Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 23.04.2017.
 

Narben

Die den Krieg importieren

"Irgendjemand musste ihn töten." Die letzten Worte in diesem Kölner TATORT, gesprochen vom Täter, klingen schwer und verhängnisvoll nach. Dass sie unwidersprochen bleiben im Film von Regisseur Torsten C. Fischer und Autor Rainer Butt, mag man bedenklich finden, aber es geht eben auch um schier unaussprechliches Grauen, das in weit entfernten Winkeln der Welt wütet, aber doch ganz nah ist, seit in den Flüchtlingsheimen der Republik die Betten knapp werden. Mal wieder ein volkspädagogisch ambitionierter TATORT zum Reizthema Nummer eins also, Aber doch einer, der die Problemlage anders akzentuiert.

 

Zu Tode kommt einer, der es eigentlich rausgeschafft hatte aus dem Bürgerkriegselend im Osten Kongos. Der angesehene Mediziner Dr. Patrick Wangila wird spät abends vor den Toren der Kölner Klinik erstochen, in der er angestellt war. Fachlich und menschlich wissen die Kollegen nur Gutes über den emigrierten Doktor zu berichten, der seine Stelle der in der Flüchtlingshilfe engagierten Kollegin Dr. Sabine Schmuck verdankte.

Während Ballauf und Schenk im privaten und beruflichen Umfeld des Opfers erste Ungereimtheiten entdecken, fällt ihr Interesse zusehends auf einen Vorfall in einem Kölner Flüchtlingsheim wenige Tage vor dem Mord. Eine junge Frau, Kongolesin wie das Mordopfer, stürzte während eines Polizeieinsatzes die Feuertreppe hinunter und brach sich das Genick. Als Notfallmediziner war an jenem verhängnisvollen Tag ausgerechnet Dr. Patrick Wangila zur Stelle. Kann das Zufall sein?

 

Narben heißt dieser in der globalen Krisenstimmung badende Krimi, und der Titel ist nicht nur metaphorisch gemeint. Wie über exotische Kraterlandschaften streift die Kamera wiederholt und fast staunend in extremer Nahaufnahme über verätzte und vernarbte schwarze Hautflächen. "Rassismus, Hass. Die Angst ist immer da. Das ist Flüchtling", redet der gezeichnete Bruder des Mordopfers den Kommissaren und auch dem Zuschauer ins wohlstandsverwöhnte Gewissen, doch es geht dann nicht um sein Leid, sondern um das traumatisierter Frauen.

 

"Als Frau kann man an vielen falschen Orten geboren werden - Ost-Kongo steht ganz oben auf der Liste", ist noch so ein TATORT-typischer Erklärbärsatz, gesprochen von der idealistischen Krankenpflegerin Angelika Meyer. Die Kommissare müssen erkennen, dass sich Wölfe im Schafspelz unter den Schutzsuchenden aus Schwarzafrika tummeln, die den Krieg importiert haben und die Geringschätzung des weiblichen Geschlechts. Die Erkenntnis wird zur Entspanntheit der Deutschen in der Flüchtlingsfrage nicht eben beitragen. Aber wie sagte der Journalist Giovanni di Lorenzo unlängst in einer bemerkenswerten Rede in Dresden: "Ich bin der festen Überzeugung, dass Probleme nicht dadurch groß werden, dass man sie erwähnt, sondern dadurch, dass man sie verschweigt."



BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2017
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3