, und Sie können auch schon zum jetzigen Zeitpunkt Beweiserhebung veranlassen".

Letztlich ist das Spielen des Lannerts immer eine Herausforderung, es sollte nicht zur Routine werden. Diese Story kam Lannert natürlich entgegen, ohne Indizien zu ermitteln, erfordert großes Gespür - und das hat er. Danke, Dietrich Brüggemann.

Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln diesmal in einem Stau auf der Stuttgarter Weinsteige, hoch über der Stadt. © SWR/Andreas Schäfauer

Man merkt, der erfahrene Kommissar Lannert hat das Geschehen im Griff, er schreit nicht herum und bleibt Herr der Lage - und ist immer auch sehr ruhig…..

Wobei das dem Tod des Kindes geschuldet war, finde ich.

Nur deswegen?

Nicht nur, aber auch. Und im Sinne der Mördersuche macht Lannert tatsächlich wenig Unruhe und beobachtet eher. Er will die Leute pur sehen und dann seine Schlüsse ziehen. Würde man da brutal reinbrechen, würden die Leute vermutlich dicht machen und es wäre nichts erreicht dadurch.

Das erinnert mich spontan an deinen Vorgänger, den Kommissar Bienzle. Der beobachtete auch eher und brauchte nur abzuwarten, bis was passiert.

Ja, das mag sein. Aber das ist auch eine Erfahrungssache, wie man – im Alter, mit Erfahrungen, die gemacht wurden- seine Kräfte einteilt.

Lannert ist einer der wenigen Ermittler, der kein Privatleben (mehr) hat. Das hat derzeit fast schon Seltenheitswert und ist in meiner Wahrnehmung sehr wohltuend. Wie sieht Richy Müller das?

Das war immer mein Ansinnen. Anfangs hatte man mir ja eine Familie geschrieben. Das fand ich auch gut, um zu zeigen, dass Lannert nicht vom Hochwasser angeschwemmt wurde und dass er diese Erfahrungen auch hat – Kinder, Frau und dass es Familienleben gibt.

Stattdessen hat mein Kollege Bootz jetzt das große Privatleben abbekommen und in meiner Wahrnehmung auch ganz schön dicke. Ich finde manchmal, es reicht damit und man sollte das nicht übertreiben. Das meinen auch immer wieder Zuschauer, die mich im Alltag ansprechen. Es ist ganz erfrischend, dass wir von Lannert heute eher wenig Privatleben sehen.

„Stau“ ist ja mehr als nur ein bloßer Kriminalfall. Könnte man da vielleicht sogar von einer Milieustudie oder einer Gesellschaftskritik sprechen?

Das meinte ich mit dem Hinweis, dass alle Figuren erzählt werden. Das hat Regisseur Dietrich Brüggemann gut beobachtet und mit seinem Können punktgenau inszeniert.

Hauptkommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) befragt während des Stillstands im Stau auf der Stuttgarter Weinsteige auch Tina Klingelhöfer (Susanne Wuest) und ihre Tochter Miris (Anastasia Clara Zander, hinten) im Auto. © SWR/Alexander Kluge

Gibt es etwas, was Dir an „Stau“ besonders gut in Erinnerung blieb?

Zum einen der Schluss. Ein ergreifender Moment der ohne viel Worte auskommt, geradezu sensationell. Wenn Bilder erzählen, nenne ich das Film. Das ist hier sehr gut gelungen.

Und zum anderen?

…..hat mir der logistische Aufwand für diesen TATORT imponiert. Die ganze Weinsteige in einem Studio nachzuempfinden - das war erstaunlich und auch sicher nicht billig und schön, dass der SWR das gestemmt hat. Hut ab!

Der Stuttgarter TATORT hat nach einer starken Anfangsphase, mittendrin ein wenig geschwächelt, zumindest in unserer Wahrnehmung. Aber seit einiger Zeit geht’s wieder richtig rund im Ländle: Ihr habt tolle Geschichten, gute Autoren und Regisseure!

Das sehe ich ähnlich. Der SWR hat aber wieder gute Autoren angesprochen und tolle Regisseure verpflichtet. Nachdem es anfangs sehr gut lief, wurde es plötzlich ein wenig müde um den Stuttgart TATORT und da habe ich dann damals ein Veto eingelegt, das auch im Sinne der damaligen Fernsehspielchefin Christine Strobel war und so bekamen wir wieder gute Autoren und Roland Suso Richter machte dann mit einem Buch von Holger Karsten Schmidt die Eröffnung der Wiedererwachung. Seitdem haben wir gute, hochqualitative Bücher und unterschiedliche Geschichten - was mir ganz wichtig ist.

Hat das schon Früchte getragen?

Ich finde schon. Beim ersten TATORT mit Niki Stein, „Der Inder“: Erstmals wurden in Kritiken Schauspieler genannt und hervorgehoben. Prima.

Wo siehst du den Stuttgarter TATORT positioniert?

Wir sind auf einem guten Weg. Deswegen ist es ein Leichtes für mich, hier weiterzumachen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Richy Müller fand am 2. Juni 2017 in Stuttgart statt. Die Fragen stellte Francois Werner
TATORT: WEINSTEIGE STUTTGART

TATORT: Stau

Feierabendzeit an einem Herbsttag in Stuttgart. Die Stadt steht im Stau. Alle wollen nach Hause, keiner kommt voran. In einer Wohngegend liegt ein junges Mädchen tot am Rande der Fahrbahn. Schädelbasisbruch, das könnte ein Unfall mit Fahrerflucht sein, aber auch eine absichtliche Tötung. Der einzige Zeuge ist erst drei Jahre alt und entsprechend unzuverlässig. Also macht Thorsten Lannert sich auf zu der Wagenschlange, sichert Spuren, sammelt Aussagen und begegnet dabei der ganzen Bandbreite von zunehmend gereizten Heimkehrern.
TATORT-Erstsendung am Sonntag, 10. September 2017

TATORT: STAU

Nein, diesmal geht es nicht um Stickoxyde oder Feinstaub, wir sind nicht am Neckartor oder auf der Durchgangsader B 10, wo die deutschen Verschmutzungsrekorde gemessen werden. Aber die Weinsteige, die sich von der Stuttgarter Innenstadt hochschlängelt zum Fernsehturm und zur Autobahn, ist auch nicht schlecht. Dort sind die Staus programmiert. Wilfried Geldner über den neuen TATORT Stau

INTERVIEW MIT DIETRICH BRÜGGEMANN

Dietrich Brüggemann hat mit „Stau“ seinen ersten TATORT-Film inszeniert. Im Interview erklärt er, was die Besonderheiten seines Erstlingswerks sind, welchen logistischen Aufwand die Dreharbeiten erforderten und welche Bedeutung Filmmusik oder Autobatterien haben können. "Stau" läuft in Kürze als Premiere auf dem Filmfestival des Deutschen Films in Ludwigshafen und am 10. September 2017 in DasErste.

INTERVIEW MIT SZENENBILDNER PROF. KLAUS PETER PLATTEN

Prof. Klaus-Peter Platten hat über Jahre zahlreiche TATORTe aus Süddeutschland als Szenenbildner gestaltet. Im Interview erzählt er, wie bei der neuesten Stuttgarter-Folge Stau vorgegangen ist, um die Weinsteige möglichst realistisch nachzubilden.

BILDERGALERIE VON DER PREMIERE

Am 2. Juni 2017 wurde der TATORT "Stau" auf dem SWR-Sommerfestival auf dem Stuttgarter Schlossplatz erstmals 5.000 gespannten Zuschauern vorab präsentiert. Mit großem Applaus goutierten die Besucher der Premiere den neuen TATORT von Dietrich Brüggemann. Eine Bildergalerie von der Veranstaltung.

FANS BEIM MEET & GREET

Am 2. Juni 2017 wurde der TATORT "Stau" auf dem SWR-Sommerfestival auf dem Stuttgarter Schlossplatz erstmals 5.000 gespannten Zuschauern vorab präsentiert. Vorher konnten ausgewählte TATORT-Fans an einem Meet & Greet teilnehmen und die Hauptdarsteller Richy Müller und Felix Klare hautnah miterleben. Einige Bilder von der Veranstaltung



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