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Heute ist der: 27.05.2017.
 

Die Wahrheit

Schlaflos in München

Ein halbes Jahr, verdichtet auf 90 Minuten: Einen derart langsam erzählten TATORT bekommt man selten zu sehen. Wie zäh das Ermitteln manchmal sein kann, davon erzählen Sebastian Marka und Erol Yesilkaya in "Die Wahrheit", einer neuen Folge aus München. Und sie zeigen, wie die Arbeit an den Nerven der Ermittler zehren kann.

 

Kommissar Batic wandelt schlaftrunken durch einen Fall, der es eigentlich in sich hat, der so erschreckend beginnt, wie ein TATORT nur sein kann. Nur ganz bei der Sache ist Batic nie. Dienstmüde ist er, nach nunmehr 25 Jahren, ausgebrannt und aggressiv. Mal wieder ein TATORT, in dem die Kommissare zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um sich auf den Fall zu konzentrieren.

Dabei zeigt Batic, der schon auf den Beinen ist, lange bevor sein Wecker klingelt, anfangs durchaus Arbeitseifer. "Ich will ihn kriegen, dieses kranke Arschloch", wettert er, nachdem er zusammen mit Kollege Leitmayr zum Tatort gerufen wurde. Ein ganz besonders perfides Verbrechen ist es, das dem Zuschauer da in den ersten Minuten zugemutet wurde. Auf offener Straße und am helllichten Tage, wie die Boulevardzeitungen später schreiben werden, wird ein Mann erstochen. Einem auf dem Boden liegenden Obdachlosen wollte er aufhelfen, doch statt Dank erwarteten ihn mehrere Stiche in den Bauch. Wenig später stirbt er. Seine Frau Ayumi und sein Sohn Taro mussten das Verbrechen mitansehen.

 

Am Tatort angekommen, machen die Kommissare einen Mann aus, der auf erste Zeugenbeschreibungen passt. Batic jagt ihn, einen alten Grauhaarigen, sprintet durch brachliegendes Industriegelände, verliert einen Schuh, macht schlapp. 62 Jahre ist er nun schon alt, verraten die TATORT-Chroniken im Internet. Die Jungspunde, die zuletzt in den deutschen TATORT-Städten die Ermittlungsarbeit aufgenommen haben, sie würden wohl mitleidig gucken ob der Altersbeschwerden des Münchner Kollegen.

Eingefangen wird der Mann, ein Obdachloser, dann doch. Nur: Es ist der falsche. Nicht die erste Panne, die dem Ermittlerduo passiert. Ausgerechnet Ayumi, die Frau des Ermordeten, muss die Kommissare darauf hinweisen, doch die Mülleimer am Tatort zu durchsuchen. Blutspuren werden hier gefunden, sie entlasten auch einen weiteren Verdächtigen, der sich erst selbst als möglicher Täter geriert, dann aber ebenfalls erstochen wird. "Weil er sich mit fremden Federn schmückte, musste er sterben", ist auf den Rücken der Leiche geschrieben.

 

Der eigentliche Täter, das wird dank der Expertise von Christine Lerch, der Leiterin der Operativen Fallanalyse, schnell klar, hat sein erstes Opfer nicht gekannt. Er hat getötet, weil er Lust dazu hatte. Der Tote war ein Zufallsopfer, es hätte jeden treffen können. Das ist das Beunruhigende an diesem Fall.

Nicht minder beunruhigend ist es aber, Batic und Leitmayr beim Stümpern zuzusehen. Während Leitmayr die alleinige Leitung der SOKO übertragen bekommt und sich in die Idee verrennt, tausende Männer zum DNA-Test einzubestellen, entwickelt sich Batic zum Ersatzpapa für den Halbwaisen Taro. So vergehen die Monate, ohne dass Fortschritte erzielt werden. Am Ende sind dann auch noch Taro und seine Mutter in Gefahr, die Kommissare aber beim geselligen Frustsaufen. Ist ja nur ein Film, sagt man sich. Bis man dann liest, was Bayerns Innenminister kürzlich einem Journalisten in den Block diktierte: "Wir haben eine Überstundenbelastung wie noch nie zuvor." Das ist sie wohl, "Die Wahrheit", die dieser TATORT im Titel trägt.



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