Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 27.05.2017.
 

Kleine Prinzen

Schweizer Angelegenheiten

Es gab eine Zeit, da mühte sich der Schweizer TATORT an zweifelhaften Vorbildern ab. Die Kommissare wurden ständig zum Imbiss beordert, weil das die Kollegen aus Köln eben auch so machen. Und als Partnerin des Hauptermittlers wurde eine Schauspielerin verpflichtet, die mit Sonnenbrille, Lederjacke und obertaffer Attitüde gar nicht erst versuchte, ihre amerikanische "CSI"-Serienvergangenheit zu verschleiern.

 

Dabei gilt doch im Leben allgemein und im Krimi eben auch: Wohl dem, der ganz bei sich ist! Zum kleinen Jubiläum aus Luzern - zehnter Fall für Reto Flückiger am Vierwaldstättersee - wird nun klugerweise eine Geschichte erzählt, die man so schlüssig nirgends anders als in der Schweiz aufblättern könnte. Es geht in die seltsamen Parallelwelten der Eliteinternate und der diplomatischen Immunität.

Um Menschen mithin, die sich für was Besseres und unangreifbar halten. Und die dem diesmal herrlich sturköpfigen Flückiger genau deshalb gehörig auf den Zeiger gehen. Nur sacht moderiert von Kollegin Liz Ritschard grantelt sich der Schweizer Moralist durch die Flure eines Eliteinternats. Eine Schülerin wurde ermordet und auf einer Landstraße gefunden. Ein reizstrotzendes junges Ding, wie Rückblenden im Handyvideostil verraten. Ein bildhübsches Lebemädchen, das wohl auch dem Drogenkonsum nicht abgeneigt war, den es laut der schmallippigen Schulleitung doch eigentlich gar nicht gebe unter den Zöglingen aus ausnahmslos bestem Hause.

 

Poltert der Flückiger schon durch die Penne wie der sprichwörtliche Porzellanladenelefant, hat sein Auftritt im Nobelhotel kaum später das Zeug, eine diplomatische Krise auszulösen. Der Emir eines Wüstenstaats hat die ganze obere Etage gemietet, die rechtlich wie ein autonomer Staat im Staate zu behandeln ist. Ein verkniffener Bundespolizist tritt auf, der Order hat, den Kriminalermittler in die Schranken der Diplomatie zu weisen. Doch Flückiger, tatkräftig unterstützt vom Vater der ermordeten Lolita, ist wild entschlossen, den Söhnen des Emirs auf den Zahn zu fühlen. Sie gehörten zum partylustigen Freundeskreis der toten Schülerin.

 

Erfreulich an diesem Luzerner Jubiläumsfilm ist der gallige Humor, der nicht nur den Kommissar, sondern auch ein paar schrullige Nebenfiguren beseelt. Anzukreiden ist dem Drehbuch von Stefan Brunner und Lorenz Langenegger hingegen, dass es sich für das Seelenleben der zentralen Episoden-Figuren nicht näher interessiert. Die Milieustudien verbleiben doch sehr an der Oberfläche. So rauscht das Geschehen mit einiger Distanz an der Zuschauerempathie vorbei, was fraglos auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Schweizer TATORT wie immer so auch diesmal recht auffällig nachsynchronisiert wurde. Doch damit muss das mit dem Schwyzerdütsch nur unzulänglich vertraute ARD-Publikum wohl leben - bei aller Sympathie für sprachliche Authentizität. Untertitel sind vermutlich eher keine konsensfähige Lösung.

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2017
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite fĂĽr Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3