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Heute ist der: 21.11.2017.
 

Totenstille

Schrecklich gut gemeint

Was immer die Zuschauer zu diesem Saar-TATORT, dem fünften mit Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink, im Einzelnen sagen werden - eines kann keiner behaupten: dass man nichts gelernt hat. Zumindest den Satz "Ich bin Polizist", dürfte nach Ansicht des Krimis wahrscheinlich ein jeder in Gebärdensprache draufhaben. Der ermittelnde Kommissar erzielt im Laufe der 90 Filmminuten sogar ganz erstaunliche Lernerfolge in dieser besonderen Form der Kommunikation.

Jens Stellbrink befragt den Architekten Weilhammer zur Tatnacht. © SR / Manuela Meyer

Ein Kauz eben, dieser Stellbrink, der mit Yogamatte und Vespa-Roller stets mehr den Eindruck eines Sonderschulpädagogen erweckt als den eines Kriminalbeamten. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum der 2013 um den Starschauspieler neu formierte Saar-TATORT die Publikumserwartungen bislang verlässlich unterlief. Auch Totenstille wirkt über weite Strecken seltsam unausgegoren. Immerhin gibt es Einblicke in ein interessantes Milieu: das der Gehörlosen. Das Besondere: Verkörpert werden diese Menschen von gehörlosen Darstellern.

Und so kommt die Geschichte in Gang: Während in einer Gaststätte die Trauerfeier für den verstorbenen Leiter einer Gehörlosenschule vonstattengeht, trifft sich im Hotelzimmer ein Stockwerk höher der Architekt Georg Weilhammer mit seiner Geliebten zum Sex, den die mit einer Überdosis Amphetaminen zugedröhnte Frau nicht überlebt. Herzversagen!

Kommissar Jens Stellbrink übt Gebärdensprache. © SR / Manuela Meyer

In panischer Sorge um den Fortbestand seiner Ehe ordert ihr Liebhaber aus dem Auto heraus per Handy einen Komplizen, um die Leiche verschwinden zu lassen. Was gesprochen wird, liest ihm jedoch Ben Lehner, ein gehörloser Leichenschmausbesucher, von den Lippen ab. Glänzende Gelegenheit, den wohlhabenden Geschäftsmann zu erpressen, findet Ben. Tatsächlich zahlt Weilhammer 10.000 Euro - doch dann geschieht ein Mord: Bens Freundin Ambra Reichert wird tot aufgefunden.

Alles in allem ein überschaubar komplexer und brisanter Fall. So können es sich die Macher leisten, die Milieustudie in den Vordergrund zu rücken. Dabei hilft Stellbrinks Neugier für Gebärdensprache und für die, die sie beherrschen - der Kommissar gönnt sich sogar einen Flirt mit einer gehörlosen Tänzerin! Und dabei hilft ebenso eine leicht penetrante Kommissarsanwärterin, die neu ins Team geschrieben wurde. Die burschikose Mia Emmrich kennt sich nicht nur besonders gut mit Dienstvorschriften aus, sondern auch mit dem Feld der political correctness: "Taubstumme zu sagen, ist genauso diskriminierend wie Zigeuner!", belehrt sie brüsk den Chef. Kein Wunder, dass der sich mit dezentem Mobbing revanchiert.

Im Gebärdenzwiegespräch kann Kommissar Stellbrink dem gehörlosen Ben Lehner einiges entlocken. © SR / Manuela Meyer

Es gibt durchaus schöne Ansätze in diesem gut gemeinten, aber auch recht leichtgewichtigen Kriminalstück mit zu vielen umständlichen Erklärdialogen und zu vielen Logikschwächen. Etwa dann, wenn die Tonspur immer mal wieder verstummt, damit der Zuschauer für die Lebenswirklichkeit der Gehörlosen sensibilisiert wird. Auch lernt man mit Episodenhauptdarsteller Benjamin Piwko einen außergewöhnlichen jungen Mann kennen: Der seit frühester Kindheit gehörlose Hamburger betreibt in seiner Heimatstadt eine Kampfsportschule. Als Schauspielnovize macht er es nicht schlecht. Nicht schlechter jedenfalls als all die anderen, die um den Fixstern Striesow im SR-Krimi kreisen. Aber das ist nur bedingt eine gute Nachricht.

Denn Striesow an der Saar - das fühlt sich noch immer an, als würde Pep Guardiola Darmstadt 98 trainieren. Es will einfach nicht so recht zuammenpassen, auch wenn sich alle Beteiligten spürbar die größte Mühe geben. Wie gesagt: Es ist alles schrecklich gut gemeint, aber bisweilen auch ganz schön unbeholfen. Manchmal ist "gut gemeint" bekanntlich das Gegenteil von "gut".

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 
 


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