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Heute ist der: 23.08.2017.
 

Im gelobten Land

Tod auf der Ladefl├Ąche

Man stelle sich vor: ein f├╝hrerloser Lkw auf einem deutschen Autobahnrastplatz. Eine Einheit der Drogenfahndung observiert das verd├Ąchtige Fahrzeug mit Engelsgeduld und ahnt nicht, dass w├Ąhrenddessen im Inneren 23 Fl├╝chtlinge grausam ersticken. Stunden sp├Ąter, als im Laderaum die Zwischenw├Ąnde aufgeschraubt werden, bietet sich ein Bild des Grauens. Ein Bild, das man aushalten muss als Zuschauer des Stuttgarter TATORTs mit dem sarkastisch anmutenden Titel "Im gelobten Land". Leicht f├Ąllt das nicht.

Lannert und Bootz haben sich ├╝berworfen. ┬ę SWR / Johannes Krieg

Es spricht f├╝r die Weitsicht des Autors Christian Jeltsch, dass er dieses Horrorszenario laut eigener Aussage schon vor ├╝ber zwei Jahren nach intensiver Recherche entwickelte. Und es spricht B├Ąnde ├╝ber den Zustand der Welt, dass die Fantasie des Drehbuchschreibers von der Wirklichkeit eingeholt wurde. Zur Erinnerung: Im August 2015 erstickten 71 Fl├╝chtlinge auf der Ladefl├Ąche eines Lasters, der auf der A4 bei Parndorf im ├Âsterreichischen Burgenland auf dem Pannenstreifen abgestellt wurde. Die Meldung ging um die Welt. Dennoch erscheint es angesichts des ungebrochenen Fl├╝chtlingsstroms nach Europa h├Âchst unwahrscheinlich, dass das Gesch├Ąft der Schleuserbanden seither gelitten hat.

Im TATORT hei├čt der Hintermann der fiktiven Fl├╝chtlingstrag├Âdie Milan Kostic. In Jugendjahren floh er selbst vor dem Balkankrieg nach Deutschland. So einer wei├č um die N├Âte derer, die unter Lebensgefahr Elend und Verfolgung entkommen wollen. Ist der schw├Ąbelnde Gangster mit Migrationshintergrund am Ende vielleicht ein verkannter Idealist oder doch nur ein eiskalter Ausbeuter der Verzweifelten? Oder vielleicht etwas von beidem? Eine spannende Frage, um die es im dicht inzsenierten Film von Regisseur Z├╝li Aladag auch geht.

Kommissar Lannert soll dem Schleuserpaar helfen, aus dem Fl├╝chtlingsheim zu entkommen. ┬ę SWR / Johannes Krieg

├ťber weite Strecken entwickelt sich das Geschehen als beklemmendes, n├Ąchtliches Kammerspiel. Nach dem Leichenfund im Lkw verfolgt Thorsten Lannert den mutma├člichen Schleuser Kostic, der auch in einer Mordsache im Drogenmilieu tatverd├Ąchtig ist, auf eigene Faust in ein Fl├╝chtlingsheim. In einem stickigen Zimmer im f├╝nften Stock wird der Stuttgarter Kripo-Mann von Kostics Schwester und Komplizin Mitra niedergestochen und festgehalten.

Noch eine weitere Geisel ist verletzt: die asylsuchende Lela. Die Schwarzafrikanerin k├Ânnte gegen Kostic aussagen, bangt aber um die Familie, die unterwegs nach Deutschland ist. Ebenfalls in einem von Kostics Lkws. W├Ąhrend Lannerts Kollege Bootz mit dem SEK die Zimmer der Unterkunft der Reihe nach durchsucht, verstrickt der Schleuser den Polizisten in ein Dilemma: Sollte Lannert ihm und seiner Schwester nicht zur Flucht aus dem Geb├Ąude verhelfen, w├╝rden weitere Fl├╝chtlinge einen qualvollen Erstickungstod sterben.

Kommissar Lannert will Lela helfen. ┬ę SWR / Johannes Krieg

Leider l├Ąsst es sich nicht verschweigen: Beim redlichen Bem├╝hen, soziale Relevanz in einen Hochspannungsplot zu ├╝berf├╝hren, ist die Plausibilit├Ąt des Ganzen ein St├╝ck weit auf der Strecke geblieben. Selten, dass sich hier einer verh├Ąlt, wie es in der jeweiligen Situation nachvollziehbar w├Ąre. Warum st├╝rmt ein Kripo-Beamter auf eigene Faust ein Fl├╝chtlingsquartier? Warum ordert sein Kollege erst das SEK und geht dann im entscheidenden Moment doch alleine vor? Vermutlich weil es der dramatischen Zuspitzung dient ...

Kalt l├Ąsst einen dieser Duell-Thriller mit sozialkritischem Unterbau trotzdem nicht. Bis zum Ende. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Dass ein deutscher Fernsehkommissar eine Gruppe junger, offenbar arabischst├Ąmmiger M├Ąnner voller Erleichterung in Empfang nimmt, ist ein starkes Schlussbild. Eines, das in diesen aufgeregten Tagen seine Wirkung nicht verfehlen wird.



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