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Heute ist der: 15.12.2017.
 

Im gelobten Land

Tod auf der Ladefläche

Man stelle sich vor: ein f√ľhrerloser Lkw auf einem deutschen Autobahnrastplatz. Eine Einheit der Drogenfahndung observiert das verd√§chtige Fahrzeug mit Engelsgeduld und ahnt nicht, dass w√§hrenddessen im Inneren 23 Fl√ľchtlinge grausam ersticken. Stunden sp√§ter, als im Laderaum die Zwischenw√§nde aufgeschraubt werden, bietet sich ein Bild des Grauens. Ein Bild, das man aushalten muss als Zuschauer des Stuttgarter TATORTs mit dem sarkastisch anmutenden Titel "Im gelobten Land". Leicht f√§llt das nicht.

Lannert und Bootz haben sich √ľberworfen. ¬© SWR / Johannes Krieg

Es spricht f√ľr die Weitsicht des Autors Christian Jeltsch, dass er dieses Horrorszenario laut eigener Aussage schon vor √ľber zwei Jahren nach intensiver Recherche entwickelte. Und es spricht B√§nde √ľber den Zustand der Welt, dass die Fantasie des Drehbuchschreibers von der Wirklichkeit eingeholt wurde. Zur Erinnerung: Im August 2015 erstickten 71 Fl√ľchtlinge auf der Ladefl√§che eines Lasters, der auf der A4 bei Parndorf im √∂sterreichischen Burgenland auf dem Pannenstreifen abgestellt wurde. Die Meldung ging um die Welt. Dennoch erscheint es angesichts des ungebrochenen Fl√ľchtlingsstroms nach Europa h√∂chst unwahrscheinlich, dass das Gesch√§ft der Schleuserbanden seither gelitten hat.

Im TATORT hei√üt der Hintermann der fiktiven Fl√ľchtlingstrag√∂die Milan Kostic. In Jugendjahren floh er selbst vor dem Balkankrieg nach Deutschland. So einer wei√ü um die N√∂te derer, die unter Lebensgefahr Elend und Verfolgung entkommen wollen. Ist der schw√§belnde Gangster mit Migrationshintergrund am Ende vielleicht ein verkannter Idealist oder doch nur ein eiskalter Ausbeuter der Verzweifelten? Oder vielleicht etwas von beidem? Eine spannende Frage, um die es im dicht inzsenierten Film von Regisseur Z√ľli Aladag auch geht.

Kommissar Lannert soll dem Schleuserpaar helfen, aus dem Fl√ľchtlingsheim zu entkommen. ¬© SWR / Johannes Krieg

√úber weite Strecken entwickelt sich das Geschehen als beklemmendes, n√§chtliches Kammerspiel. Nach dem Leichenfund im Lkw verfolgt Thorsten Lannert den mutma√ülichen Schleuser Kostic, der auch in einer Mordsache im Drogenmilieu tatverd√§chtig ist, auf eigene Faust in ein Fl√ľchtlingsheim. In einem stickigen Zimmer im f√ľnften Stock wird der Stuttgarter Kripo-Mann von Kostics Schwester und Komplizin Mitra niedergestochen und festgehalten.

Noch eine weitere Geisel ist verletzt: die asylsuchende Lela. Die Schwarzafrikanerin k√∂nnte gegen Kostic aussagen, bangt aber um die Familie, die unterwegs nach Deutschland ist. Ebenfalls in einem von Kostics Lkws. W√§hrend Lannerts Kollege Bootz mit dem SEK die Zimmer der Unterkunft der Reihe nach durchsucht, verstrickt der Schleuser den Polizisten in ein Dilemma: Sollte Lannert ihm und seiner Schwester nicht zur Flucht aus dem Geb√§ude verhelfen, w√ľrden weitere Fl√ľchtlinge einen qualvollen Erstickungstod sterben.

Kommissar Lannert will Lela helfen. © SWR / Johannes Krieg

Leider l√§sst es sich nicht verschweigen: Beim redlichen Bem√ľhen, soziale Relevanz in einen Hochspannungsplot zu √ľberf√ľhren, ist die Plausibilit√§t des Ganzen ein St√ľck weit auf der Strecke geblieben. Selten, dass sich hier einer verh√§lt, wie es in der jeweiligen Situation nachvollziehbar w√§re. Warum st√ľrmt ein Kripo-Beamter auf eigene Faust ein Fl√ľchtlingsquartier? Warum ordert sein Kollege erst das SEK und geht dann im entscheidenden Moment doch alleine vor? Vermutlich weil es der dramatischen Zuspitzung dient ...

Kalt lässt einen dieser Duell-Thriller mit sozialkritischem Unterbau trotzdem nicht. Bis zum Ende. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Dass ein deutscher Fernsehkommissar eine Gruppe junger, offenbar arabischstämmiger Männer voller Erleichterung in Empfang nimmt, ist ein starkes Schlussbild. Eines, das in diesen aufgeregten Tagen seine Wirkung nicht verfehlen wird.



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