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Heute ist der: 15.12.2017.
 

Feierstunde

Die tödliche Wissenschaft

Es mutet fast ein wenig unanständig an, so schamlos mit den Ängsten der Stammzuseherschaft zu spielen. Der ARD-Sonntagskrimi ohne Professor Boerne?! Nicht auszuschließen, dass sich unter den 12, 13 Millionen, die jedesmal die Münster-Folgen einschalten, so manche bei der bloßen Vorstellung entleiben. Im TATORT "Feierstunde" schwebt der beim Fan so beliebte Rechtsmediziner aber tatsächlich in allergrößter Lebensgefahr.

 

Ein privat und beruflich gebeutelter Forscherkollege hat sich in ein Rachefantasma hineingesteigert. Der Regisseur Lars Jessen hat ein von Elke Schuch ausgedachtes Geiselnahme-Szenario trefflich in Szene gesetzt - gewohnt pointenreich, aber vor allem ausnehmend spannend. Wie man weiß, ist Letzteres keine Selbstverständlichkeit am Krimiklamaukstandort Nummer eins.

Zugegeben, ein wenig Anlauf braucht der Rache-Thriller schon, um in die Gänge zu kommen. Kommissar Thiel und seine Kollegin Krusenstern begutachten eingangs eine Mietwohnung, in der sich eine unheilbare kranke Frau im Rollstuhl mit der Schrotflinte ins Gesicht schoss. Ihr Gatte, Professor Harald Götz mit Namen, ist irritierenderweise daheim nicht anzutreffen. Offenbar hat sich der erfolglose Wissenschaftler-Kollege von Professor Boerne nach dem Suizid seiner Frau schnurstracks zu seiner Psychotherapeutin verdrückt. Die scheint es nicht sonderlich ernst zu nehmen, dass der Witwer ihr freimütig seine Mordfantasien am arroganten Institutsrivalen Boerne in allen blutigen Details schildert. Ein Fehler. Denn schon bald sieht man Professor Götz mit gezogener Waffe eine geschlossene Feierlichkeit im Gasthof stürmen. Boerne wollte hier mit seinesgleichen die Bewilligung eines sündteuren Forschungsprojekts feiern. Der Abend läuft ganz anders als geplant.

 

Was folgt, ist in Teilen ein beklemmendes Kammerspiel mit Geiseln, aber immer wieder auch eine herrlich bissige Abrechnung mit der Welt der Wissenschaft. Sollte es wirklich gang und gäbe sein, dass Leute wie der blasierte Boerne über Seilschaften und selbstherrliches Auftreten all die Fördermittel abgreifen, die einer grauen Labormaus wie dem verbitterten Götz vorenthalten bleiben?

Der in der Karriere versandete Wissenschaftler ist jedenfalls überzeugt, dass er seine an der Nervenkrankheit ALS verzweifelte Ehefrau hätte heilen können - ja, hätte man ihm nur seine Forschungsanträge bewilligt. Der großspurige Boerne, der drei Millionen Euro in ein Mumien-Projekt stecken darf, soll nun am eigenen Leib erfahren, wie es der traurigen Frau Götz erging. Recht bald konstatiert der arme Rechtsmediziner erste Lähmungserscheinungen - die anwesenden Kollegen diskutieren schon pietätbefreit seine Nachfolge. Doch womit hat ihn der mörderische Geiselnehmer infiziert? Vielleicht mit Tollwut-Viren? Droht bei der Erstürmung der Gaststätte eine Epidemie?

 

So dramatisch das alles ist: Wer die Fälle aus dem Westfälischen vor allem wegen der Mätzchen und Kabbeleien liebt, kommt nicht zu kurz. Beim unangefochtenen Publikumsfavoriten unter den TATORT-Produktionen wurde viel zu oft vergessen, den Klamauk mit dem Krimi zu versöhnen. Diesmal aber tappt Thiel im Seuchenschutzanzug wie ein aufgepumpter Teletubby tatsächlich urkomisch in eine zum Zerreißen angespannte Situation. Wenn sie den Slapstick mit dem Thriller kreuzen, sind die Münsteraner fast nicht zu schlagen.

Und Professor Boerne? Man verrät kein Staatsgeheimnis: Der geliebte Geck wird selbstverständlich noch für weitere TATORT-Auftritte gebraucht. Nach seiner wundersamen Rettung beteuert er am Ende gar, ein besserer Mensch werden zu wollen. Ob er seinen Fans allerdings damit einen Gefallen täte, steht sehr in Zweifel.



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