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Heute ist der: 23.09.2017.
 

Durchgedreht

Ein Beamtenkrimi

Finanzbeamte sollten sich gut überlegen, ob sie den Start in die neue TATORT-Saison wirklich einschalten wollen. Nicht dass sich noch einer ernstlich aufregt über ein derart grelles Berufsklischee: Der Steuersachbearbeiter Sven Habdank gilt in seiner Behörde als besonders bissiger Aktentiger. Kleine Sünder treibt er mit bürokratischem Feuereifer in den Herzinfarkt. Aber daheim, da ist dieser dröge Anti-Charismatiker nur ein Hanswurst, der seiner Frau und seinen Kindern nichts mehr bedeutet.

 

Kann es die Rache eines von ihm verfolgten Finanzschlingels sein, dass eines Nachts Frau und Sohn des Beamten Habdank ermordet werden? Das ist eine Arbeitshypothese, der die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk im bürgerlichen Kriminaldrama Durchgedreht nachgehen, der ersten neuen TATORT-Folge seit Anfang Juni.

Zeitgleich zum letzten Wettkampftag in Rio sendet das Erste diese lang ersehnte Krimipremiere nach schier endlosen Wochen Wiederholungsstrecke. Man kann nur hoffen, dass es bei Olympia im ZDF deutlich spannender zugeht als im Film von Norbert Ehry und Dagmar Seume.

 

Der ist nämlich vom gleichen Schlag wie das Beamtenmilieu, das er porträtiert: schematisch, langatmig und voller Papierrascheln, statt echter Dialoge. Wo waren sie zur Tatzeit? Kann das jemand bezeugen? In welcher Beziehung standen sie zum Opfer? So geht das unentwegt, und weil das als Erzählprinzip doch recht trocken ist, wird das zähe Gequassel unablässig mit deprimierender Klaviermusik umspült. Spritzig geht anders.

Den Kölnern darf man das so deutlich um die Ohren hauen. Denn die Kölner haben zuletzt ganz oft gezeigt, dass sie es unendlich viel besser können. Dieses Depri-Stück aber muss aus der Mottenkiste der Krimiunterhaltung gefallen sein. Es trägt auch nichts zum Gelingen bei, dass eingangs ein kleiner Junge sterben muss und die kaum ältere Schwester von Ballauf verstört aus dem Keller gerettet wird. Die Tochter kriegt vom Kripomann ein Spielzeug gekauft und muss später noch für einen Drama-Showdown herhalten - so geht das nicht.

 

Alles ist unglaublich schludrig erzählt. Ihre Tatverdächtigen ermitteln Ballauf und Schenk zum Beispiel, indem sie im Finanzamt einfach mal mit dem Finger den obersten Aktendeckel lupfen - "Ole Winthir, ist das nicht der berühmte Journalist?" Einen anderen Steuersünder muss Ballauf im Wartezimmer Mund zu Mund wiederbeleben - Herzinfarkt! -, nur um sich vom wundersam genesenen Pleite-Unternehmer tags darauf bei der Befragung blöd anreden zu lassen.

Ein bisschen Steuergerechtigkeitsdebatte klingt da an. Der Rest sind ziemlich komplizierte und ziemlich gestörte Familienverhältnisse. Durchgedreht, wie es der konkurrenzlos beliebige Episodentitel suggeriert, ist da leider wenig - eher schon besteht akute Wegdösgefahr. Anders gesagt: Wer die dank Fußball-WM und Olympia heuer episch lange TATORT-Sommerpause eigenmächtig um eine Woche verlängert, verpasst nicht allzu viel.



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